Der Kaiser in den Niederlanden

Der letzte deutsche Kaiser ruht in Doorn in den Niederlanden

Gemach, gemach! Hier bettete sich Wilhelm, der letzte deutsche Kaiser – und zwar in seinem Exil im niederländischen Hoorn.

Gemach, gemach! Hier bettete sich Wilhelm, der letzte deutsche Kaiser – und zwar in seinem Exil im niederländischen Hoorn.

Foto: Heiko Buschmann / nrz

Doorn.  Wem gehört das Vermächtnis der Hohenzollern? Die Ruhe des letzten deutschen Kaisers wird gestört – über 600 Kilometer von Berlin entfernt.

Wenn er das hören könnte, was sich gerade in seiner Heimat Deutschland abspielt, würde sich der alte Wilhelm wohl in seinem Grab umdrehen. Über 600 Kilometer von Berlin entfernt, wo der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen einst residierte, liegen seine sterblichen Reste in einem Mausoleum – in Doorn in den Niederlanden. Hier, in der Nähe von Utrecht, gewährte ihm Königin Wilhelmina nach dem Ende des ersten Weltkriegs Asyl, ehe Wilhelm II. am 4. Juni 1941 das Zeitliche segnete.

Fast acht Jahrzehnte später hat der Zank um das kaiserliche Vermächtnis einen traurigen Höhepunkt erreicht. Georg Friedrich Prinz von Preußen ist es, der die Geschichte neu aufrollt und einen erbitterten Rechtsstreit mit dem Bund sowie den Ländern Brandenburg und Berlin ausfechtet. Der 43-Jährige ist der Ururenkel des Kaisers und versucht nun schon seit einigen Jahren, mit juristischen Mitteln seine Ansprüche durchzusetzen. Es geht unter anderem darum, wem die prunkvollen Häuser wie Schloss Cecilienhof in Potsdam oder Burg Rheinfels in St. Goar und zehntausende wertvolle (Kunst-) Objekte eigentlich zustehen – der Öffentlichkeit oder dem Haus Hohenzollern.

Komplizierte Rechtslage

Die Rechtslage ist allerdings ein bisschen kompliziert, auch wenn die hoheitliche Familie in jüngster Zeit bereits einige Niederlagen vor Gericht einstecken musste. Nachdem der kaiserliche Besitz von Wilhelm II. 1918 durch die junge Weimarer Republik beschlagnahmt worden war – wogegen sich die Hohenzollern bald darauf wehrten – schloss das Land Preußen 1926 mit den Hohenzollern einen Vergleich. Das Adelshaus erhielt einen Großteil der Schlösser und zahlreiche Landgüter zurück – unter anderem den Cecilienhof in Potsdam, wo Prinz Georg Friedrich jetzt gerne wohnen würde.

1945, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, befand sich nun der größte Teil der Hohenzollerngüter und Besitztümer auf dem Hoheitsgebiet der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR – so wurde die kaiserliche Familie abermals enteignet. Der Einigungsvertrag zwischen BRD und DDR von 1990 erkannte schließlich die Enteignungen von Grund und Boden sowie Häusern zwar als unrechtmäßig an, nicht aber die Enteignung von Inventar. Dieses sowie eine Entschädigung für die Enteignung stehe der Hohenzollern-Familie und den Erben daher grundsätzlich zu.

Die meisten Objekte befinden sich in öffentlicher Hand, etwa im Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Gut ein Dutzend Museen, Archive und Bibliotheken fürchten nun um ihre Zukunft. Samuel Wittwer, Direktor in der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten, sagte gegenüber dem „Spiegel“, das Berliner Jagdschloss Grunewald und der Neue Pavillon im Park von Schloss Charlottenburg müssten schließen, wenn die Hohenzollern das bekämen, was sie verlangen.

Alles ruhig im Huis Doorn

Doch wie sieht es in den Niederlanden aus, wo der letzte deutsche Kaiser das letzte Drittel seines Lebens weitestgehend gut gehen lassen konnte? „Uns betrifft das nicht“, heißt es am Landgut Huis Doorn.

Nach dem Ende der Monarchie in Deutschland, lässt sich Wilhelm II. ein paar Einrichtungsgegenstände aus seinen vorherigen Amtssitzen bringen, insgesamt rattern 58 Waggons aus Berlin und Potsdam in die Provinz Utrecht. Ein Teil dessen – Möbel, Kunstwerke oder Geschirr – ist noch heute zu besichtigen, denn seit 1951 ist das einst preußische Schloss ein Museum. Nicht nur Freunde der Monarchie kommen seitdem hierher, um sich Originalgegenstände aus der Zeit des letzten deutschen Kaisers in seinem Exil anzuschauen. Auch das Sterbebett im Ruhezimmer, das 50 Jahre nach seinem Tod an Lungenkrebs zunächst unberührt blieb, ist für Neugierige inzwischen geöffnet.

„Wir haben etwa 60.000 Besucher pro Jahr, darunter fünf bis zehn Prozent aus Deutschland“, verrät Frank Louhenapessy, der Direktor des Museums in Doorn.

200 Freiwillige, sechs Festangestellte

Er ist einer von nur sechs fest angestellten Mitarbeitern im Huis Doorn, den Betrieb aufrecht erhalten vor allem die 200 Freiwilligen. Sie pflegen den weitläufigen Park oder geben Führungen – eine Minute zum Innehalten am kaiserlichen Mausoleum darf nicht fehlen. Ohne den Einsatz der Ehrenamtler würde das oft an Unterfinanzierung leidende Landgut kaum noch existieren.

Museum Huis Doorn und Pavillon „Die Niederlande und der erste Weltkrieg“, Langbroekerweg 10, 3941 MT Doorn; Öffnungszeiten: Di - So von 13 - 17 Uhr; Eintrittspreise Museum: Erwachsene 12, Kinder ab 7 Jahren 6 Euro (Inhaber Museumskarte: 6 Euro), Pavillon: 6/3 Euro.

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