Leihräder

37 Prozent mehr in 2019: Metropolrad Ruhr legt weiter zu

Die nächste Metropolrad-Generation: Ein großer Teil der neuen Räder, 1600 Stück, wurde bereits 2019 ausgeliefert, dieses Jahr sollen die übrigen 600 folgen.

Die nächste Metropolrad-Generation: Ein großer Teil der neuen Räder, 1600 Stück, wurde bereits 2019 ausgeliefert, dieses Jahr sollen die übrigen 600 folgen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

im Ruhrgebiet.  Der Austausch der Fahrräder gibt dem Metropolrad Ruhr einen kräftigen Schub. In diesem Jahr steht im Ruhrgebiet ein Jubiläum an.

Seit nunmehr zehn Jahren rollen Leihräder von „Metropolrad Ruhr“ durch die Region. Das Angebot hat sich ganz offenkundig etabliert, die Ausleihzahlen sind stetig gestiegen – im vergangenen nochmal besonders kräftig: Betreiber Nextbike meldet für 2019 für die rund 2200 auf zehn Ruhrgebietsstädte verteilten Fahrräder rund 632.000 Ausleihen, ein Plus von satten 37 Prozent.

Vor allem in Duisburg und Dortmund gingen die Zahlen mächtig rauf, in Bochum hingegen gab es einen zwischenzeitlichen Rückgang. Das Leihradsystem ist auf Kurs, auch wirtschaftlich: „Die Wachstumszahlen bei den Ausleihen sind großartig“, sagte Mareike Rauchhaus von Betreiber Nextbike. Der aktuelle Januar 2020 liege sogar um 169 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Keine Konkurrenz durch -E-Scooter spürbar

Es bewährt sich sehr, dass die größten Hochschulen der Region ins Verleihsystem eingebunden sind, von der Universität Duisburg-Essen im Westen bis zur Hochschule Hamm-Lippstadt, und Studierende zu vergünstigten Konditionen radeln (1,50 € Beitrag pro Semester; 60 Freiminuten pro Fahrt). Auch mehrere Stadtverwaltungen nutzen die Metropolräder. Die sich auch im Ruhrgebiet aktuell ausbreitenden E-Scooter nehme man nicht als Konkurrenz wahr: „Davon spüren wir nichts“, versicherte Rauchhaus.

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 war das Metropolrad in der Region gestartet, der aktuelle Betreibervertrag mit dem Regionalverband Ruhr RVR läuft bis Sommer 2023. Den zehnten Geburtstag wollen RVR und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nun am 18. Mai mit einer Feierstunde auf Zeche Zollverein in Essen begehen, NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat zugesagt. Eingeladen sind auch Vertreter aus der Wirtschaft und von kommunalen Spitzenverbänden – potenzielle Partner in spe. „Um den laufenden Betrieb, den Ausbau oder die Modernisierung des Fuhrparks zu bewerkstelligen, sind wir dauerhaft auf Kooperationen angewiesen“, erklärte Rauchhaus.

Geplant: Freefloating-Zonen

Aktuell läuft der Austausch der bisherigen Metropolrad-Fahrradflotte gegen neue mit GPS ausgestattete Räder. 1600 kamen bereits im vergangenen Jahr, die übrigen 600 sollen dieses Jahr folgen. In Duisburg und Dortmund sind neue Stationen im Gespräch. Beabsichtigt ist auch, sogenannte Freefloating-Zonen einzurichten - ähnlich wie man sie von E-Scootern kennt. Die Räder müssten nach der Leihe dann nicht mehr an festen Stationen abgestellt werden, sondern könnten innerhalb größerer Zonen stehengelassen und wiedergenutzt werden. Einen Termin dafür gebe es aber noch nicht: „Erst muss der Austausch der Radflotte abgeschlossen sein“, betonte Rauchhaus.

Ein Bericht von RVR und Nextbike fasst die Lage in den Städten zusammen:

- In legten die Ausleihzahlen den Angaben zufolge von 130.243 im Jahr 2018 auf 206.060 im vergangenen Jahr zu - ein Plus von 58 %. Neue Räder sollen in diesen Wochen ausgeliefert werden. Mit der Stadtverwaltung, den kommunalen Wirtschaftsbetrieben und der städtischen Wirtschaftsförderung gebe es einen Mitarbeiterradvertrag. Mit der Duisburger Verkehrsgesellschaft verhandele man über E-Bikes, die an Stationen von Bus- und Bahn platziert werden sollen, hieß es.

- Für Oberhausen meldet Nextbike einen Anstieg von 2591 auf 2848 (+10%). Der Zustand der Räder sei gut, die Verfügbarkeit im Stadtgebiet hingegen biete noch Luft nach oben, hieß es. Zeitweise seien an einigen Stationen keine Räder verfügbar gewesen.

- In Mülheim gab es 22.300 Ausleihen, im Jahr 2018 waren es noch 15.300 gewesen, ein Plus von 47 %. Die Räder wurden 2019 erneuert, was den Ausleihen ein Schub gegeben habe. Die Verfügbarkeit sei gut gewesen; allerdings habe es Engpässe auf dem Abschnitt zwischen Hochschule und Hauptbahnhof gegeben, was auf den dort verlaufenden Radschnellweg 1 zurückgeführt wird.

- 887 Ausleihen wurden im Jahr 2019 in Bottrop gezählt, 11 % mehr als im Vorjahr. Der Betrieb laufe „stabil und unauffällig“, hieß es. Stadt und Betreiber stünden in ständigem Kontakt. Die vorhandenen Räder seien in einem meist guten Zustand.

- In Essen habe der Austausch der Räder den Ausleihzahlen einen Schub gegeben – von 66.756 in 2018 auf 80.904 im vergangenen Jahr, ein Plus von 21 %. Die Verfügbarkeit sei deutlich gestiegen, der Service laufe gut, hieß es.

- Obwohl zwei Stationen wegen Baustellen zeitweise nicht nur Verfügung standen, sind die Ausleihzahlen auch in Gelsenkirchen gestiegen – um 20 % auf 3.513. Der Service laufe problemlos, hieß es.

- Um 63 % legten die Ausleihen in Herne zu – auf 3304. Im Rathaus und beim Innovations- und Gründerzentrum Herne-Baukau baue man neue Stationen auf. Über weitere Standorte befinde man sich in Gesprächen.

- In Bochum komme es zu weniger Vandalismus, seit neue Stationen nur noch mit einem Schild statt mit einer Stele ausgestattet werden. Nach dem Austausch der Räder seien die Leihzahlen zunächst zurückgegangen und dann wieder deutlich gestiegen - unterm Strich steht aber ein Minus: von 13 %: Die Leihzahlen sanken in 2019 auf 82.603. Der Vertrag mit dem AStA der Ruhr-Uni wurde unbefristet verlängert, mindestens bis Ende März 2024.

- Seit die neuen Räder – 600 an der Zahl – in Dortmund bereitstehen, verzeichne man im Schnitt 700 Ausleihen pro Tag. Insgesamt stiegen die Leihen im vergangenen Jahr um 49 % auf 204.023. Die Anzahl der Stationen stieg um 15 auf jetzt 85. Mit einer Werbebuchung – sie nutzt die Räder als rollende Werbung – beteiligte sich die Stadt Dortmund wieder am Verleihsystem.

- Rasant ist die Entwicklung in Hamm. Dort stieg die Zahl der Ausleihen von 7109 auf 25.715 im vergangenen Jahr, ein Plus von 262 %. Obwohl an der Hochschule Hamm-Lippstadt nur 40 Räder stehen, sei die Verfügbarkeit gut.

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