Traumberufe

Kein Spaziergang: Der Eignungstest bei der Feuerwehr

Volontär Erik Acker hat beim sportlichen Einstellungstest der Feuerwehr in der Hans-Efing-Sporthalle in Dinslaken teilgenommen.

Foto: Lars Heidrich

Volontär Erik Acker hat beim sportlichen Einstellungstest der Feuerwehr in der Hans-Efing-Sporthalle in Dinslaken teilgenommen. Foto: Lars Heidrich

An Rhein und Ruhr.   Liegestütze, Schwebebalken, Sprint – der sportliche Eignungstest bei der Feuerwehr in Dinslaken hat es in sich. Schwitzen für den Traumberuf...

Kein Boden unter den Füßen, den Blick starr in die Luft gerichtet. Beide Hände umklammern eine Eisenstange. Der ganze Körper vibriert vor Anspannung. Die Augen fest zusammengekniffen. Christian Reich, 32 Jahre alt, hängt an einer Klimmzugstange, sein Kinn nur wenige Zentimeter darüber. 45 Sekunden muss er das durchhalten.

Sportlicher Eignungstest bei der Feuerwehr in Dinslaken in der Hans-Efing-Sporthalle. Ich darf mitmachen, habe mich nicht auf die einzelnen Übungen vorbereitet und bin gespannt, wie weit ich komme. Etwa 170 Bewerber sind nach der Einsicht ihrer Unterlagen zu dem Test eingeladen worden, fast 70 sind gekommen. Scheint kein Spaziergang zu sein, diese Prüfung.

Es wird nicht lange gequatscht

„Im Fitnessstudio habe ich die Übungen alle simuliert“, erzählt mir Christian, und Claudia Neumann warnt mich: „Der 400 Meter Sprint wird mein k.o.“. Ich bin nervös, habe mir nicht einmal angeschaut, welche Übungen auf mich warten.

Es wird nicht lange gequatscht, dann geht es schon zum Warmmachen und zur ersten Übung. Balancieren, auf einem Schwebebalken. Mit Gewicht und Hindernis. Ich schaffe es in 38 Sekunden, hätte 50 Sekunden Zeit gehabt. Aus meiner 13-köpfigen Gruppe schafft einer die Übung nicht. Nächste Station: Liegestütz, zwölf Wiederholungen, eine Wiederholung muss vier Sekunden gehalten werden. Kein Problem, diese Übung schaffen alle. Dann wird es schwieriger.

Wechselsprünge über eine 40 Zentimeter hohe Stange, 30 Sekunden lang mit mindestens 42 Wiederholungen. Hier bin ich skeptisch, ob ich das packe. In meiner 13-köpfigen Gruppe bin ich als Letzter an der Reihe, deshalb sehe ich, wie schon vor mir vier Leute scheitern. Dann bin ich dran. Kann den Sprungrhythmus ganz gut durchziehen und schaffe auch diese Übung.

Die Sekunden ziehen sich am Reck

Weiter geht’s. Schulterbreit gefasst und das Kinn über der Stange halten, 45 Sekunden lang im Beugehang. „Die Sekunden ziehen sich“, und „das wird hart“ höre ich aus meiner Gruppe heraus. Hier kämpfen wirklich viele, selbst Christian, der einen echt fitten Eindruck macht, zittert sich in den letzten Sekunden zum Ziel.

Aber die Gruppe feuert jeden Einzelnen an. Beeindruckend, wo sie doch eigentlich alle Konkurrenten sind. „Bislang hat mir auch jeder Test Spaß gemacht, weil wir uns immer gegenseitig gepusht haben“, sagt Claudia. Die zusammengewürfelte Gruppe hat sich innerhalb von wenigen Minuten zu einem Team entwickelt, auch ich freue mich für andere und ärgere mich, wenn jemand eine Übung nicht packt.

„Das wollen wir auch sehen. Und die Teamfähigkeit wird ebenfalls getestet und auch vermerkt“, sagt Andreas Jühlke, der für die Feuerwehr Dinslaken den Test leitet. Wenn also jemand eine Übung nicht schafft, kann er sie durch ein hohes Maß an Teamfähigkeit sogar ausgleichen.

Die nächste Übung simuliert den Wurf schwerer Schläuche

Die nächste Übung erinnert mich an eine Tätigkeit, die ich mit der Feuerwehr in Verbindung bringe. Die Bewegung beim seitlichen Medizinballwurf machen die späteren Beamten auch, wenn sie die schweren Schläuche auswerfen. Oder der Kasten-Bumerang-Test, bei dem in 19 Sekunden ein Parcours mit Purzelbaum, Slalomlauf und dem Kriechen durch Kästen durchquert werden muss, bereitet auf die Belastung im Einsatz vor. Beide Übungen schaffe ich. Vier aus meiner Gruppe fallen hier durch. Der CKCU-Test bereitet mir auch kleine Schwierigkeiten. Hier sollen wir in der Liegestütz-Position die Arme kreuzen, abwechselnd und 23 Mal in nur 15 Sekunden. Aber alle schaffen auch diese Übung.

Vor dem Laufen bin ich etwas nervös, bin ja nicht vorbereitet. Aber ich habe keinen Druck, gehe nach dem Test wieder meiner Arbeit als Volontär nach. Für meine Mitstreiter geht es um ihre berufliche Zukunft oder sogar um ihren Traumberuf Feuerwehrmann.

Claudia will Leben retten

Die sind bestimmt noch nervöser, denn wer bis zu den Laufdisziplinen gut durchgekommen ist, will kurz vor dem Ziel nicht scheitern. Claudia motiviert vor allem, dass sie als Feuerwehrfrau Menschen retten kann, ohne Wenn und Aber. Sie ist die einzige Frau, die heute den Test mitmacht.

Wir gehen nach draußen, es regnet, es ist kalt – unangenehmes Wetter, um Sport zu treiben. Erst mal 400 Meter Laufen in 85 Sekunden. Eine Runde um den Fußballplatz. Ich schaffe es in 75 Sekunden. Dann drei Kilometer laufen, in 15 Minuten. Ich merke schon nach 2 von 7 ½ Runden, dass ich nicht trainiert habe.

Zum Glück hat einer meiner Mitläufer eine Uhr, an ihm orientiere ich mich, der wird wissen, wie schnell wir laufen sollten. Die nasse Asche meines Vordermanns schlägt mir gegen die Wange. Aber viel schlimmer ist: Meine Beine sind müde.

Christian und Claudia sind einen Schritt weiter

14 Minuten und 32 Sekunden, dann bin ich im Ziel, und gleichzeitig habe ich den sportlichen Eignungstest der Feuerwehr Dinslaken bestanden. „Es kommt schon selten vor, dass jemand alle Übungen untrainiert schafft“, sagt der Leiter der Feuerwehr Dinslaken, Udo Walbrodt. Ob ich jetzt ans Grübeln käme, wo ich schon die größte Hürde geschafft hätte, werde ich gefragt. Nein, ich bleibe weiterhin Volontär.

Christian und Claudia haben den Test auch bestanden und dürfen am nächsten Tag am Wissenstest teilnehmen. Beide wollen auch am nächsten Tag überzeugen, Damit sie ihrem Ziel, Feuerwehrmann oder -frau, ein gutes Stück näher kommen.

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