Kasteel Slangenburg

Von Mönchen, Schlangen und Schlössern

Still ruht das Kasteel Slangenburg. Doch wehe es wird dunkel hier bei Doetinchem...

Still ruht das Kasteel Slangenburg. Doch wehe es wird dunkel hier bei Doetinchem...

Foto: Jutta Ingala

Doetinchem.   Etwas außerhalb von Doetinchem, rund 20 Kilometer nördlich von Emmerich, scheint die Zeit still zu stehen. Es ist ein wahrlich gruseliger Ort...

Versteckt in einem Waldgebiet, umgeben von breiten, prächtigen Alleen, liegt Kasteel Slangenburg. Ein barockes Schlösschen mit mittelalterlichen Wurzeln und höchst wechselvoller Geschichte: einst Rittergut, dann romantisches Herrenhaus, Anwesen eines Stahlindustriellen und schließlich Herberge von Benediktinermönchen. Die haben den Mauern dann auch dauerhaft etwas von ihrem Geist eingehaucht. Wer heute Ruhe und Besinnung sucht, kann als Gast für ein paar Tage oder auch mehr auf Slangenburg logieren.

Schaurig schön: die Schlangenburg

Das Gebiet, auf dem Maes van Baer um 1354 seine Burg errichtete, war alles andere als geeignet für den Bau: ziemlich morastig nämlich. Randgebiet der noch heute existierenden, von seltener Flora und Fauna charakterisierten Heide- und Moorlandschaft entlang der deutsch-niederländischen Grenze. Dem Umstand hat Kasteel Slangenburg – zu Deutsch „Schlangenburg“ – möglicherweise auch seinen ungewöhnlichen Namen zu verdanken. Immerhin kreucht und fleucht für gewöhnlich allerlei Lurchgetier in sumpfigem Grund. Ob es hier tatsächlich einmal Schlangen gegeben hat, weiß natürlich niemand mehr so ganz genau. Doch der Gedanke ist einfach so schaurig schön.

Heute liegt das Gebiet trocken, ist üppig bewaldet und in der Region bekannt für seine imposanten Eichen- und Buchenalleen. Seit dreihundert Jahren stehen die meisten der Baumriesen hier. Mehrere leicht begehbare Wege für zwei- bis dreistündige Wanderungen führen vom Schloss weg. Im Sommer und Herbst unter malerischen Blätterkronen, im Winter mit Blick auf das Wild in den umliegenden Gehegen. Einer der Pfade führt in die nahe Benediktinerabtei St. Willibrord, wo nur eine Hand voll Mönche lebt und arbeitet. Die Benediktiner, einst Bewohner des benachbarten Schlosses, bewirtschaften ihr Land selbst. Und erzielen auch über andere Aktivitäten, beispielsweise ihre Buchbinderei, Einkünfte. Wer also ein altes Buch neu oder eine Sammlung loser Briefe hübsch binden lassen möchte, findet unter den Brüdern kundige Ansprechpartner. Auch als Gast ist man hier willkommen: Zu einer mehrtägigen Einkehr mit Zen-Meditation im umgebauten Bauernhof oder spontan während einer der täglichen Andachten in der schlichten Kapelle.

Ort der Stille

Weniger Spiritualität, jedoch ebenso viel Ruhe und Abgeschiedenheit verspricht ein Aufenthalt im Schloss. 18 historisch eingerichtete Zimmer mit so sprechenden Namen wie „Abendrot“ oder „Aufgehende Sonne“ bieten ein Refugium auf Zeit. Für diejenigen unter uns, die einmal ohne Handy und Social Media sein – Internet gibt es nur in der Bibliothek – und einfach den Moment genießen möchten: Viel lesen, an einem Buch arbeiten, etwas Neues lernen oder sich mit den anderen Gästen unterhalten. Geistiger und emotionaler Detox. Verzichten muss man hier dennoch auf nichts: Denn zeitgenössischer Komfort hat natürlich auch im Kasteel Slangenburg Einzug gehalten. Noch dazu wird man ganz vortrefflich bekocht. Was auf den Teller kommt ist regional und frisch. Gespeist wird gemeinsam: gesellig an einer langen Tafel.

Auf einen Kaffee ins Kutschhaus

Wem auch das zu viel Abgeschiedenheit ist, der bleibt einfach für die Dauer eines Spaziergangs oder einer Radtour, kehrt anschließend ein im alten Kutschhaus, das sich in eine Ecke des Schlosshofes schmiegt, macht es sich unter funkelnden Kronleuchtern in einem der alten, plüschigen Sessel gemütlich und wärmt sich an duftendem Kaffee.

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