Rheinbrücken

1965 wurde in Emmerich die nördlichste Rheinbrücke eröffnet

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Wird bis 2023 saniert: Die Emmericher Rheinbrücke wurde 1965 eröffnet. Sie hat mit 500 Metern die größte Stützweite einer Brücke in Deutschland.

Wird bis 2023 saniert: Die Emmericher Rheinbrücke wurde 1965 eröffnet. Sie hat mit 500 Metern die größte Stützweite einer Brücke in Deutschland.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

An Rhein und Ruhr.  Mit 803 Metern ist sie die längste Hängebrücke des Landes: Die Rheinbrücke in Emmerich. Derzeit wird sie saniert – genau wie andere Rheinbrücken.

Es sollte die nördlichste deutsche Rheinbrücke werden, dazu mit 803 Metern die längste Hängebrücke des Landes: Als am 3. September 1965 die Rheinbrücke zwischen Emmerich und Kleve freigegeben wurde, stellte sie gleich mehrere Rekorde auf. Mit 500 Metern hat sie auch die größte Stützweite einer Brücke in Deutschland. Das Bauwerk kurz vor der niederländischen Grenze wurde vom Stahlbauunternehmen Hein, Lehmann und Co. aus Düsseldorf, das damals zur Stumm-Gruppe gehörte, erbaut, der Entwurf stammte vom Bauingenieur Hellmut Homberg. Sein Ingenieurbüro hatte sich auf die Wiedererrichtung von im Krieg zerstörten Großbrücken spezialisiert – und davon gab es allein am Rhein mehr als genug. Die 1945 zerbombte A4-Brücke bei Köln ließ Homberg zwischen 1952 und 1954 auf den alten Fundamenten wieder aufbauen und sein Entwurf kam dazu noch mit 3000 Tonnen Stahl weniger aus als der Vorgänger.

Mit diesen Referenzen bekam er auch den Zuschlag in Emmerich, wo die Arbeiten etwas mehr als drei Jahre dauerten. Im Mai 1962 hatte NRW-Ministerpräsident Franz Meyers den Grundstein gelegt, für die Bürger ging 1965 mit der Eröffnung ein Traum in Erfüllung: Endlich konnten sie mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Rad den Rhein überqueren und brauchten nicht mehr die Fähre nehmen. Heute wird die Rheinbrücke aufgrund ihrer Ähnlichkeit oft mit der Golden Gate Bridge in San Francisco verglichen.

Sanierungen in Emmerich bis 2023

Rund 20.000 Fahrzeuge fahren derzeit jeden Tag über die Rheinquerung, die Teil der Bundesstraße 220 ist und seit Januar 2019 saniert wird. Unter anderem müssen rund 100 Hängeseile auf beiden Seiten der Brücke ausgetauscht, die Fahrbahn- sowie Rad- und Gehwegbeläge erneuert werden. Zwei Fahrstreifen der B220 bleiben nutzbar. Etwa 30 Millionen Euro soll das Projekt kosten, 2023 soll es fertiggestellt sein.

Sind diese Arbeiten abgeschlossen, geht es weiter an der nahe gelegenen Rheinbrücke Rees-Kalkar, über die die B67 verläuft. Bei dem Bauwerk aus dem Jahr 1967 muss der Korrosionsschutz verbessert werden.

Die meisten Rheinbrücken wurden zwischen 1950 und 1980 errichtet

Insgesamt ist der Landesbetrieb Straßen NRW für rund 10.200 Brückenbauwerke in unserem Bundesland zuständig, zwei Drittel davon müssen in den kommenden Jahren ersetzt oder saniert werden. Besonders wichtig für den Pendel- und Güterverkehr ist die Instandsetzung der Rheinbrücken. Allein zwischen Emmerich und Köln führen 25 Bauwerke über den Rhein, über acht davon verlaufen Bundesstraßen, über sechs Autobahnen. Die meisten wurden zwischen 1950 und 1980 gebaut und sind nicht mehr für das heutige Verkehrsaufkommen gerüstet. „Die Rheinbrücken sind ein herausragend wichtiges Element der Infrastruktur des Landes. Ihr Erhalt in Zeiten eines weiter anwachsenden Güterverkehrs hat oberste Priorität“, betont Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin von Straßen NRW.

Nicht nur die Rheinbrücken, auch viele andere sind sanierungsbedürftig – fast 1,5 Milliarden Euro hat der Landesbetrieb Straßen NRW 2019 in alle Straßen und Brücken investiert. 2020 war das ähnlich. „Wir investieren Rekordsummen in unsere Infrastruktur, um den Investitionsstau der letzten Jahrzehnte abzuarbeiten“, sagt NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). Doch die Erneuerungen dauern noch Jahre, Brückensanierungen und -neubauten bleiben im Rheinland und Ruhrgebiet 2021 der Hauptgrund für Staus und Sperrungen.

Leverkusener Brücke ist eins der anspruchsvollsten Projekte derzeit

Zu den wichtigsten Projekten entlang des Rheins zählt derzeit die 1965 eröffnete Leverkusener Brücke, die bereits seit 2016 für den Schwerlastverkehr über 3,5 Tonnen gesperrt ist. Die Ampel- und Schrankenanlage auf der A1 führt dort täglich zu langen Staus. Nach vielen Sanierungen begann 2017 der Neubau der Brücke in zwei getrennten Teilbauwerken mit je fünf Fahrstreifen. Kostenpunkt: 740 Millionen Euro - wahrscheinlich aber noch mehr. Denn im April 2020 wurden in der Öffentlichkeit Mängel an Stahlbauteilen der Brücke, die der österreichische Baukonzern Porr in China hatte anfertigen lassen, bekannt. Seitdem steht die Baustelle still.

Das Land schrieb die Aufträge zur Fertigstellung der A1-Rheinbrücke neu aus, womit sich der Bau weiter verzögert und auch teurer wird. Denn auch die Ausschreibung dauert länger als geplant und geht möglicherweise sogar vor Gericht. Der erste Teil der Brücke sollte eigentlich schon in diesem Jahr fertig werden, jetzt soll sie nicht vor September 2023 für den Verkehr freigegeben werden. Zuvor hatte schon das Niedrigwasser im Rhein während des trockenen Sommers 2019 die Kampfmittelsondierungen behindert und die Bauarbeiten verzögert. Dass das Gesamtprojekt wie geplant 2025 fertiggestellt wird, ist sehr unwahrscheinlich.

Langfristige Sanierung der Krefeld-Uerdinger-Brücke

In Düsseldorf sind ebenfalls mehrere Brücken betroffen. So ist die 1979 fertiggestellte Fleher Brücke, über die die A46 verläuft, nur noch auf vier statt sechs Fahrstreifen befahrbar - und das wird sich auch nicht mehr ändern. Bis Mitte der 2030er-Jahre muss sie komplett neugebaut werden. Bis die neue Brücke fertig ist, will die NRW-Landesregierung die Brücke aber offenbar vorerst so weit reparieren lassen, dass sie auch vom Schwerlastverkehr zweispurig befahren werden kann. Das soll ab diesem Monat wieder möglich sein - früher als eigentlich angekündigt.

Auch die Theodor-Heuss-Brücke (Baujahr 1957) im Norden der Landeshauptstadt ist marode, es steht jedoch noch nicht fest, ob eine Sanierung oder ein Neubau nötig ist. Schon jetzt ist die B7, die hier den Rhein quert, für den Lkw-Verkehr über 40 Tonnen gesperrt.

Vielfältige Mängel an der Rheinbrücke Neuenkamp

In Krefeld ist die kurzfristige Sanierung der Krefeld-Uerdinger-Brücke im Januar 2020 abgeschlossen worden, langfristig muss sie allerdings komplett saniert werden. Die denkmalgeschützte Brücke aus dem Jahr 1936 wurde 1945 gesprengt, 1950 wurde sie unter weitgehender Verwendung alter Konstruktionsteile wieder eröffnet. Die Sanierung ist abhängig von der Ausbauplanung der B288, die über die Brücke verläuft. Die Bundesstraße soll in den kommenden Jahren nach Plänen von Straßen NRW zu einer durchgängig vierspurigen Straße ausgebaut werden.

In Duisburg läuft derzeit der wohl wichtigste Brückenneubau des Landes: Die A40-Rheinbrücke Neuenkamp soll künftig aus zwei parallel verlaufenden Brückenteilen mit insgesamt acht Fahrspuren bestehen. Mit 802 Metern Länge wird sie die größte Schrägseilbrücke Deutschlands. Früher als geplant ging es im Dezember 2019 los, 2026 soll der Bau abgeschlossen sein. Der Bund veranschlagt dafür 365,5 Millionen Euro, Planung und Durchführung übernimmt die Planungsgesellschaft Deges. Die jetzige, 1970 fertiggestellte Brücke ist fast baugleich mit der in Leverkusen und weist ähnliche Schäden auf. Wie in Leverkusen schränkt hier seit 2018 eine Wiegeanlage den Schwerlastverkehr ein und sorgt im Berufsverkehr für Behinderungen. Anders als in Leverkusen laufen die Bauarbeiten in Duisburg derzeit jedoch planmäßig, auch Corona hat bislang für keinerlei Verzögerungen gesorgt.

Einige wenige Rheinbrücken zwischen Emmerich und Köln, über die Bundesstraßen und Autobahnen verlaufen, benötigen keine Sanierung, weil sie noch recht neu sind. Dazu zählen die Niederrheinbrücke Wesel (Baujahr 2009) und die Düsseldorfer Flughafenbrücke (2002).

Mehr Stellen bei Straßen NRW und Bezirksregierungen

Zwar ist das Geld für die Brückenneubauten und -sanierungen da, der Fachkräftemangel stellt den Landesbetrieb aber vor Probleme. Immerhin: „Wir konnten in den vergangenen Jahren 50 zusätzliche Planer-Stellen besetzen“, so Dr. Sascha Kaiser, Direktor von Straßen NRW. „Die Projektabwicklung ist damit gesichert.“

Nach Angaben des NRW-Verkehrsministeriums sind seit 2018 insgesamt 166 weitere Stellen bei Straßen NRW geschaffen worden. 28 zusätzliche Stellen wurden bei den Bezirksregierungen besetzt, um schnellere Genehmigungen zu gewährleisten. Zudem, so das Ministerium, würden, um auf den einzelnen Baustellen schneller bauen zu können, mehr Planungsaufträge an Ingenieurbüros vergeben.

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