Strandgut-Ausstellungen

Hollywood auf Texel

Gilles van Mils-Museum ist eine kuriose Fundgrube.

Foto: Heiko Buschmann

Gilles van Mils-Museum ist eine kuriose Fundgrube. Foto: Heiko Buschmann

Oudeschild/Texel.   Was Frieslands Strandräuber so alles aus der Nordsee fischen

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Kippen aus „Hollywood“, Walknochen aus dem Polarmeer, Kleider aus Afrika und Flaschenpost von der ganzen Welt: An der Küste Texels mit seinen etwa 30 Kilometern Strand sammelt sich so einiges an, die interessantesten Stücke landen dann in den Händen der Jutters. So heißen die Sammler, deren Treiben von der Inselverwaltung stillschweigend geduldet wird, allerdings laut Gesetz eigentlich verboten ist. Weil es so viel ist und hinter fast jedem Fund eine spannende Geschichte steckt, gibt es auf Texel verschiedene Strandgut-Ausstellungen.

So auch im Kaap Skil Museum van Jutters & Zeelui in Oudeschild. Gilles van Mil kann zu den meisten Objekten etwas erzählen. Er ist gelernter Chemiker und Gerber, ist inzwischen aber oft als Fremdenführer im Einsatz. Das für seine innovative Architektur mehrfach preisgekrönten Haus beherbergt nicht nur einen über eine Million Euro teuren Nachbau „de Reede von Texel“, also des früheren Hafens, sondern im Hinterhof auch Gilles van Mils spektakuläre Strandgut-Sammlung. „Das Museum ist 1980, zur 200-Jahr-Feier des Hafens, eröffnet worden und seitdem immer weiter gewachsen“, berichtet der 68-Jährige.

400 Schiffwracks im Wattenmeer

Alles, was zeigenswert oder wiederverwertbar ist, können die Besucher hier bestaunen. Die Scheune mit seiner Ausstellung ist komplett aus Strandgut – inklusive des Dachs aus Holz und Ziegeln, der gesamten Außenwände und Sitzbänke im Innern. Wertvollere Dinge aber kommen drüben ins Haupthaus des Kaap Skil Museums, vor allem Funde aus den vielen Booten, die hier ihre letzte Reise angetreten haben. „Rund um Texel liegen etwa 400 Wracks im Wattenmeer, die meisten natürlich tief im Wasser. Da die See aber ja immer in Bewegung ist, sieht man plötzlich in einer Sandbank auch mal ein gekentertes Schiff“, nickt Gilles van Mil. „Das meiste kommt aus England – wegen der Strömung.“

Zirka 400 Jahre altes Kleid gefunden

Gold, Silber oder andere Schätze sind meistens nicht mehr an Bord – aber zum Beispiel ein wertvolles Kleidungsstück. Etwa drei Jahre ist es her, als die „Räuber“ in einem gestrandeten Schiff ein zirka 400 Jahre altes Kleid finden. Das seltene Teil wird zurzeit in Leeuwarden unter speziellen Bedingungen konserviert, ehe es hier in Oudeschild auf Texel ausgestellt werden soll.

Manches ist historisch bedeutsam, vieles vor allem Schrott, aber manches tatsächlich auch für die eigene Kasse wertvoll. „Wir haben vor einiger Zeit auf einer Sandbank zwischen Texel und Vlieland einen Container voller Zigaretten gefunden. Die meisten konnten wir weg schmeißen, weil sie nass waren, aber manche eben nicht. Die lagerten oben und waren noch trocken“, erzählt Gilles van Mil. „Die haben wir dann verkauft.“

Mehr Infos: www.kaapskil.nl

Einige Schachteln sind hingegen in einer Vitrine vor seiner Scheune im Hof des Kaap Skil Museums ausgestellt. Die Marke heißt so, wie die Story hinter ihrer Reise nach Texel lauten könnte: Hollywood.

Mehr Infos: www.kaapskil.nl (auch auf Deutsch)

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