Bildung

Akademie Klausenhof unterstützt junge Migranten

Hier am Buch Emona Haxhija, von links Emre Dogan, Reinhold Sandkamp, Michaelle Horassaimt, Filipe da Silva Moreira, Elnar Mohammad Alizadeh Bedri, Sebastian Nguyen und Ovalid Bouchuan. Foto : Markus Weißenfels / WAZ FotoPool

Hier am Buch Emona Haxhija, von links Emre Dogan, Reinhold Sandkamp, Michaelle Horassaimt, Filipe da Silva Moreira, Elnar Mohammad Alizadeh Bedri, Sebastian Nguyen und Ovalid Bouchuan. Foto : Markus Weißenfels / WAZ FotoPool

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Hamminkeln. In der Akademie Klausenhof in Hamminkeln-Dingden lernen derzeit 142 Jugendliche aus 45 Ländern entweder im Sprachkurs oder für ihren Haupt- oder Realschulabschluss. Ziel ist es immer, eine Lehrstelle zu finden.

Emona Haxhija hat ehrgeizige Ziele: „Ich will meine mittlere Reife schaffen und eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin machen. Ich habe schon Bewerbungen geschrieben“, sagt die 18-jährige Schülerin der Akademie Klausenhof. Eigentlich, mag man denken, nichts Besonderes. Doch für Emona ist es das schon.

In Deutschland geboren, wurde sie mit ihrer Familie 1995 in den Kosovo, die Heimat ihrer Eltern, abgeschoben. „Wir sind erst nach Holland geflüchtet, von dort aus zurück gegangen“, sagt die junge Frau. Seit viereinhalb Jahren lebt sie wieder in Deutschland, ist mit ihrer Mutter und ihren beiden Brüdern nach Dinslaken gezogen. „Wir haben im Kosovo deutsches Fernsehen geschaut“, aber richtig Deutsch gelernt, hat sie erst im Klausenhof, in dem sie Internatsschülerin ist.

Wie Emona lernen derzeit 142 Jugendliche aus 45 Ländern entweder im Sprachkurs oder für ihren Haupt- oder Realschulabschluss. Seit 1976 arbeitete die Weiterbildungsakademie mit bislang rund 5000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Rund 2500 von ihnen haben einen Schulabschluss erworben - immer mit dem Ziel, auch eine Lehrstelle zu finden. „Integration hängt auch davon ab, ob die jungen Leute einen Arbeitsplatz kriegen“, sagt Alois Becker, Direktor der Akademie.

Und so unterstützen die Mitarbeiter der Akademie die Jugendlichen bei der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz. „Einige sind richtig durchgestartet. Sie haben hier ihr Abitur gemacht und sogar studiert. Das ist zwar eine Ochsentour, aber es kann gelingen“, sagt Becker.

Der Portugiese, der kein Bauer werden wollte

Es sei nicht immer leicht, die Jugendlichen von einer Lehre zu überzeugen. „Oft sind die Perspektiven einfach auch nicht bekannt. Viele kennen aus ihrer Heimat keine Ausbildung“, sagt Reinhold Sandkamp, Fachbereichsleiter „Jugendliche Migration“ im Klausenhof. Er erinnert sich an einen Portugiesen, „der sagte ,ich werd doch kein Bauer’, als er in den Gartenbau gehen sollte. Da muss man erst mal klarmachen, dass es hier am Niederrhein ein angesehener Beruf ist“, sagt Sandkamp.

Vermittelt werden die Jugendlichen an die Akademie zumeist durch kirchliche und soziale Verbände, wie Diakonie und Awo, oder aber „durch eine Mund zu Mund-Propaganda. Manchmal war schon ein Elternteil oder Verwandter bei uns,“ sagt Sandkamp.

Immer schwieriger werde die Finanzierung, die aus vielen Töpfen erfolge. „Es ist eine Patchwork-Finanzierung“, sagt Alois Becker. Es fließen Gelder vom Land auf Grundlage des Weiterbildungsgesetzes, aus dem Europäischen Flüchtlingsfond und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Wobei es komplizierter werde, Gelder zu beantragen. „Das erfordert immer mehr Bürokratie und Zeit“, so Becker. Zeit, die er und sein Team lieber für die Lehre und Aufklärung nutzen würden. „Wir gehen in Moscheevereine und erklären dort, welche Chancen eine Ausbildung bietet und dass man in die Praxis muss“, sagt Alois Becker.

Zusage für Praktikum

In die Praxis will auch Emre Dogan. Im Sommer macht der 18-Jährige seinen Realschulabschluss, für einen Praktikumsplatz beim Immobilienmakler hat er bereits die Zusage. Ein erster Erfolg. Seit zwei Jahren paukt er im Klausenhof. „Ich hatte die Gesamtschule besucht, in der neunten Klasse aber keine Lust mehr und den Abschluss dann nicht geschafft. Ein Freund von meinem Vater sagte, wir sollten es doch mal hier versuchen“, sagt Emre. Dass er die Prüfung an der Akademie besteht, daran zweifelt er nicht. „Hier fühlt man sich gezwungen, zu lernen, weil alle lernen. Wenn ich nichts tun würde, käme ich mir blöd vor.“

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