NRZ-Serie

Eine Reise aufs Land und in die Vergangenheit

Das Wasserschloss Loevenstein liegt idyllisch an der Waal und ist eine Schatzkammer voller Geschichten über Ritter, Gefangene, Soldaten und ganz gewöhnliche Menschen.

Das Wasserschloss Loevenstein liegt idyllisch an der Waal und ist eine Schatzkammer voller Geschichten über Ritter, Gefangene, Soldaten und ganz gewöhnliche Menschen.

Foto: Hella Spickermann

Gelderland.   Zum Abschluss unserer Roadtrip-Serie haben wir zwei Schwestern zum Wochenende ins Rivierenland geschickt

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Es war mal wieder Zeit für ein Schwestern-Wochenende. Wir wollten etwas Neues entdecken und so zog es uns in die Region Rivierenland in der Provinz Gelderland, westlich von Nimwegen. Im Land der Flüsse von Maas und Waal fühlen wir uns aufgrund der ländlichen Umgebung fast heimisch und doch ist alles anders – irgendwie idyllisch. Zunächst erreichen wir das kleine Städtchen Culemborg. Durch schmale Gassen mit historischen Gebäuden schlendern wir zum Elisabeth Weeshuis Museum. Es handelt sich hierbei um das im Jahre 1560 erste neuerbaute Waisenhaus der Niederlande, erklärt uns Museumsdirektorin Nicole Spaans. Im ehemaligen Mädchenflügel ist das heutige Museum untergebracht.

Wir gehen bedächtig durch die alten Flure und erfahren, wie die Waisenkinder früher gelebt und gespielt haben, aber auch bestraft wurden. Filme, Fotos, Geräusche und Schilder führen uns durch die verschiedenen Räume. Für deutsche Gäste gibt es eine Mappe, in der alle wichtigen Texte übersetzt sind. Außerdem bietet das Waisenhausmuseum auf Anfrage Führungen auf Deutsch an. Im Schlafsaal stehen Betten wie es sie früher gab. Wer etwas genauer hinschaut, entdeckt sogar Wanzen – in dem Fall natürlich nur aus Holz. Am Ende des Rundgangs wird auf die heutige Situation von Waisenkindern hingewiesen: weltweit gibt es 150 Millionen (Halb-)Waisen. „Vergangenheit und Gegenwart treffen hier aufeinander“, beendet Spaans die Führung. Mit vielen Eindrücken, die zum Nachdenken anregen, verlassen wir das Museum.

Zeit für eine kleine Stärkung. Unser Weg führt uns in die Einkaufsstraße von Culemborg. Zugegeben, wahnsinnig viel los ist hier nicht. Doch bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen sind zumindest die Caféterrassen gut besucht. Die Stadt versprüht einen besonderen Charme aus modernen und historischen Einflüssen. Wir setzen uns auf die Terrasse der Brasserie Streek. Ein hübsches Bistro mit einer eher außergewöhnlichen Karte. Denn die typisch holländischen Pappbrötchen sucht man hier vergeblich. Stattdessen legt Eigentümerin Moniek Spruit viel Wert auf frische, saisonale Zutaten – und auch das Auge isst hier definitiv mit. Hier könnten wir ewig sitzen bleiben.

Doch es geht weiter und ein halbes Stündchen später summt es über unseren Köpfen. Wir sind auf der Messe „Landgoedfair“ in Mariënwaerdt angekommen. Eine Drohne des Unternehmens „Food Flies“ kommt auf uns zugeflogen. Im Gepäck: Sushi. Während wir es uns schmecken lassen, erzählt uns Mitarbeiter Hans van den Bos, was hinter der Drohnen-Sushi-Idee steckt. „Ein wichtiger Aspekt auf der diesjährigen Landgutmesse ist das Thema Nachhaltigkeit“, sagt er. „Wir haben uns überlegt, wie wir auf umweltfreundliche und nachhaltige Weise Lebensmittel transportieren können. So sind wir auf die Drohne gekommen.“ Natürlich sei es noch ein weiter Weg bis diese Idee tatsächlich alltagsfähig wird, doch für van den Bos ist sie ein reales Zukunftsscenario.

Auch Elin van Beem, Organisatorin der Messe mit 190 Ständen und etwa 25 000 bis 35 000 Besuchern an fünf Tagen, ist von der Idee begeistert: „Es passt perfekt zu unserem Motto Tradition und Zukunft sowie zum Nachhaltigkeitsaspekt.“ Jedes Jahr im August zieht die Fair interessierte Verbraucher an. Hier findet sich alles von Kleidung, Möbeln und Blumen bis zu Dekoartikeln für drinnen und draußen. Aber auch außerhalb der großen Veranstaltung ist das Landgut Mariënwaerdt ganzjährig einen Besuch wert. Auf über 900 Hektar Land können Besucher spazieren gehen und die Natur entdecken oder in der Brasserie sowie im Pfannkuchenrestaurant einkehren.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg nach Poederoijen – diesen Ortsnamen haben wir tatsächlich noch nie gehört. Unser Ziel: Schloss Loevestein an der Waal. Vom Parkplatz aus sind es ein paar Hundert Meter zu Fuß. Dann sehen wir es auf einmal ganz nah vor uns: Das beeindruckende Wasserschloss aus dem Jahr 1361. Eine Brücke, auf der Geräusche von klappernden Hufen aus Lautsprechern kommen, führt uns über den Wassergraben in den Innenhof. Dort treffen wir Renny de Graaff, die uns ein paar spannende Einblicke in das damalige Schlossleben gibt. „Loevestein ist mehr als ein mittelalterliches Schloss mit Rittergeschichten. Im 17. Jahrhundert war es ein raues Gefängnis für politisch und religiös andersdenkende Menschen. Außerdem war es viele Jahrhunderte ein lebendiges Soldatendorf. Schloss Loevestein ist eine Schatzkammer voller Geschichten über Ritter, Gefangene, Soldaten und ganz gewöhnliche Menschen, die innerhalb der robusten Festungsmauern lebten und arbeiteten.“, erzählt sie uns.

Ausgestattet mit einem Schlüssel, der uns Zutritt verschafft und mit dem wir allerhand Tonfragmente aktivieren können, entdecken wir den Rittersaal, den Schlafsaal und die Wohnkammer. Ein wenig mulmig zu Mute wird uns, als wir den Speicher ganz oben erreichen. Kein Tageslicht und knarrende Holzbalken lassen uns erahnen, wie sich die Gefangenen hier damals gefühlt haben müssen. Schnell wieder über die schmalen Treppen eine Etage tiefer, von der wir durch die Fenster einen guten Ausblick auf das Umland haben. Bisher sind die Infotafeln und die Audiostellen in den Räumen nur auf Niederländisch und Englisch vorhanden. Im nächsten Jahr sollen Infos auf Deutsch folgen. Am Eingang sind eine Broschüre und eine Karte auf Deutsch erhältlich. Außerdem sind deutschsprachige Führungen auf Anfrage möglich.

Nach dieser ereignisreichen Tour runden wir unsere Reise ins Rivierenland mit einem leckeren Mittagessen bei Brasserie de Buurman ab. Direkt am Deich gelegen genießen wir auch hier die idyllische Natur, die uns umgibt. Ein perfekter Ort für eine Pause während einer Fahrradtour, denken wir.

Mitbringsel: Übernachtung zu zweit gewinnen

Übernachtet haben wir auf unserer Reise im B&B Bommels Dijkhuis in Gameren. Überaus freundlich wurden wir von Alfons van der Heijden und Cora van den Berg (Foto) begrüßt. Für das Abendessen war ein umfangreiches Grill-Arrangement mit frischen Produkten, unter anderem vom ortsansässigen Metzger, für uns vorbereitet – aber auch Vegetarier kommen hier voll auf ihre Kosten. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und bei einem Glas Wein die sommerliche Abendstimmung im Garten genossen.


Seit Februar 2018 vermietet das Ehepaar drei modern und zugleich gemütlich eingerichtete Zimmer. Auch das Frühstück hat uns begeistert. Frische Brötchen, Käse, Aufschnitt, selbst gemachte Marmelade, Müsli mit Joghurt und ein Omelett – der perfekte Start in den Tag. Weil es uns so gut gefallen hat, haben wir von dort einen Gutschein für eine Übernachtung mit Frühstück für zwei Personen mitgebracht, den NRZ-Leser jetzt gewinnen können. Wie? Bis Mittwoch, 26. September unter www.nrz.de/mitbringsel mitmachen und mit etwas Glück gewinnen.

An diesen Punkten waren unsere Reporter unterwegs:

Waisenhausmuseum Elisabeth Weeshuis Museum: Herenstraat 29, 4101 BR Culemborg https://weeshuismuseum.nl/de/

Brasserie Streek: Markt 15, 4101 BW Culemborg, https://www.brasseriestreek.nl/

Landgoed Mariënwaerdt: ‘t Klooster 5, 4153 RR Beesd, https://www.marienwaerdt.nl/

Schloss Loevestein: Loevestein 1, 5307 TG Poederoijen, https://www.slotloevestein.nl/de/

Brasserie de Buurman: Maasdijk 84a, 5307 HR Poederoijen, https://brasseriedebuurman.nl/

B&B Bommels Dijkhuis: Waalbandijk 7, 5311 AG Gameren, https://bommelsdijkhuis.nl/de/

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