Tierpension

So sieht der Alltag in einer Essener Hundetagesstätte aus

Gordian Wessels betreibt die Hundetagesstätte Tako Bello in Essen, die auch Mati besucht.

Gordian Wessels betreibt die Hundetagesstätte Tako Bello in Essen, die auch Mati besucht.

Foto: Olaf Fuhrmann

An Rhein und Ruhr.   Zum modernen Hundealltag gehört der Besuch einer Hundetagesstätte (Huta). Und dort spielen sich morgens ähnliche Szenen ab wie in Kitas.

Aufgeregt springt Mati aus dem Auto und läuft geradewegs auf das Tor zu. Der Schwanz wedelt, die Vorfreude ist groß. Der zweijährige Australian Shepherd kommt täglich zur Hundetagesstätte Tako Bello in Essen, wie Besitzerin Vera Bresemann erzählt: „Ich muss arbeiten und weil sich manchmal einfach die Lebensumstände ändern, bringe ich ihn seit einiger Zeit hierhin.“ Dann muss sie wieder los, also übergibt sie schnell die Hundeleine an Gordian Wessels. Er ist der Chef von Tako Bello und kann Mati endlich das Tor öffnen.

Neben Mati besuchen auch viele andere Hunde regelmäßig Hundetagesstätten, wie die Düsseldorfer Hundepsychologin Kerstin Gebhardt aus eigener Erfahrung weiß: „Zu mir kommen viele, deren Hunde in einer Huta sind.“ Grundsätzlich finde sie das Konzept zwar nicht problematisch, „aber es gibt mittlerweile den Trend, dass sich viele einen Hund anschaffen und dann den ganzen Tag arbeiten gehen.“

Der Hund als Familienmitglied

Auch Gordian Wessels ist bewusst, dass sich immer mehr Menschen einen Hund zulegen: „Sie holen sich den Hund als Familienersatz ins Haus.“ Allerdings betont er im gleichen Zuge: „Die Entscheidung, sich einen Hund zu halten, basiert nicht auf der Möglichkeit, ihn in eine Huta stecken zu können.“ Seine tierischen Kunden kämen durchschnittlich zwei Mal die Woche für ein paar Stunden, denn für manchen Hund mit Verlustängsten könne bereits eine kurze Zeit alleine zuhause zum Problem werden. Falls die Besitzer für ihre Lieblinge jedoch tatsächlich Vollzeitbetreuung benötigen, gebe es dafür meist persönliche Gründe wie Krankheit, eine Scheidung, ein neuer Job oder auch ein Umzug, so Wessels. „Immer dann, wenn sich die Lebensumstände geändert haben, kann eine Huta die Lösung sein.“

So wie für Mati. Seine Leine hängt mittlerweile neben der von Tiffy, Charly und vielen anderen, den Weg zum hinteren der drei Felder hat er längst gefunden. Auf über 400 Quadratmetern haben bis zu 40 Hunde Platz, im Durchschnitt toben immer 27 Hunde über den Rasen. „Die Kunst ist es, die Hunde so zu sortieren, dass es passt“, erklärt Wessels. Rund zehn Hunde kommen pro Feld und Betreuer zusammen, alle müssen sich gut verstehen. Auch Mensch und Tier. „Das ist ganz wichtig, die Betreuer müssen immer einen Zugang zum Hund finden“, sagt Wessels.

Dramen wie im Kindergarten

Damit das funktioniert, absolviert jeder Hund zu Beginn einen Probetag. Und der kann auch schon mal mit Tränen beginnen. „Das sind die gleichen Szenen wie im Kindergarten“, erzählt Wessels. Nur umgekehrt. „Wenn die ‘Eltern’ die Hunde verlassen, spielen sich manchmal Dramen ab.“ Von Seiten der Hundemamas und -papas, versteht sich. „Den Hunden ist das egal, die sind neugierig.“

Mati hat bereits innerhalb weniger Minuten mehrere Spielgefährten gefunden, mit denen er sich sofort beschäftigt. Denn Spielzeug oder Einzelbetreuung gibt’s hier nicht. „Sonst streiten sie sich um das Spielzeug oder ein Hund sieht einen Betreuer schnell als seine eigene Ressource an“, sagt Wessels. Bei so vielen Tieren könne das problematisch werden. Langweilig wird es Mati und seinen Freunden dennoch nicht. Tunnel und Trampolin oder im Sommer auch mal der Schwimmteich sorgen für ausreichend Abwechslung.

Tierische Physiotherapie

Daneben können Besitzer einen individuellen Spaziergang oder eine Hundesporteinheit wie das Longieren zur regulären Betreuung dazu buchen. Das hat auch einen ganz bestimmten Grund, wie Wessels betont: „Das Verwahren in einer Hundetagesstätte war gestern. Heute geht’s um den Mehrwert.“ Dazu zählen unter anderem auch gezieltes Bewegungstraining oder Muskelaufbau in Zusammenarbeit mit der hauseigenen Physiotherapeutin. Alles natürlich zu einem gewissen Aufpreis – zusätzlich zu den 390 Euro pro Monat für eine Ganztagsbetreuung von bis zu 12,5 Stunden. Nicht ganz billig, doch auch in anderen Hundetagesstätten an Rhein und Ruhr bezahlen Besitzer für ein ähnliches Angebot im Schnitt zwischen 300 und 440 Euro. Sie lassen es sich kosten, dass ihre Tiere nicht alleine zuhause bleiben müssen.

Der ständige Trubel gefällt auch Mati, der gemäß seiner Natur am liebsten Tiere hütet. Oder zumindest mit Spielgefährten herumtobt. Hundepsychologin Kerstin Gebhardt hält allerdings fest, dass ein Hund im Durchschnitt 16 Stunden ruhe. Ihre Schlussfolgerung daraus: „Ein erwachsener Hund kann theoretisch gut vier bis fünf Stunden alleine sein.“ Daher stelle sich ihr schnell die Frage, ob die Tiere in einer Hundetagesstätte auch genügend Ruhe finden können.

Viel Trubel und etwas Ruhe

Genau darauf achtet Gordian Wessels, wie er selbst sagt, schon beim Zusammenstellen der Gruppen. „Und wenn ein Hund zu aufgeregt ist oder wir den Eindruck haben, dass er überfordert ist, nehmen wir ihn gezielt raus.“ Neben der „erlernten Ruhe“ sind die Ausläufe zudem so groß, dass die Hunde irgendwo immer einen Liegeplatz finden. Und falls es mal regnen sollte, bieten die drei Hütten mit Heizungen Unterschlupf. Nach einer kleinen Pause geht’s für Mati aber direkt wieder ins Getümmel, denn eines möchte Wessels festhalten: „Der Hund ist ein Gesellschaftstier und braucht sein Rudel.“

Für Mati stimmt das allemal. „Wenn ich ihn abends abhole, ist er immer müde und ausgeglichen“, erzählt seine Besitzerin Vera Bresemann. Und so fahren die beiden auch an diesem Abend wieder zufrieden nach Hause, wo Mati in seinem Körbchen ganz bestimmt von einem aufregenden Tag träumen und sich gleichzeitig schwanzwedelnd auf den nächsten Morgen in der Hundetagesstätte freuen wird.

>>> Katzenurlaub in einer Pension

Auch Katzenbesitzer suchen immer häufiger eine Pension, in der sie ihre Tiere vorübergehend unterbringen können. Die Erfahrung hat zumindest Anita Maes gemacht, die bereits seit einigen Jahren die Katzenpension Katzenstübchen in Goch betreibt.

Dass zu Maes an den Niederrhein nahe der niederländischen Grenze vor allem Kunden aus Großstädten wie Duisburg oder Düsseldorf kommen, führt sie auf eine über die Jahre veränderte Gesellschaft zurück: „Das Leben ist viel anonymer geworden.“ Fütterte früher während des Urlaubs der Nachbar die Katze, suchen Besitzer heute lieber eine zu bezahlende Alternative.

Im Katzenstübchenbleiben Katzen meist mehrere Tage in Folge, eine Tagesbetreuung wie für Hunde würde aus Maes’ Sicht keinen Sinn machen. Denn, so sagt sie: „Katzen gehen nicht in Interaktion mit anderen und können – wenn sie denn einmal am Tag mit Futter versorgt werden – am Wochenende auch mal alleine zuhause bleiben.“

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