Reise

Elburg bietet mittelalterliche Idylle direkt am Wasser

Die Botter genannten Flachbodenschiffe verlassen den Hafen wieder und fahren raus aufs Veluwemeer

Die Botter genannten Flachbodenschiffe verlassen den Hafen wieder und fahren raus aufs Veluwemeer

Foto: Heiko Buschmann

Elburg.  Elburg gehört zu den neun kleinen Hansestädtchen der Niederlande. Die Umgebung lädt ein zur gemütlichen Bootsfahrt oder Radtour.

Dutzende alte Holzboote verlassen den Hafen und fahren in Richtung Veluwemeer. An Bord stehen meist Männergruppen und stoßen an diesem frühen Morgen schon mit einem Bier an, vom Vorabend wird ja wohl noch irgendein Kaltgetränks stehen geblieben sein. Von Deck fällt keiner, so hart war das Gelage dann auch nicht, auch die Ausfahrt per Handy filmen klappt unfallfrei.

Kleine Hansegemeinde zwischen Zwolle und Harderswijk

Willkommen bei den Bottertagen in Elburg! Die kleine Gemeinde im nördlichen Gelderland zwischen Zwolle und Harderswijk gehört zu den neun kleinen Hansestädtchen der Niederlande. Botter heißen die für diese Gegend typischen sehr flachen Segelschiffe und haben einen Seegang von nur etwa einem Meter Tiefe. So waren die Flachbodenschiffe besonders für den Einsatz in den flachen Wattenmeeren der Nordsee bestens geeignet.

Früher lagen Elburg und andere „Hanzesteden“ wie Kampen direkt am (halb) offenen Meer, eben am Ijsselmeer, doch 1986 gönnten sich unsere Nachbarn eine neue, nunmehr zwölfte Provinz: Flevoland. Die niederländische Regierung rang der Gegend um Almere, nicht weit von Amsterdam, dem Wasser ab und liegt im Schnitt fünf Meter unter dem Meeresspiegel. Elburg hat so zwar nicht den Reiz einer hübschen, alten Stadt am Wasser verloren, doch man muss von Hafen inzwischen ein paar Meilen raus, um den Horizont zu erweitern.

Jedes Jahr im Spätsommer lädt Elburg zum Spektakel am Wasser, den „Botterdagen“. Drei Tage dauert die Party, von der Einfahrt der Schiffe in den Hafen am ersten Abend inklusive einer stimmungsvoll mit Fackeln und Donnergehall nachgestellten Seeschlacht bis hin zum großen Fest mit Musik und Tanz am Abschlusstag.

Elburg ist allerdings auch abseits der „Botterdagen“ absolut sehenswert. Das kleine Städtchen, das heute mit den benachbarten Oostendorp, Doornspijk, t’Harde (mit kleinem Bahnhof) sowie den Dörfern Hoge Enk und Wessinge eine Gemeinde bildet, wurde bereits im Jahr 796 erstmals urkundlich erwähnt.

Kleines, pittoreskes Zentrum

Nach einer Flutkatastrophe – so besagt es die Legende, die jedoch inzwischen bezweifelt wird – wurde Elburg im 14. Jahrhundert als eine viereckige Festungsstadt mit Vierteln im Schachbrettmuster völlig neu erbaut. Fischfang und Getreidehandel machten es weit über die engen Stadtgrenzen bekannt und mit dem Beitritt zur Hanse wuchs das kleine Städtchen zu einem bedeutenden Handelsort.

Als die Niederlande im Goldenen Zeitalter aufblühte und zur einer weltweit tätigen See- und Handelsmacht wurde, fielen die kleineren Hansestädtchen wie Elburg zurück. Erst der Fremdenverkehr brachte etwa ab 1955 Besserung.

Fast alle Häuser der Gemeinde stehen unter Denkmalschutz

Vor allem der ursprüngliche Charakter der mittelalterlichen Gassen und Winkel lockt Touristen inzwischen nicht nur aus der Umgebung, sondern vermehrt zum Beispiel auch aus Deutschland hierher. Einzigartig: Fast sämtliche Häuser im Kern Elburgs, 600 an der Zahl, sind offiziell zeitgeschichtliche Monumente und stehen unter Denkmalschutz!

Elburg ist sehr klein, selbst mit einem Besuch im schönen Heimatmuseum im historischen Agnietenkloster, im jüdischen Museum Sjoel am Muurhuisje, einem Blick ins 1740 erbaute Landgut Feithenhof sowie einem ausgedehnten Spaziergang am Hafen ist man hier schnell durch. Daher sollten Besucher unbedingt auch die nähere Umgebung erkunden.

Waldreiche Veluwe ist nicht weit

Wer nicht aufs Wasser will, zum Beispiel mit einem gemieteten Botter, sollte in Holland natürlich das Rad nehmen. Nördlich am Veluwekanal entlang in Richtung Kampen geht es auf perfekt ausgebaute Radwegen in Richtung Wasser. In der anderen Richtung lockt ab t’Harde die waldreiche Veluwe in die Natur.

Und jetzt Botter bei die Fische: Wer lieb fragt, darf bestimmt auch mal einen Blick in die kleine Werft am Elburger Hafen werfen. Denn hier werden noch nach alter Handwerkstradition vermeintlich ausgediente Flachbodenschiffe repariert beziehungsweise restauriert. Drei Jahre dauert das in der Regel und kostet auch ein bisschen was – das Ergebnis aber kann sich sehen lassen, zum Beispiel bei den nächsten „Botterdagen“ im Sommer 2020.

Die NRZ war auf Einladung des Niederländischen Büros für Tourismus und Convention (NBTC) in Elburg.

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