Auf dem Weg zur Krönung?

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ROCK. "The Kilians" gelten als eine der besten deutschen Newcomerbands. Mit "Wir sind Helden" waren die Dinslakener auf Tour.

DINSLAKEN. Dominic Lorberg geht's gut. Richtig gut. Es ist halb Neun am Abend und der Dinslakener fläzt sich mit vier Freunden gemütlich auf einem schwarzen Ledersofa in der schicken Bochumer Uni-Mensa. Er schraubt ein kleines Fläschchen auf, kippt ein paar Tropfen Kräuterschnaps in sein Glas. Zischend öffnet er eine Dose Red Bull und schüttet jede Menge von dem süßen Zeug hinterher - es wird eine lange Nacht. Wieder einmal. Der dunkelhaarige 20-Jährige, der mit seinen weinroten Sneakers, der verwaschen-schwarzen Jeans, dem olivgrünem Hemd und dem schwarzem Wollschal lässig vom H&M-Werbeplakat grüßen könnte, spielt Gitarre in einer Band. Bei den "Kilians". Und die gehen derzeit - nicht nur an der Ruhr-Uni - richtig ab. Nach oben.

Im Frühjahr 2005 nahmen die "Kilians" ihr erstes Album auf. In Eigenregie. Sänger Simon den Hartog (19), Bassist Gordian Scholz (25), Schlagzeuger Michael "Micka" Schürmann (19) und die beiden Gitarristen Arne Schult (19) und Dominic Lorberg (20) probten anfangs in einem kleinen, schäbigen Raum, später in einer Scheune. Allesamt hatten sie irgendwann das (Fach-) Abi in der Tasche; das erste Geld wurde als Zivi verdient.

Nicht extra schick für die Bürgermeisterin

Und dann - vor gut zwei Monaten - stiegen die fünf Dinslakener in die deutschen Charts ein. Auf Platz 75. Mit ihrem neuen, von der Plattenfirma "Universal" produzierten Album "Kill the Kilians". Nun sind sie ständig auf Achse. Quer durch ganz Deutschland, in der Schweiz und in Österreich standen die Nachwuchsrocker zuletzt auf der Konzertbühne und stellten ihre Songs vor. "Die Musik ist für uns zu einem echten Job geworden", sagt Simon den Hartog stolz.

"Was wir momentan erleben, geht aber weit über das hinaus, was wir je erwartet hatten", staunt Dominic Lorberg. Etwa der Auftritt bei "Rock am Ring" im vergangenen Sommer. Oder der Fünf-Tages-Trip als Vorband von "Wir sind Helden", die mit drei Trucks und zwei Nightliner-Bussen kutschiert wurden - ihre Konzertbühne und eine Küche immer dabei. Die "Kilians" tuckerten brav im Kleinbus hinterher.

Auch die Einladung zu Dinslakens Bürgermeisterin Sabine Weiss (Lorberg: "Sie wollte uns kennenlernen. Dafür haben wir uns aber nicht extra schick angezogen.") und die Nominierung als beste Newcomer-Band des Jahres für die "Krone" bei EinsLive überraschte die fünf selbstbewussten Männer. Der Preis wird am 6. Dezember in der Bochumer Jahrhunderthalle überreicht. "Wir wissen nicht, was uns erwartet, machen uns aber einen schönen Abend. Tokio Hotel soll den Preis in unserer Kategorie verleihen", grinst Simon den Hartog, der auch hinter der Bühne gerne den Mund aufmacht.

Garagenrock, Indie Rock, Britpop: Für den Stil der Dinslakener gibt's viele Beschreibungen. Die "Kilians" machen aber eigentlich nur, was ihnen gefällt. Mit einem einzigen Anspruch: "Wir wollen das Beste daraus machen. Aus jedem Abend, aus jedem Konzert", so den Hartog, der den Klang der "Kilians" mit seiner rauchig-rockigen Stimme würzt. Es kam auch schon vor, dass die jungen Musiker vor nur 20 Leuten in Graz auftraten oder spontan auf der Bühne den Dinslakener Schlagersänger Michael Wendler imitierten. Einfach so, aus Spaß. Also grölte Simon zum wilden Gitarrenriff: "Sie liebt den Deejay..."

Das Konzert in der Mensa der Bochumer Uni läuft klasse. Die Stimmung unter den paar hundert Zuschauern ist prächtig, die Boxen dröhnen. In den ersten Reihen schubsen sich ein paar Typen zur Musik hin und her, andere singen bei "Fight The Start" und "When Will I Ever Get Home" mit. Sänger Simon den Hartog leuchtet der Schweinwerfer mit dem gleißend roten Licht mitten ins Gesicht ("Ich seh' grad' gar nix. Bochum, seid ihr noch da?") und ein paar Meter dahinter am Bühnenrand zupft Dominic Lorberg an der Gitarre. Er wippt mit dem Kopf und grinst. Ihm geht's wirklich gut.Wer die Kilians live sehen möchte, hat am kommenden Freitag, 16. November, die Gelegenheit: Die Band steht beim Heimspiel "Second Fall-Festival" im Jugendzentrum P-Dorf in Dinslaken-Hiesfeld auf der Bühne. Mit dabei: Avid, Kukalaka, 6th Avenue Tale, 3 Summer Strong, Trustgod Simon, In Addition Found, Captain's Diary.

Beginn ist um 17 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr. Der Erlös kommt dem Verein Pangasinan zugute, der dem Dorf Palapar Norte in der philippinischen Provinz Pangasinan hilft. Eintritt: VVK 4, AK 5 Euro.

www.fall-festival.de www.the-kilians.de

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