Alles hört auf sein Kommando

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MILITÄR. Der Emmericher Friedrich Wilhelm Ploeger plant als Generalleutnant weltweit Einsätze der NATO-Luftstreitkräfte.

KALKAR. Eigentlich wollte Friedrich Wilhelm Ploeger immer Pilot werden. Schon als Junge hat er mit großen Augen den Segelfliegern in den Emmericher Rheinwiesen hinterher gesehen. "Mein Bruder hatte mich damals immer mitgenommen", erzählt der heute 59-Jährige. Und irgendwann habe es dann auch ihn gepackt: Fliegen, dass stand für den jungen Mann schon früh fest, wird seine große Leidenschaft werden. Zur Pilotenausbildung hat es aber leider nie gereicht, denn er ist Brillenträger. Trotzdem sollte ihn die Laufbahn ganz weit nach oben bringen: Friedrich Wilhelm Ploeger ging zur Luftwaffe, machte dort eine steile Karriere, und er bekleidet heute als Generalleutnant einen der besten Jobs, den man als Militärstratege der Luftwaffe haben kann: Auf dem Uedemer Paulsberg ist er für die Luftraumüberwachung Deutschlands zuständig und koordiniert und plant weltweit Einsätze für die NATO.

Ausflüge in die Militärpolitik

Friedrich Wilhelm Ploeger freut sich auf den Niederrhein. Seit drei Monaten hat er seine Dienstsitze in Kalkar und Uedem bezogen und kommt nach einer langen, ereignisreichen Karriere zurück in seine Heimat. Er hat alle Stationen der Luftwaffe durchlaufen - war zur Wendezeit Militärstratege im NATO-Hauptquartier in Brüssel, leitete dort das Referat für Nuklearpolitik und begleitete den "Paradigmenwechsel" nach dem Kalten Krieg, er diente später als Abteilungsleiter für "Militärpolitik und Rüstungskontrolle" dem Verteidigungsminister Volker Rühe in Berlin und verdiente sich dort als Militärstratege seine Sporen.

Dass er sich am Niederrhein zur Ruhe setzen möchte, kann man nicht sagen. Im Gegenteil: "Das ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben, die man übernehmen kann. Eine Vielfalt wie hier finde ich in der Luftwaffe sonst nie wieder", sagt Ploeger. Er schätze die internationale Arbeit und die enge Verzahnung von Militärpolitik und praktischer Planung. "Stolz und dankbar" sei er, diese hohe Auszeichnung annehmen zu können. Denn den Titel des "Generalleutnants" hat die deutsche Luftwaffe nur vier Mal zu vergeben.

Die One-Man-Show gibt es nicht

Die Verantwortung, die der Emmericher übernimmt, ist groß: In Kalkar-Uedem leitet er die "Führungszentrale Nationale Luftverteidigung" und ist damit für die Luftraumüberwachung Deutschlands zuständig, er steht dem "Kommando Operative Führung Luftstreitkräfte" vor und ist Militärstratege für NATO-Einsätze. In Uedem befinden sich die "Denkzentrale" der NATO-Luftwaffe, die CAOC 2 und die JAPCC, die auch international einen hervorragenden Ruf genießen, so Ploeger. Wer sich als NATO-Militär ausbilden lässt, der kommt um den Standort Uedem nicht herum. 675 Militärs aus 20 Nationen arbeiten hier zusammen.

Abgehoben wirkt Ploeger auch nach 40 Dienstjahren bei der Bundeswehr nicht. Wenn man sich mit ihm unterhält, gewinnt man den Eindruck, dass er den Generalleutnant nicht groß raushängen lässt. Gefragt nach seinem Führungsstil antwortet er: "Ich halte mich für einen Teamplayer und jemand, der gut zuhören kann. Aber bei der Fülle der Aufgaben, die hier bewältigt werden müssen, kann man auch gar keine One-Man-Show abziehen."

An den Niederrhein und seine Jugend erinnert sich Friedrich Wilhelm Ploeger gerne. Seine Mutter und Schwester leben immer noch in Emmerich, und die Landschaft zwischen Elten und Uedem ist dem Radfahrer sehr vertraut. 13 000 Kilometer legte er im letzten Jahr mit seiner Frau auf einem Tandem durch Deutschland zurück, er hat den kompletten Rhein beradelt und freut sich jetzt darauf, dass er künftig seine Mutter häufiger besuchen kann. "Sie ist jetzt 94 Jahre alt und es sind die letzten Jahre, die ich mit ihr verbringen darf."

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