Mama und Kind unterwegs

Technik-Detox im anderen Holland

Der dreijährige Vincent testet die Kunstfiguren in der

Der dreijährige Vincent testet die Kunstfiguren in der

Foto: Ursula Weber

Gelderland.   Spielen und Entdecken? So heißt die erste Station unseres zweitägigen Kurztrips in die niederländische Grenzprovinz Gelderland.

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Spielen und Entdecken? Ist das nicht das Lebensmotto aller (Klein-)Kinder? Nicht nur. Denn tatsächlich heißt so auch die erste Station unseres zweitägigen Kurztrips in die niederländische Grenzprovinz Gelderland: Die „Spelerij Uitvinderij“ im idyllischen Dieren. Gemeinsam mit Sohn Vincent (drei Jahre alt) bestaune ich den Weg in den Spiel- und Erlebnispark mit seinen knallbunt lackierten Kunstfiguren. Es ist offensichtlich: Das hier ist irgendwie anders. Gut, dass uns Matthijs Spanbroek, Sohn des Künstlers Jos Spanbroek, der das ausgefallene Konzept der Spelerij Uitvinderij entwickelt hat, auf unserer Entdeckungsreise begleitet.

Jenseits von iPad und Smartphone

Moderne Technik? Fehlanzeige. Tatsächlich darf und muss in der Spelerij Uitvinderij alles selbst bewegt werden. Denn getreu seinem Motto „Da müssen Kinder dann auch was mit anfangen können“, sind Spanbroeks Kunstwerke aus recycelten Altmetallteilen allesamt bespielbar. Und so werden wir in seinem Outdoor-Atelier aktiv: Setzen gigantische Radkonstruktionen mit Fahrradpedalen in Bewegung. Geben ein Mini-Konzert auf einer Treppe aus Autoreifen. Und bedienen mit Rädern und Hebeln einen riesigen Kran.

Matthijs macht uns auf weitere Besonderheiten aufmerksam – darunter ein Wasserspiel, das sich über Hebel selbst gestalten lässt und sogar Klänge erzeugen kann. Und natürlich zeigt er uns auch die „Uitvinderij“. Eine Art Riesenwerkstatt, in der Kinder und Erwachsene unter Anleitung mit echten Maschinen werkeln und schweißen, hämmern, färben, sägen. „Mama, ich muss noch eben arbeiten“, erklärt Vincent und stanzt konzentriert weiter Buchstaben in Pappe.

Gegen Mittag machen wir uns wieder auf den Weg. Die zweite Station unseres Kurztrips führt uns in den Nationalpark Veluwezoom. Durch das moderne Besucherzentrum gelangen wir zu Veluwe Actief. Hier empfängt uns Peter Oversteegen, unser Guide für eine radelnde Entdeckungstour durch den Nationalpark. Nach einem Abstecher ins schöne, ans Besucherzentrum angeschlossene Restaurant schwingen wir uns in Sättel und Fahrradkarre und starten bei strahlendem Sonnenschein unsere Tour. Und während weitläufige Heidelandschaften, Sandflächen und Grasebenen an uns vorbeiziehen, erzählt Peter uns von „seinem“ Nationalpark. Gegründet 1934, ist der Veluwezoom der älteste Nationalpark der Niederlande. Getragen wird er von einem Verein mit etwa 600 000 Mitgliedern – ein erstaunliches Verwaltungskonstrukt. „Na ja, wenn viele das Gleiche wollen, dann können sie halt echt was bewegen“, sagt er. Der Eintritt in den Veluwezoom ist frei.

Unterwegs kann ich nachvollziehen, was Menschen dazu bewegt, sich für diesen Nationalpark einzusetzen. Die hügelige Landschaft leuchtet in satten Grün-, Braun- und Fliedertönen. Wir erspähen einen friedlich grasenden Rehbock und erreichen kurz darauf ein kleines Dörfchen. Der Veluwezoom ist kein abgeschlossener Nationalpark, das Gebiet umfasst auch kleinere Ortschaften. Vor einer Bäckerei hält Peter an. Er beugt sich zur Fahrradkarre herunter: „Vincent, kannst du die Bäckerin nach Kruimeltjes fragen?“ Große Augen beim Filius, dann ein Nicken. Ich bleibe bei den Rädern. Kurz darauf kommen die beiden mit einer Plastiktüte zurück. Das Rätsel um den Kruimeltjes-Beutel wird gelöst, als Peter unseren nächsten Zwischenstopp an der Gracht des imposanten Schloss Middachten einlegt: Unzählige Karpfen schwimmen vor der Kulisse des Wasserschlosses. Und dann heißt es Brotkrumen streuen, so schnell die kleinen Hände können.

Träumen im Traumpark

Für die Nacht quartieren wir uns im nahegelegenen Droompark De Zanding ein. Ein Badesee und unterschiedlichste Häuser – spitz oder flach, mit Dachterrasse oder Gartenfläche, am Wasser oder im Schatten dichter Bäume – lassen sich bereits erspähen. Uns erwartet ein Studio SL: Eine Terrasse, ein geräumiges Doppelzimmer mit Whirlpool und ein modernes Bad gehören uns alleine. Über eine abschließbare Türe erreichen wir die Gemeinschaftsküche und das Ess-/Wohnzimmer, das sich vier Studios teilen.

Wir aber haben keine Lust zu kochen und begeben uns nach einem erfrischenden Abstecher in den Badesee zum Restaurant „Aan het Strand“. Nach einer späten und spaßigen Waschprozedur in der „Blubberwanne“ quatschen wir uns in den Schlaf, während draußen der Wind in den Bäumen rauscht.

„Mama, die klingt wie Emma aus Jim Knopf.“

Nach dem Frühstück mit ofenwarmen Brötchen aus dem Droompark-Shop machen wir uns wieder auf den Weg, um einen Kindertraum wahrwerden zu lassen: Wir fahren mit einer echten Dampflok. Schon der Besuch am Bahnhof in Beekbergen, von dem aus die Stiftung „De Veluwsche Stoomtrein Maatschappij“ noch ganze neun Dampfloks im Einsatz hat, lohnt sich – ich komme mir vor, als wäre ich in den 50er Jahren gelandet, während Vincent sein Glück beim Erkunden der alten Loks nicht fassen kann.

Endlich fährt die Dampflok, mit der wir uns nach Apeldoorn chauffieren lassen, dampfend und ratternd ein. Wir suchen uns in dem nostalgischen Waggon einen Platz und freuen uns, als Peter Esseling, der heutige Zugführer, sich zu uns setzt: Ob Schaffner, Fahrkartenkontrolleur oder Stationsvorsteher – alle ehrenamtlichen Helfer, die uns auf diese Zeitreise mitnehmen, sind stilecht gekleidet. Schaukelnd und pfeifend setzt sich die Dampflok, eine der letzten, die in den 60er Jahren in der DDR gebaut wurde, in Bewegung. „Wir haben viele deutsche Loks im Einsatz“, erzählt Esseling. „Wir sind sowas wie das westlichste Bahnbetriebswerk Deutschlands“, ergänzt er lächelnd. Die älteste Rangierlok, die gerade restauriert wird, stammt aus dem Jahr 1926, berichtet er weiter. Vincent hängt sich derweil aus dem Fenster, imitiert das Pfeifen an den Bahnübergängen und winkt Passanten zu. In Apeldoorn haben wir eine halbe Stunde Aufenthalt – die Lok muss gedreht werden.

Nix da Achterbahn!

Wieder in Beekbergen angekommen, steuern wir das letzte Ziel auf unserer Zeit-zu-Zweit-Reise an. Der Spiel- und Vergnügungspark „Kinderparadijs Malkenschoten“ in Apeldoorn wartet darauf, erkundet zu werden. Wer jetzt an Achterbahnen und Karussells denkt, irrt: Malkenschoten punktet mit nostalgischem Kinderspaß, zahmen Tieren und jede Menge Bewegungsangeboten. Am Eingang leihen wir uns für zwei EURO Pfand ein Dreirad, denn das gepflegte Gelände ist weitläufig. Eine Runde Tierfutter zapfen, Ziegen streicheln und ein kurzes Training im Kuhmelken später, lassen wir den „Kinderbauernhof“ hinter uns.

Wir wagen uns auf Sprungkissen, testen einen schönen großen Holzspielplatz und fahren Seilbahn über einen kleinen Bachlauf. Unterwegs holen wir unseren Picknickkorb ab und entscheiden uns für ein „Wasserpicknick“. Mit dem Tretboot geht es auf den See – und wir stärken uns für die gigantische Kletterrutsche und eine abschließende Dreirad-Runde auf dem Verkehrsübungsplatz, bevor wir die Heimfahrt antreten. Und die verläuft ganz ohne Sind-wir-bald-da-Fragen. Das Kind schläft.

Adressen und weitere Infos: De Spelerij Uitvinderij: Veldweg 5, 6952 GX Dieren / https://www.visitveluwe.de/die-spelerij-uitvinderij

Veluwe Actief Oversteegen und Brasserie Veluwezoom: Veluwetransferium Posbank, Heuvenseweg 5 A, 6991 JE Rheden

https://veluweactief.nl/ und https://www.brasserieveluwezoom.nl/

Paviljoen De Posbank: Beekhuizenseweg 1, 6991 JM Rheden

https://www.paviljoendeposbank.nl/

Droompark De Zanding: Vijverlaan 1, 6731 CK Otterlo

https://www.roompot.de/ferienparks/niederlande/gelderland/droompark-de-zanding/

Veluwsche Stoomtrein: Dorpstraat 140, 7361 AZ Beekbergen

https://www.visitveluwe.de/veluwsche-stoomtrein-maatschappij

Kinderparadijs Malkenschoten: Dubbelbeek 4, 7333 NL Apeldoorn

https://www.visitveluwe.de/kinderparadijs-malkenschoten

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