Fahrradtour

Auf dem Radl durchs idyllische Vechtetal

Die Fähre sieht eher aus wie ein Anlegersteg, bringt die Radler aber bequem übers Wasser.

Die Fähre sieht eher aus wie ein Anlegersteg, bringt die Radler aber bequem übers Wasser.

Foto: Jutta ingala

Darfeld/Overijssel.  Eine eBike-Tour führt entlang des Flusses durch charmante Dörfer und die Landschaft von Overijssel.

223 Kilometer mäandert die Vechte von ihrer Quelle im münsterländischen Darfeld bis zur Mündung ins Zwarte Water in der niederländischen Provinz Overijssel. Durch Heide, Moor und lichte Wäldchen, vorbei an herrschaftlichen Landsitzen und hübschen Mühlen, denen der Wind kräftig in die Flügel fährt. Kurz vor Gramsbergen küsst die Vechte den Coevorden-Almelo-Kanal. Doch während der unbeirrt schnurgeradeaus fließt, schlägt der Fluss weiter Kapriolen. Und gestaltet die Landschaft beständig neu. Ein Reisebericht.

Wer dem Lauf der Vechte auf einem besonders schönen Teilstück folgen möchte, startet am besten frühmorgens in Nordhorn. Einst Dreh- und Angelpunkt für Bentheimer Sandstein, der mit Flachbodenbooten – den so genannten Vechtezompen – über den Fluss in die Niederlande und darüber hinaus verschifft wurde. Begehrt für Kathedralen und andere Prachtbauten, nicht zuletzt dem Königlichen Palais in Amsterdam.

Nordhorn, Laar und die Landschaft

Von Nordhorn geht es über Emlichheim nach Laar. Auf dieser Etappe können sich eBike-Neulinge mit dem Rad vertraut machen, vor allem jedoch mit der Landschaft, die zwar wadenfreundlich flach ist, dem Auge aber viel zum Festhalten bietet. Immer nah am Fluss und schon ganz bald hinüber: Mit der Kurbelfähre nämlich, die den „Schoapdiek“ – den Schafsdeich – in Echteler mit dem Düshook am anderen Ufer verbindet. Ein echtes Highlight und viel Spaß bei nur wenig Muskeleinsatz.

Laar, das sich schon an die niederländische Grenze schmiegt, ist willkommen für eine erste Pause. Und vielleicht ein Picknick an der Mühle, die vom Vechteufer grüßt. 1806/07 wurde sie als Getreidemühle erbaut. Heute steht das Mahlwerk still. Am Fuß der Mühle liegt ein Bootsanleger. Hier starten Nachbauten der historischen Vechtezompen zu Rundfahrten oder einfach flussaufwärts bis nach Gramsbergen. Für den Transport von Rädern wird dann praktischerweise gesorgt.

Bevor in Gramsbergen wieder aufgesattelt wird, unbedingt in der Mikrobrauerei Mommeriete eines der leckeren Craft-Biere trinken. Das „Vrouwe van Mommeriete“ ist vollmundig, ein Quadrupel mit leichtem Karamellgeschmack, jedoch nicht zu süß. So gestärkt kann man wieder kräftig in die Pedale treten. Oder den Motor des eBikes bemühen. Vorbei an Wiesen voller Wildblumen und saftigen Weiden mit Schwarz-Bunten, Pferdekoppeln und Baumreihen mit ausladenden Kronen, die an sonnigen Tagen willkommenen Schatten spenden. Bei Rheeze kreuzt die Vechtetalroute den Pieterpad, einen Fernwanderweg, den man sich gleich einmal für den nächsten Ausflug in die Niederlande merken darf. Umringt von mittelalterlichen, reetgedeckten Gehöften, allesamt bilderbuchgleich restauriert, liegt der Rheezer Brink. Einst Handelsplatz für Vieh, heute ein grünes Kleinod. Direkt gegenüber liegt De Rheezer Kamer: Café – der hausgemachte Kuchen ist eine Wucht! – nostalgischer Teegarten und stilvolles Bed & Breakfast. Wer für die Vechte-Tour zwei Tage veranschlagt hat, der kann hier stilvoll übernachten.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Ommen, vorbei am verwunschenen Landgut Vilsteren und der gleichnamigen Mühle. Vielleicht baut man noch einen Schlenker zum Hof Boerhoes bei Dalfsen ein, wo man auf den Deich klettern und einen tollen Blick auf den gewundenen Lauf der Vechte werfen kann. Vor allem ist der Hof jedoch bekannt für den „Kretenwegge“, typisches Rosinenbrot nach lokalem Rezept gebacken und dick mit Butter bestrichen. Muss man probiert haben.

Die letzte Etappe führt in ausladenden Schleifen ins historische Zwolle. Hier verabschiedet sich die Vechte, mündet ins Zwarte Water und entlässt den Reisenden in das Herz der Hansestadt. Wen die Waden noch nicht zwicken, der findet moderne Kunst im Museum De Fundatie – schon von außen ein echter Blickfang – oder stattet einer der schönsten Buchhandlungen der Niederlande – Waanders in de Broeren – einen Besuch ab: die Buchhandlung befindet sich in einer ehemaligen Kirche mit prächtigen Fresken an der Decke, einer noch immer bespielbaren Orgel und ist sogar mit einem Café ausgestattet.

Süßes Souvenir aus Zwolle

Für einen Kaffee und ein kleines Mittagessen bietet sich übrigens auch die Villa Suikerberg – gleich neben De Fundatie – an. Das hübsche, romantisch verschachtelte Gebäude, geht auf ein Gartenhaus zurück, das 1892 zum Wohnhaus umgebaut wurde, dann verfiel und jetzt eine neue Bestimmung gefunden hat.

Wer übrigens ein originelles Souvenir aus Zwolle heimbringen möchte, der findet im Zwolse Balletjes-Haus die gleichnamigen, seit 1845 nach geheimem Rezept hergestellten Zuckerbonbons. Irre süß, aber so herrlich nostalgisch!

Weitere Informationen: eBikes einfach über www.actieftwente.nl reservieren und am gewünschten Startpunkt entgegen nehmen. - Fietsenbus an Wochenenden und Feiertagen für Teilstrecken. Info und Fahrplanauskunft unter 01803/229292.

Auf halber Strecke in De Rheezer Kamer (www.derheezerkamer.nl/de) auf ein „Kopje Koffie“ und leckeren Kuchen einkehren. Oder gleich im renovierten Bauernhaus übernachten.

Beschreibung der Route auf www.vechtetalroute.de oder unter www.vechtdaloverijssel.nl.

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