An Rhein und Ruhr. Bund und Länder haben lange über ein vergünstigtes Deutschlandticket für Studierende verhandelt. So teuer wird es. Wann es starten soll.

Studierendenvertreter in der Region sowie der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) reagieren erleichtert auf die Einigung zwischen Bund und Ländern, ein ermäßigtes Angebot für Studierende im Rahmen des Deutschlandtickets auf den Weg zu bringen. Mehrere Hunderttausend Studierende in NRW werden künftig, wohl ab dem Sommersemester 2024, profitieren. Allein im VRR-Bereich sind es 280.000.

Zum Preis von zunächst 29,40 Euro im Monat sollen Studierendenschaften den bundesweit gültigen Fahrschein im Solidarmodell an ihre Mitglieder weitergeben können. Kritik gibt es aber dennoch nicht nur am Preis, sondern auch an den langanhaltenden Verhandlungen, die an vielen Hochschulen für Unsicherheit gesorgt hätten.

Verhandlungen haben lange gedauert – „studentische Mobilität gefährdet“

„Bund und Länder haben über ein Jahr gebraucht, um eine Lösung zu finden, das Semesterticket tragfähig in die Zeit des Deutschlandtickets zu überführen“, merkt David Wiegmann von der Landesstudierendenvertretung LAT NRW an. Diese Wartezeit habe die studentische Mobilität an vielen Standorten gefährdet, beispielsweise an den Hochschulen, an denen sich die Studierendenvertretungen gezwungen sahen, die Semesterticketverträge zu kündigen.

Hintergrund war, dass ein Rechtsgutachten Sorgen befeuert habe, Studierende könnten künftig vor Gericht gegen die Zahlung des für sie verpflichtenden Beitrags klagen. Das Deutschlandticket, so die juristische Einschätzung, zum Preis von 49 Euro pro Monat stünde in Konkurrenz zum Semesterticket, mit dem für nur 12,33 Euro weniger im Monat lediglich in NRW der ÖPNV nutzbar sei.

Studierende werden „zuletzt bedacht“

„Es ist traurig, dass mal wieder gezeigt wurde, dass Studierende bei Entlastungsmaßnahmen zuletzt bedacht werden.“ Noch mehr Zeit dürfe nun bei der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung nicht mehr verloren werden, befindet Wiegmann.

Studierende sollen Deutschlandticket für 29,40 Euro bekommen

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    Kritik gibt es aber am Preispunkt. „Diese schon länger diskutierte Lösung ist preislich deutlich entfernt von unserer Forderung nach einem 129-Euro-Ticket“, führt Amanda Steinmaus, ebenfalls Mitglied des LAT NRW, an. Bei der Politik hatten die Studierenden bislang vergeblich für diesen Preis (pro Semester) geworben. „Das Semesterticket ist eine wichtige soziale Entlastung für viele Studierende. Günstige Mobilität ermöglicht für viele überhaupt erst das Studium“, ergänzt eine weitere Vertreterin des LAT NRW, Katharina Rummenhöller.

    Problematisch sei die Preiskoppelung. „Wenn das Deutschlandticket teurer wird, könnte das Studium für viele auf einen Schlag unbezahlbar werden“, wirft Rummenhöller ein. Ebenso fallen höchstwahrscheinlich Mitnahmeregelungen weg für Fahrräder und Personen.

    VRR: Wollen Lösung schnellstmöglich umsetzen

    Der VRR, dem in finanzieller Hinsicht ein komplettes Aus für das Modell „Semesterticket“ geschadet hätte, sieht die gefundene Lösung positiv. Bislang landen pro Monat rund acht Millionen Euro aus den Erlösen des Studierendenfahrscheins beim Verband. José Luis Castrillo, VRR-Vorstand: „Wir werden unseren Entscheidungsgremien nun die Umsetzung empfehlen, dann kann der VRR zusammen mit den Verkehrsunternehmen das Semesterticket im Solidaransatz schnellstmöglich für die Studierendenschaften umsetzen.“

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    Im Anschluss solle der Austausch mit den Hochschulen und Studierendenschaften angegangen werden, um entsprechende Vereinbarungen zu treffen. Allen Hochschulen, die in den vergangenen Monaten das Semesterticket gekündigt haben, bietet der VRR nach eigenem Bekunden einen „unkomplizierten Weg“ zum Widerruf der Kündigung an. „Die Entscheidung ist ein wichtiger Schritt hin zu einer erfolgreichen Verkehrswende. Denn mit dem Deutschlandticket für Studierende können wir auch die junge Generation dauerhaft an den ÖPNV binden“, glaubt José Luis Castrillo.