Karneval

Straßenkarneval startet, auch mit Gedenken an Opfer in Hanau

Vor dem Rathaus in Düsseldorf feierten am Vormittag Hunderte Närrinnen und Narren Weiberfastnacht.

Vor dem Rathaus in Düsseldorf feierten am Vormittag Hunderte Närrinnen und Narren Weiberfastnacht.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Köln/Düsseldorf.  In den Karnevalshochburgen ist der Straßenkarneval gestartet. Die Gewalttat von Hanau ließ die Narren nicht unberührt, etwa in Köln.

In den närrischen Hochburgen hat am Donnerstag um 11.11 Uhr der Straßenkarneval begonnen. Der Start in die tollen Tage an Weiberfastnacht oder Altweiber war aber nicht so unbeschwert wie sonst. „Sicher haben wir ein Lächeln heute auf dem Gesicht. Aber im Herzen sind wir wirklich bei den Menschen von Hanau, auch bei den Hinterbliebenen, an die wir ganz, ganz sicher denken“, sagte der Kölner Karnevalsprinz Christian II.

Der Präsident des Comitees Düsseldorfer Carneval, Michael Laumen, sagte auf dem Rathausbalkon: „Wir sind bei den Opfern von Hanau. Unser Düsseldorfer Karneval ist multikulturell.“ Für Rosenmontag planen die Düsseldorfer einen Mottowagen zu Hanau.

Gedenkminute der Karnevalisten in Köln

In vielen Städten im Rheinland stürmten die Frauen die Rathäuser. So nahmen in Düsseldorf die alten Möhnen den Bürgermeister gefangen. In Bonn, einem der Ursprungsorte der Weiberfastnacht, griffen die Waschweiber an. In Köln hatten sich schon am frühen Vormittag viele tausend Jecken in der Altstadt versammelt. Die Polizei war dort mit 1000 Beamten auf den Straßen.

Bevor die Kölner Karnevalisten die tollen Tage offiziell eröffneten, gedachten sie der Opfer von Hanau mit einem Schweigemoment. Der Kölner Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn, von Beruf Beerdigungsunternehmer, sagte: „Im Leben und vor allen Dingen im Karneval sind die Momente der überschäumenden Freude und des Feierns und die der Trauer und die stillen Momente immer nah beieinander. Heute, in den Stunden, überwiegt bei uns allen glaube ich die Fassungslosigkeit.“

Anschlag ist „ein Zeichen, dass sich unsere Gesellschaft verändert“

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die 2015 selbst von einem fremdenfeindlichen Attentäter lebensgefährlich verletzt worden war, sagte: „Dass solche schrecklichen Vorfälle sich häufen, ist ein Zeichen dafür, dass sich unsere Gesellschaft verändert. Und das dürfen wir auf keinen Fall zulassen.“

Auch ganz normale Feiernde zeigten sich betroffen, machten aber gleichzeitig deutlich, dass sie sich den Karneval nicht kaputtmachen lassen wollten. „Was da passiert ist, ist ganz schlimm“, sagte der extra aus Bayern nach Köln angereiste Florian Huber. „Wir wollen heute trotzdem Spaß haben. Es ist nicht so, dass man jetzt Angst hat.“ Der Kölner Rudolf Bong sagte: „Dass man Angst hat, das ist doch genau das, was heute wie der Täter wollen. Die wollen unseren freien Lebensstil angreifen.“

Wetterdienst warnt vor Gewittern mit Sturmböen in der Nacht zu Freitag

Ein anderes aktuelles Thema war der Coronavirus. Nach Angaben des Festkomitees Kölner Karneval hat die Krankheit bisher keine Auswirkungen auf das närrische Treiben. Natürlich kämen sich die Menschen im Karneval näher als sonst, zum Beispiel beim Schunkeln. Ein paar einfache Hygieneregeln, die sowieso immer gelten sollten, sorgten aber schon für unbeschwertes Feiern. Oberbürgermeisterin Reker sagte der dpa: „Ich scheue das Bützen nicht. In meiner Jugend wurde auf den Mund gebützt. Das gibt es schon lange nicht mehr.“ Sie persönlich habe Karneval in ihrem Leben nur ein einziges Mal ausgelassen: mit 14 Jahren wegen einer schweren Grippe.

Wettermäßig wird’s an Weiberfastnacht nicht ganz so toll. Zwar müssen die Narren nicht frieren - es wird um die elf Grad warm - aber es könnte ab und zu etwas Nieselregen geben. Und vor allem wird es windig. Böen mit bis zu 55 Stundenkilometern hat der Deutsche Wetterdienst angekündigt. In der Nacht könnte es zudem Gewitter geben - „mit schweren Sturmböen bis zu 100 Stundenkilometern“, warnt der DWD. (dpa)

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