An Rhein und Ruhr. Viele Ehen halten keine zehn Jahre. Eine Psychologin aus Düsseldorf erklärt, woran viele Paare scheitern – und wie eine lange Ehe glücken kann.

Manche Ehen haben das Potenzial, ewig zu halten, so wie die von Heinz und Regina Bovenkerk. Das Paar aus Oberhausen feiert am Dienstag seinen 70. Hochzeitstag. Wie glückliche Ehen funktionieren können, erklärt Diplom-Psychologin Gabriele Birnstein aus Düsseldorf unserer Redaktion.

Wovon hängt es ab, wie lange eine Ehe hält?

Die Verliebtheit hält etwa ein bis eineinhalb Jahre an und dann entscheidet sich, ob daraus eine schöne, verlässliche Liebe wird oder nicht. Der Rausch der Verliebtheit lässt sich leider nicht konservieren.

Ob eine Beziehung oder Ehe dann langfristig hält, hängt von drei Säulen ab: Passung, Respekt und Balance. Ähneln sich die beiden Partner stärker, ist die Beziehung in der Regel stabiler. Dafür empfinden manche Partner, die sich stärker unterscheiden, die Ehe als aufregender.

Passung, Respekt und Balance entscheiden, ob eine Ehe langfristig hält, sagt die Düsseldorfer Psychologin Gabriele Birnstein.
Passung, Respekt und Balance entscheiden, ob eine Ehe langfristig hält, sagt die Düsseldorfer Psychologin Gabriele Birnstein. © René Verkaart | René Verkaart

Ohne gegenseitigen Respekt ist jede Beziehung zum Scheitern verurteilt. Außerdem brauchen beide sowohl Zeit miteinander als auch für sich alleine. In einer ausbalancierten Beziehung wird die Liebe füreinander immer größer.

Woran scheitern viele Ehen, wenn die erste Verliebtheit nachlässt?

Oft wird es Paaren zum Problem, dass sie Uneinigkeiten nicht früh genug ansprechen. Vor allem, wenn zwei Menschen sehr verschieden sind, müssen sie sehr viel mehr miteinander reden, um einander zu verstehen. Der Plan, den anderen verändern zu wollen nach dem Motto: „Lass uns erstmal verheiratet sein, dann gewöhne ich ihm/ihr das schon ab“, erweist sich meistens als Beziehungskiller.

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Lösen Partner die Probleme nicht rechtzeitig, verfestigen sie sich. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an, die sich in einem Streit entladen, wenn sie sich ansammeln.

Auch die Streitkultur ist ein wichtiger Punkt. Beleidigungen, Ironie und Spott sind Gift für jeden Konflikt. Auf Signalwörter wie „immer“ und „nie“ sollten Partner verzichten, denn sie klagen Fehler des anderen an. Das bringt nichts – auch, wenn man selbst Recht hat.

Wie kann stattdessen eine glückliche Ehe gelingen?

Glückliche Eheleute begegnen sich immer auf Augenhöhe. Sie verstehen sich nicht nur als liebevolle Partner, sondern ebenfalls als beste Freunde. Sie streiten auch, das ist normal, allerdings nicht aggressiv und anklagend.

Glückliche Eheleute begegnen sich immer auf Augenhöhe. Sie verstehen sich nicht nur als liebevolle Partner, sondern ebenfalls als beste Freunde.
Diplom-Psychologin Gabriele Birnstein

Vergreift sich doch einer mal im Ton, entschuldigt sie oder er sich zeitnah. Glückliche Partner konkurrieren auch nicht verbissen miteinander, sondern arbeiten gerne auch als Team zusammen.

Langzeit Liebende machen einander selbst nach vielen Jahren noch schöne Komplimente. Sie pflegen regelmäßige Rituale, wie zum Beispiel ein romantisches Candle-Light-Dinner oder ein Besuch im Kino. Aber sie lassen sich auch gegenseitig die Freiheiten, für eigene Hobbys, Sport und andere Vorlieben.