Musikfestival

Festival in den Niederlanden: Bonos Sohn rockt in Groningen

Einer der vielen spannenden Acts beim Eurosonic-Festival in Groningen: Georgia Barnes.

Einer der vielen spannenden Acts beim Eurosonic-Festival in Groningen: Georgia Barnes.

Foto: Paul Bergen / AFP

Groningen/Essen.  Wer hier vor ein paar Leuten auftritt, füllt vielleicht kurze Zeit später schon größere Hallen: der Talente-Wettbewerb Eurosonic in Groningen.

Es ist das jährliche Klassentreffen der europäischen Livemusik-Szene. Vom 15. bis zum 18. Januar fand in Groningen das Eurosonic Noorderslag (ESNS) statt, ein Festival für bisher noch nicht so ganz bekannte Musiker – und Leute, die diese später veranstalten oder vom Fleck weg engagieren. So wie Marcus Kalbitzer. Der Essener konzipiert und realisiert mit seiner Agentur „Kulturzentrale“ Projekte und Veranstaltungen, insbesondere im Bereich der Populärkultur. Der 48-Jährige ist unter anderem für das Booking in der Zeche Carl, beim Pfingst-Open-Air in Werden und beim Traumzeit-Festival in Duisburg verantwortlich.

Wir haben uns mit ihm über seine Eindrücke vom Eurosonic unterhalten.

Marcus Kalbitzer, welcher Act, den Sie gerade in Groningen gesehen haben, wird das nächste große Ding?

Marcus Kalbitzer: Großes Potenzial hat die Band Squid aus Brighton. Im Bereich Indie sind die schon in aller Munde und haben gerade das Vera, eine der vielen unfassbar guten Venues in Groningen, gerockt. Die würde ich gerne in die Zeche Carl oder zur Traumzeit lotsen, aber da haben auch andere Konzert-Booker schon den Finger drauf. Gerne würde ich auch Lewsberg, eine Schrammel-Folkrock-Band aus Rotterdam, verpflichten. Mal sehen, was sich alles so realisieren lässt...

Wie wichtig ist das Eurosonic für einen, sagen wir mal, Musikdienstleister, wie Sie?

Sehr wichtig! Neben den ganzen Auftritten ist das ESNS ja auch eine große Konferenz, auf der man sich zum Beispiel mit Künstleragenturen, zu denen man sonst nur per Mail Kontakt hat, mal persönlich austauschen kann. Für einen Booker wie mich ist zudem der Zeitpunkt so früh im Jahr ideal. Es ist noch etwas Zeit bis zur kommenden Festivalsaison und man kann daher den einen oder anderen Act, den man in Groningen live gesehen und für gut befunden hat, noch unter Vertrag nehmen.

In Groningen treten in der Regel Musiker auf, die noch kaum einer auf dem Schirm hat, insgesamt über 300 Künstler in 40 verschiedenen Locations. Wie halten Sie da den Überblick, wer für Sie interessant sein könnte?

Da bedarf es tatsächlich einer guten Planung. Ich suche mir anhand des Line-Ups vorher interessante Acts aus, die ich gerne sehen möchte. Außerdem tauscht man sich vor Ort mit Kollegen, Agenturen oder Musikjournalisten aus und holt sich da weitere Tipps. Ich habe jetzt an drei Abenden ungefähr 15 Acts gesehen und konnte mir so einen guten Überblick verschaffen, wie die Live-Performance ausschaut – darunter war auch ein gewisser Elijah Hewson.

Elijah wer?

Das ist der Sohn von Bono Vox. Der Frontmann von U2 heißt mit bürgerlichem Namen Paul Hewson. Elijah ist der Sänger der Band Inhaler und klingt stimmlich fast genauso wie seine Vater. Dua Lipa war übrigens 2016 beim Eurosonic, heute ist sie ein Weltstar. Aus den vielen kleinen Nischen, die das Festival aus meiner Sicht ja auch so interessant und sympathisch machen, gehen in Groningen also immer wieder Künstler hervor, die später voll durchstarten. Man muss sie eben nur früh genug entdecken.

Zum Vormerken: Der Termin für das nächste Eurosonic Norderslag steht bereits fest. Vom 13. bis zum 16. Januar trifft sich die Livemusik-Szene wieder in Groningen.

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