Natur erleben

Lippe ist „Flusslandschaft des Jahres“

Idylle pur: der naturbelassene Flusslauf der Lippe zwischen Bergkamen und Werne im Kreis Unna.

Idylle pur: der naturbelassene Flusslauf der Lippe zwischen Bergkamen und Werne im Kreis Unna.

Foto: dpa

An der Lippe.   Der Fluss entwickelt sich an immer mehr Stellen zu einem Ökoparadies. Mit dem Titel werden aufwändige Renaturierungen gewürdigt.

Ruhr und Emscher haben ihr all die Jahre ein bisschen die Schau gestohlen – die Emscher wegen des spektakulären Flussumbaus und die Ruhr mit dem Ruhrgebiet, dem Strukturwandel und all den Menschen, die dort leben. Mit dem Deutschen Angelfischerverband (ein Dachverband, 520 000 angeschlossene Mitglieder) und den Naturfreunden (70 000 Mitglieder) stellen zwei mitgliederstarke Verbände die Lippe bundesweit ins Rampenlicht: Sie ist die „Flusslandschaft des Jahres 2018/2019“. Am 24. März soll es in der Zeche Fürst Leopold in Dorsten eine offizielle Proklamation geben.

Beide Verbände planen fürs Jahr zahlreiche Aktionen, z. B. sollen von den Naturfreunden im Zuge des Projektes „Wasserwege“ diverse Wanderungen ausgeschildert werden. Das Bundesumweltministerium nimmt den Fluss in die Liste der „Natur des Jahres“ auf (ähnlich wie „Vogel des Jahres“ oder „Orchidee des Jahres“). Mit dem Titel wollen Angler und Naturfreunde insbesondere die bereits erfolgten Renaturierungen an der Lippe würdigen. Titelträger in früheren Jahren waren unter anderem Havel und Trave, aber auch die NRW-Flüsse Nette und Emscher.

Fischotter, Biber und Lachs sind zurück

Tatsächlich hat sich eine Menge getan, seit die Wasserqualität der Lippe Mitte der 1970er-Jahre auf einem Tiefstand war. Tierarten wie Biber und Fischotter, Uferschwalbe, Eisvogel und Weißstorch sind zurückgekehrt. Jüngst war bei Wesel ein stattlicher Lachs in der Lippe gesichtet worden (die NRZ berichtete); der Lippeverband geht aktuell von über 30 Fischarten aus (u. a. Quappe, Steinbeißer und Meerforelle). Gut möglich, dass es tatsächlich noch deutlich mehr Arten sind – der Landesfischerverband Westfalen und Lippe erfasst derzeit den Bestand.

Die wiedergekehrte Artenvielfalt kommt nicht von ungefähr. Die über 50 Kläranlagen entlang der Lippe wurden über viele Jahre aufwändig aufgerüstet, die Wasserqualität hat sich seither erheblich gebessert. Viel Geld vom Land NRW floss aber auch in umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen, die der Lippeverband umsetzte und auch noch weiter plant. Stets ging und geht es darum, dem Fluss mehr Platz zu geben. Uferbefestigungen wurden abgebaut, Auen wieder hergestellt – bei Wesel entstand bis 2014 eine ganz neue Mündung. Allein diese kostete rund 19 Millionen Euro. Große Projekte gab es auch bei Haltern und Marl sowie in Soest. Aktuell bekommt die Lippe bei Datteln und Olfen auf 28 Hektarn Fläche und fünf Kilometern Flussstrecke neue Kurven. Schleifenartig statt schnurgerade soll sie dort ihren Weg machen – so wie es die Natur eigentlich für Flüsse auch vorgesehen hat.

Lippe soll nun auch„NRWs schönster Fluss“ werden

Die Arbeiten bei Datteln und Olfen sollen bis Frühjahr 2019 dauern. Insgesamt aber gilt: „Wir sind noch lang nicht fertig“, verspricht Ilias Abawi vom Lippeverband. Weitere Projekte seien in Vorbereitung – die Lippe solle nun auch „Nordrhein-Westfalens schönster Fluss“ werden. Über die Auszeichnung als „Flusslandschaft des Jahres“ freue man sich sehr.

Auch die Tourismusbranche freut sich und hofft auf einen weiteren Schub. „Wir freuen uns, dass die einzigartige Flusslandschaft der Lippe den Preis erhält, denn diese wunderschöne Landschaft ist eine Reise wert“, meint Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhrtourismus GmbH. Die Lippe sei ein Fluss, den zu entdecken sich lohne. Mit der inklusive Schlaufen insgesamt 479 Kilometer langen Römer-Lippe-Route gebe es einen flussbegleitenden Radfernweg von höchster Qualität. „Diese Route ist das neue Reiseziel für Radwanderer, die sich für Römerkultur, Wassererlebnis und europäische Historie begeistern können“, wirbt Axel Biermann.

>>>> HINTERGRUND

Vom Fuße des Teutoburger Waldes bis zur 220 Kilometer entfernten Mündung am Niederrhein: Die Lippe ist Nordrhein-Westfalens längster Fluss. Sie entspringt bei Bad Lippspringe (Kreis Paderborn) und fließt südwestlich von Wesel in den Rhein.

Für die Römer war sie ein wichtiger Grenzfluss zu den germanischen Stämmen im Norden. Entlang der Lippe gab es zahlreiche Lager (z. B. bei Haltern). Auch die Geschichte der Lippeschifffahrt geht bis in die Römerzeit zurück – schon damals wurden Güter auf dem Fluss, der da „Lupia“ hieß, transportiert.

Am Pegel in Hamm beträgt der Lippeabfluss etwa 23 Kubikmeter pro Sekunde; dieser steigt bis zur Mündung bei Wesel auf 45 Kubikmeter. Seitdem eine Reihe von Uferbegradigungen abgebaut wurden, fließt die Lippe nicht mehr ganz so schnell. An vielen Stellen ist sie aber – als Folge der Begradigungen – aus flussökologischer Sicht immer noch zu tief.

Mehrere Kraftwerke heizen die Lippe etwas auf, in dem sie ihr aufgewärmtes Kühlwasser in den Fluss leiten.

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