Flüsterboot

Niederlande: Mit dem „Flüsterboot“ unterwegs auf der Vechte

Mit der Vechtezomp unterwegs. Das Flachbodenschiff ankert gerade vor der historischen Mühle in Laar. Da gibt’s Kaffee und Kuchen.

Mit der Vechtezomp unterwegs. Das Flachbodenschiff ankert gerade vor der historischen Mühle in Laar. Da gibt’s Kaffee und Kuchen.

Foto: Marketing Oost, Zwolle

Grenzüberschreitend.  Lautlos übers Wasser gleiten – mit der Vechtezomp ist das ein besonderer Spaß. Unser Tipp für einen grenzüberschreitenden Ausflug auf dem Wasser.

Man hört nix. Aber, stopp, doch. Es dauert eine kleine Weile, und dann hört man – alles! Das sanfte Plätschern der kleinen Wellen, die ausgelassen glucksend den Bootsrumpf kitzeln. Das leichte Säuseln des Windes, der sich am großen Mast vorbeischummelt und mit dem Wimpelchen on top schäkert. Vom Ufer aus gucken die niederländischen Schwarzbunten (die ein fleckenloses Hellbraun tragen) den tiefenentspannten „Kreuzfahrern“ hinterher.

Sogar Büffel wagen sich ans Ufer. Büffelmozarella – eine der Spezialitäten der Region… Unterwegs mit der Vechtezomp, dem „Flüsterboot“, auf der Vechte. Von NL nach D und zurück, genauer: von Gramsbergen nach Laar und zurück.

Wo die Vechte ins Ijsselmeer fließt

Die Vechte, ein 167 Kilometer langes Flüsschen, das offiziell noch zum Stromgebiet des Rheins gezählt wird, macht sich vom westlichen Münsterland und der Grafschaft Bentheim auf den Weg ins Zwarte Water (Overijssel) und mündet ins Ijsselmeer. Einst war das Flüsschen ein wichtiger Transportweg. Roggen, Bier, Leinen, Sandstein wurden mit der Zomp, dem Schiff mit dem superflachen Boden, transportiert.

Es heißt, dass die großen Brocken Sandstein, die für den Sockel der Freiheitsstatue in New York gebraucht wurden, ihre ersten Reise-Kilometer über die Vechte nahmen, festgeschnürt und vertaut auf einer Vechtezomp.

Nunja, Dönekes. Die haben alle Vechtezomp-Skipper drauf. Schiffsfreunde in Gramsbergen und in Laar haben die historischen Transportmittel ins Heute geholt. Originalnachgebaut und für Touristen praktikabel gemacht. 30 Personen passen an Bord – in Corona-Zeiten etwas weniger, aber man freut sich, dass die Vechtezomps nun wieder ablegen können.

Deutsche Gäste sind trotz Corona wieder willkommen

Gertrude van Keulen, Presseberaterin MarketingOost und Vechtdalmarketing, ist erleichtert, dass der Tourismus nun langsam wieder ins Rollen kommt in den Niederlanden . „Marketing Oost und die Region Vechtdal Overijssel heißen deutsche Gäste herzlich willkommen. Gemeinsam mit unseren touristischen Unternehmern tun wir alles, um einen sicheren Aufenthalt und Erholung zu gewährleisten“, sagt sie.

Wenn man von niederländischer Seite aus die Tour mit dem Flüsterbötchen startet – dass so heißt, weil es mit einem schweigenden Elektromotor ausgestattet ist – kann man das wunderbar mit einer Bierverkostung verbinden. Denn die Liegestelle der Vechtezomp NL ist, sehr praktisch, gleich vor den Toren der kleinen Brauerei „De Mommeriete“ in Gramsbergen. Die ist natürlich auch Schiffercafé.

Bierverkostung im „Mommeriete“

Carina und Gert Kelder waren verrückt genug, die Gaststätte aus dem Jahr 1857 zu kaufen und eine moderne Brauerei hineinzubauen. Mit großer Terrasse direkt an der Vechte, das Bootshaus der Zomp ist nur einen Steinwurf weit weg. Sehr praktisch.

Von Gramsbergen aus schippert man also sehr gemütlich Richtung Laar, Deutschland. Wenn der Skipper die große Glocke läutet, wissen Sie: Die Grenze ist überschritten. An der historischen Mühle in Laar gibt’s Kaffee und Kuchen – dann heißt es wieder retour.

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Das Besondere: Die Niederländer haben ihre Vechtezomp barrierefrei gebaut, Heißt: Rollstuhl- und Rollatorfahrer werden mittels einer kleinen Hebevorrichtung (wie ein Aufzug) an Bord gebracht – zwei Rollstuhlplätze gibt es an Bord. Die deutsche Zomp hat diesen Service leider noch nicht. Üblicherweise dauert so eine Tour mit der Vechtezomp etwa zwei Stunden – in normalen Sommer-Zeiten gleitet die Elektro-Schaluppe täglich über die Grenze – in Corona-Zeiten ist das ein bisschen anders.

Barrierefrei: Zwei Rollstuhlplätze an Bord der Vechtezomp

Also vor der Anreise erst mal auf die Internetseite schauen beziehungsweise vorher anrufen, ob alles wie geplant stattfinden kann und ob noch Plätze an Bord frei sind.

Und wenn Sie dann schon mal in Gramsbergen sind – ein Bummel durch das historische Städtchen lohnt sich. Das schnuckelige Heimatmuseum, das mit ganz viel Liebe und Heimatfreude ehrenamtlich betrieben wird, hat in dieser Saison aufgrund der Corona-Krise leider geschlossen.

Infos zur Vechtezomp Gramsbergen

00 31-6 10 25 86 30.

Gramsbergen ist erreichbar über die A 31, Richtung Enschede / Hengelo / Almelo. Fahrtzeit vom Niederrhein aus (Moers): etwa zweieinhalb Stunden. Tipp: Im Vechtetal lässt sich prima campen – auf einem Bauernhof, einem Naturcampingplatz oder gar schick und ein bisschen glamourös als „Glamping“, www.marketingoost.nl

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