Scheveningen

200-Jahr-Feier mit „Feest an Zee“

Blick vom Leuchtturm auf den Strand von Scheveningen, wo links im Bild ein Bereich eigens für das „Volvo Ocean Race“ abgetrennt ist.

Blick vom Leuchtturm auf den Strand von Scheveningen, wo links im Bild ein Bereich eigens für das „Volvo Ocean Race“ abgetrennt ist.

Foto: Benno Seelhöfer

Den Haag-Scheveiningen.   200 Jahre schon! Der Badeort Scheveningen in Den Haag feiert sein Jubiläum mit einem großen Fest – darunter das berühmte „Volvo Ocean Race“.

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Hämisch freut sich Remco Dörr, als er am kleinsten Haus seiner Heimatstadt vorbeikommt. Mit einem neckischen Grinsen im Gesicht sagt er stolz: „Es ist nur 1,5 Meter breit – und damit schmaler als das kleinste Haus in Amsterdam. Aber man sagt sowieso: Besser hier in einem kleinen Haus leben als anderswo in einem großen.“

Für den Mann, der schon seit langer Zeit Führungen durch sein Den Haag anbietet, verbindet alle Einheimischen ein Lebensgefühl. Und das beinhaltet, sich keineswegs vor den Landsleuten aus Amsterdam verstecken zu müssen. Denn die Stadt, in der sich der niederländische Regierungssitz befindet, ist stolz darauf, wer sie ist und wo sie herkommt. Und genau das feiern die Einheimischen 2018 beim „Feest aan Zee“ gleich ein ganzes Jahr lang.

Denn seit stolzen 200 Jahren ist der Stadtteil Scheveningen mittlerweile als beliebter Badeort bekannt. Im Rahmen des Jubiläums locken nicht nur zahlreiche Kultur-Events, sondern auch viele Museen mit besonderen Ausstellungen. Als Highlight kürte das Volvo Ocean Race, eine große internationale Segelregatta, sogar das erste Mal in Den Haag seinen Sieger.

Wer wissen möchte, wie sich Scheveningen vom kleinen Badeort zum Segelhotspot entwickelt hat, ist im „Haags Historisch Museum“ gut aufgehoben. Das widmet der Scheveninger Geschichte eine komplett neue Ausstellung. Denn der klassische Badeurlaub hat sich im Laufe der vergangenen 200 Jahre gewandelt – da gibt es einiges zu erzählen.

Während sich die Menschen zuerst nur in Badekarren ins kühle Nass trauten – nackte Haut war in der Öffentlichkeit strengstens tabu –, gab es einige Jahre später auch immer wieder spannende Strandaktivitäten für Kinder. Egal ob Esel-Reiten oder in einer Vogelstrauß-Kutsche fahren: Hauptsache die Kleinsten langweilten sich nicht.

Luxus im Kurhaus

Für den Pomp und den Luxus, den sich die wohlhabenden Badegäste früher gegönnt haben, steht auch das direkt am Strand gelegene Kurhaus von Scheveningen. Das sehenswerte Gebäude, das aktuell ein Luxus-Hotel beheimatet, musste im Laufe der letzten 200 Jahre mehrmals wieder aufgebaut werden. Zuletzt wäre es fast 1964 soweit gewesen: Als die Rolling Stones in dem Kurhaus aufgetreten sind, hatten sich so manche Fans nicht mehr ganz im Griff. Die Folgen: Konzert-Abbruch nach 15 Minuten und ein reichlich demolierter Saal.

Ein weiterer Hingucker direkt am Strand war das vorübergehend angelegte „Dorf“ des Volvo Ocean Race, bei dem sich die Veranstalter keinesfalls haben lumpen lassen: Auf einer riesigen Fläche wurden nicht nur unzählige Hütten, eine große Bühne und jede Menge Zelte mit Aktionen für Jung und Alt hochgezogen. Es wurde auch eine Teilfläche des Geländes, das sich komplett auf dem Sandstrand befand, vorübergehend gepflastert. Und das alles für nur eine Woche.

Doch Den Haag ist nicht nur in diesem Jahr durch das „Feest aan Zee“ eine Reise wert. Die wenigsten sehenswerten Attraktionen sind bloß vorübergehend. Besonders für Kunst- und Kultur-Liebhaber hat die Stadt immer etwas in petto.

Saisonal, aber dafür jedes Jahr, verwandelt sich die Pracht-Allee „Lange Voorhout“ in eine Freilicht-Ausstellung. Immer wieder gibt es Schauen mit einem anderen Motto, 2018 ist das passend zu Scheveningen natürlich der Sand. Deshalb kämpften in diesem Jahr Künstler aus der ganzen Welt in Den Haag um den Titel der Sandskulpturen-WM. Auch wenn der bereits an Großbritannien vergeben ist, können Besucher die Kunstwerke noch bis Ende August bestaunen.

Wer es allerdings erst im Winter nach Den Haag schafft, nicht aber auf einen warmen Strandtag verzichten möchte, für den ist das Panorama Mesdag genau das richtige. 1881 schuf Hendrik Willem Mesdag das 360-Grad-Gemälde, das die Besucher mithilfe realer Deko, Strandgeräuschen und einer warmen Meeresluft die sonnige Nordsee mit allen Sinnen erleben lässt – egal wann.

Der perfekte Überblick über die tatsächliche See offenbart sich hingegen vom Scheveninger Leuchtturm aus – einem echten Geheimtipp. Der 1875 gebaute Turm ragt auf einer 15 Meter hohen Düne rund 45 Meter in die Höhe. Das hört sich erstmal wenig an, aber Höhe ist relativ: Denn direkt am Meer ist es schließlich flach. Oben angekommen, fühlt man sich daher fast wie auf dem Empire State Building. Auch wenn die neun Etagen und 146 extrem schmalen und steilen Stufen mühsam erklommen werden müssen, entschuldigt der anschließende Rundumblick die Sporteinlage im Nu. Allen, die sich in die Höhe trauen, bietet sich eine atemberaubende Sicht auf den Strand, aufs Meer und auf die Skyline von Den Haag (ja, die gibt’s tatsächlich).

Das Lebensgefühl, das Remco Dörr in seiner Führung angedeutet hat, spürt jeder, der durch Den Haag schlendert. So gibt es an den Straßen direkt am Strand Siedlungen mit sehr schönen, aber schmalen Reihenhäusern. Sie alle scheinen nach dem Motto entworfen zu sein: klein, aber oho.

Durch eine ähnliche Schönheit besticht ebenfalls das „Hofkwartier“. In den schmalen Gassen des Viertels prägen kleine Lädchen, Bars und Cafés das traumhafte Stadtbild. Sie laden zum „Borrelen“ ein. Bei dieser niederländischen Tradition treffen sich Arbeitskollegen freitagnachmittags bei ein oder zwei Bierchen und lassen die Woche gemütlich ausklingen.

Denn Den Haag ist eine lebendige Stadt, in der Auswärtige nicht nur das Lebensgefühl der Einheimischen, sondern auch den allgemeinen „Dutch Way of Life“ – also den Niederländischen Lebensstil – mit all seinen Facetten kennenlernen können. Eines müssen Touristen dabei nur dringend beachten: „Wir Niederländer sind richtig nett – aber nur, bis wir auf einem Fahrrad sitzen“, sagt Remco Dörr und lacht. „Dann haben wir unsere eigenen Regeln.“

Aber das ist in Deutschland ja nicht anders – nur eben beim Autofahren...

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