Mammutbäume

Auf der Sequoiafarm Kaldenkirchen wachsen Mammutbäume

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Michael Geller führt als Verwalter regelmäßig über die Sequoiafarm in Nettetal-Kaldenkirchen – und kann dabei so einiges über die Mammutbäume erzählen.

Michael Geller führt als Verwalter regelmäßig über die Sequoiafarm in Nettetal-Kaldenkirchen – und kann dabei so einiges über die Mammutbäume erzählen.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Nettetal.  Mammutbäume brechen alle Rekorde. Sie sind die größten, höchsten und ältesten Bäume der Welt. Auf der Sequoiafarm wachsen einige der Giganten.

Weich und etwas zottelig fühlt sich die Rinde an. Doch sie hat noch eine andere und überaus ungewöhnliche Eigenschaft, wie Michael Geller von der Sequoiafarm Kaldenkirchen erklärt: „Die Rinde ist feuerfest.“ Muss sie auch sein, immerhin stehen die meisten Küstenmammutbäume im waldbrandgefährdeten Kalifornien. Dass ein paar von ihnen aber auch am kühleren Niederrhein wachsen, gleicht fast einem kleinen Wunder.

Das Zahnarztpaar Illa und Ernst Martin kaufte bereits Ende der 1930er Jahre eine Privatfläche im Grenzwald. Erst, um darauf Obst und Gemüse für die Nachbarschaft anzubauen. Später, um die exotischen Bäume anzubauen. Wobei, so exotisch sind die eigentlich nicht, sagt Geller: „Vor Millionen Jahren waren Küstenmammutbäume am Niederrhein beheimatet.“ Doch als die ersten Anzuchtversuche starteten, waren sich alle Expertinnen und Experten mit Blick auf hiesige Temperaturen einig: Das klappt nie!

Pflanzen aus der ganzen Welt

Ein Rundgang über die Sequoiafarm mit ihren riesigen, imposanten Bäumen aber beweist: Es hat geklappt! Und nicht nur mit den häufiger vorkommenden Berg-, sondern eben auch mit den seltenen Küstenmammutbäumen. „Viele Botaniker haben das damals nicht glauben wollen und sind hergereist“, erzählt Geller. Als Gastgeschenk haben viele von ihnen, natürlich, eine besondere Pflanze mitgebracht. So ist mit der Zeit das Arboretum, also die Gehölzsammlung, immer größer, immer vielfältiger geworden.

„Die meisten Menschen kommen natürlich wegen der Mammutbäume zu uns“, weiß Gelller. „Aber es gibt an jeder Ecke etwas Interessantes zu entdecken.“ Da ist beispielsweise die „Wollemie“, die bis zu ihrer zufälligen Entdeckung 1994 in Australien als ausgestorben galt und von der jetzt ein Exemplar auf der Sequoiafarm wächst. Oder die Pflanze, die den zungenbrecherischen Namen „Abies beshanzuensis“ trägt und von der es eigentlich nur noch fünf Exemplare in China gibt.

Vom Grafikdesigner zum Farmverwalter

Geller holt eben einen kleinen Topf, zeigt auf die Spitzen der winzigen Weißtanne. „Die Spitzen sind mit der Abies beshanzuensis veredelt, sodass daraus vielleicht irgendwann mal selbst ein Baum wächst.“ Das ist natürlich „Freak-Zeug“, wie er selbst zugeben muss. Aber genau das fasziniert ihn. Deshalb hat er auch vor knapp zehn Jahren seinen Job als Grafikdesigner aufgegeben und ist Farmverwalter geworden. Dort drüben, in dem Häuschen, wohnt er. „Ein Paradiesleben“, sagt er selbst.

Aber auch eines mit viel Arbeit. So richtig Feierabend hat Geller eigentlich nie. Hier mal ein Stöckchen vom Weg aufheben, dort mal einen Ast wegschneiden. Irgendwas gibt’s immer zu tun. In trockenen Sommern muss er stundenlang wässern, gerade die Mammutbäume sind durstige Gesellen. Feuchtes Wetter bedeutet aber nicht unbedingt weniger Arbeit. „Dann wächst mehr Unkraut.“ Auch, wenn von Unkraut in so einer Mischung aus Park, Garten und Wildnis eigentlich nicht die Rede sein kann.

1500 Kubikmeter Holz

Wenige Meter hinter dem Haus gibt’s schließlich den größten Baum der Welt zu sehen. Zugegeben, nicht in seiner vollen Pracht. Am Boden ist der Umfang des Bergmammutbaums aus dem Giant Forest nachgezeichnet (31 Meter), für die Höhe (84 Meter) braucht es etwas Fantasie. Um dann festzuhalten: Das ist gewaltig! Gegen das Volumen von knapp 1500 Kubikmeter Holz kommt der mittendrin gepflanzte Sämling noch lange nicht an. Aber zum Wachsen hat er ja noch knapp 2000 Jahre Zeit.

Einmal den Rundweg weitergehen, schließlich kann die Sequoiafarm zumindest mit einem 40 Meter hohen Küstenmammutbaum aufwarten. Von wegen, diese Art kann nicht am Niederrhein wachsen. Hier steht der Gegenbeweis! Und dort drüben sprießen zwei Sämlinge aus der Erde. Das war eine Sensation, als Geller die Pflänzchen vor einigen Jahren entdeckt und identifiziert hat. „Welcome back“, kann er da nur sagen. „Im Zuge des Klimawandels kann man also den ursprünglich hier beheimateten Baum wieder pflanzen.“

Doch eine wichtige Frage bleibt. War Geller selbst mal in Kalifornien, um die noch gigantischeren Giganten zu sehen? Die Frage versteht er nicht so recht. „Wieso sollte ich wegfahren? Ich habe hier doch alles.“

>>> Herbstausflug zu den Mammutbäumen

Wer in diesem Jahr noch einmal die Mammutbäume sehen möchte, sollte sich beeilen. Die Sequoiafarm Kaldenkirchen, Buschstraße 98 in Nettetal-Kaldenkirchen, ist von April bis Oktober immer sonntags und feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Im Verein Sequoiafarm e.V. finden sich Baumfreundinnen und -freunde aus ganz Deutschland und Europa zusammen. Im Jahr 2013 hat der Verein die Sequoiafarm übernommen. Weitere Infos auf www.sequoiafarm.de

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