Kunst

In Ruurlo gibt es Irrgärten, Wilderer und Weltverbesserer

Still ruht das Kasteel Ruurlo. Ein Besuch in dem beeindruckenden Schloss lohnt sich nicht nur für Kunstfreunde.

Still ruht das Kasteel Ruurlo. Ein Besuch in dem beeindruckenden Schloss lohnt sich nicht nur für Kunstfreunde.

Foto: Jutta Ingala

Ruurlo.   In Ruurlo wetteifern Kunst mit Natur und alte Geschichten mit neuer Gemütlichkeit. Das herrschaftliche Kasteel lädt zum Verweilen ein.

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Etwa 40 Kilometer nördlich von Emmerich, eingebettet in die Parklandschaft des Achterhoek, liegt Ruurlo. 8.000 Seelen zählt das Dorf, vielleicht etwas mehr oder auch weniger, und eine hohe Dichte an gemütlichen Cafés. Überhaupt ist der Achterhoek, der „hintere Winkel“ der Niederlande, voller versteckter Gemütlichkeit. Und von diesseits der Grenze betrachtet immer nur einen Katzensprung entfernt.

Rechts in die Dorfstraße einbiegen und am Café De Luifel erst einmal eine Pause einlegen. Das E-Bike noch schnell an die Ladestation. Perfekt! Mitten im Café, das wie eine alte Bibliothek eingerichtet ist, lädt eine im Lauf der Zeit blank polierte Holztafel ein, in bunter Runde Platz zu nehmen. „Gezellig“ würde man hier sagen. Übersetzen ist nicht nötig. Wir studieren die Karte. „Kaffee?“ „Ja, bitte!“, und dazu etwas Süßes. Die Wahl fällt auf Apfelkuchen. Natürlich. Außerdem auf eine Spezialität des Hauses: „Haselnussschaum“, eine Sünde aus Baiser, Sahne und Nusssplittern.

Während wir schlemmen, erzählt mir Ron von seiner Jugend im Dorf, von der Jagd mit dem Großvater, von Wilderern in den Wäldern. Und von Junker Bobby. Geboren 1907 als Robert Baron van Heeckeren van Kell, galt der Herr des Landguts De Veldhoek als gutmütiger Exzentriker. Verschlossen nach außen und doch immer offen für neue Ideen. Etwa um die Sicherheit für die Arbeiter in seinen Wäldern zu verbessern. Aber auch für globale Fragen. So reiste er von Ruurlo in die Welt, schon früh getrieben von der Frage wie man die wachsende Weltbevölkerung ernähren könne. Gelöst hat er sie nicht, aber liebevolle Erinnerungen im Gedächtnis der Ruurloer hinterlassen.

Die nahe Verwandtschaft des Junkers war sesshafter: Über 500 Jahre lang war Leben und Wirken der Familie van Heeckeren mit Ruurlo und seinem herrschaftlichen Schloss, unserem nächsten Ziel, verbunden.

Kunst im Kasteel

Vom Dorf aus ist es nur ein guter Kilometer zu Fuß. Ein schöner Spaziergang zwischen Wiesen linkerhand und einem Bach zur Rechten, der sich erstaunlich tief in die Landschaft gegraben hat. Ein prächtiges, schmiedeeisernes Tor flankiert den Eingang zum Park, der übrigens frei zugänglich ist. Vorbei geht es an einer hübschen Orangerie, heute Restaurant und Café, hinter deren Sprossenfenstern prächtige Kronleuchter ihr Licht verbreiten. Am Ende des gewundenen Pfads eine gläserne Brücke. Ich muss an Cinderella denken und Pantoffeln aus Kristall.

Kasteel Ruurlo ist quasi frisch renoviert. Nach der Ära derer van Heeckeren diente es einige Zeit als Rathaus und ist heute Dependance des Museums MORE. Ein gelungener Mix aus alter Substanz und hypermodernen Details. Wie der gläsernen Brücke. Allein das Gebäude ist sehenswert. Übrigens einst Schauplatz der Fernsehserie „Das Geheimnis des Siebten Weges“. Wer in den 80ern Teenager war, erinnert sich.

Nervenkitzel gibt es erst im Frühjahr

Nun beherbergt Kasteel Ruurlo die größte Sammlung von Werken des niederländischen Malers Carel Willink sowie eigenwillige Kreationen des Modeschöpfers Fong Leng. Willinks Muse und Frau Mathilde trägt sie auf zahlreichen seiner Gemälde. Die Sammlung ist klein und so sind wir bald wieder an der frischen Luft und im Schlosspark.

Jenseits davon liegt Hollands größtes Labyrinth, der Doolhof Ruurlo. Auf den mehr als einem Kilometer gewinkelter Pfade kann man sich verirren. Gestaltet für Sophie van Heeckeren vom französischen Landschaftsarchitekten Daniel Marot, der vielerorts in Holland seine Handschrift hinterlassen hat. Jetzt, in den Wintermonaten, sind die Hainbuchen im Labyrinth noch kahl. Schönen Nervenkitzel gibt es erst im Frühjahr, wenn die Hecken üppig begrünt sind.

Holzkunst und Popfestival

Der Weg zurück ins Dorf führt an hübschen Geschäften vorbei. Vieles erinnert an die Jagd, auch moderne Holzschnitzereien sind sehr präsent. „Schnitzen ist ein beliebter Zeitvertreib unter Jägern“, kommentiert Ron die Auslagen. Er muss es wissen. Noch ein kurzer Besuch im MAG Museum, wo kunstvolle Glas- und Keramikobjekte aus niederländischer Manufaktur der 1920er und 30er Jahren zu sehen sind.

Dann heißt es Abschied nehmen. Schließlich bin ich mit dem Rad unterwegs. Im Sommer komme ich wieder. Ins Labyrinth und zum Reurpop Festival mit Musik, Theater und gutem Essen.

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