Geschichte

Terschelling und die Deutschen

550 Bunker gibt es insgesamt auf Terschelling, allein 100 in der im Wald gelegenen Stellung Tiger.

Foto: H. Buschmann

550 Bunker gibt es insgesamt auf Terschelling, allein 100 in der im Wald gelegenen Stellung Tiger. Foto: H. Buschmann

Terschelling.   Die Bunkerstellung Tiger erzählt die Geschichte vom zweiten Weltkrieg

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Es muss nicht immer Texel sein! Das sagen die Tourismusbüros in Terschelling und Vlieland sofort, wenn es um deutsche Urlauber und ihre Vorlieben für die nordfriesischen Inseln in den Niederlanden geht. Während die „Schafsinsel“ beim Nachbarn fast ganzjährig beliebt ist – natürlich vor allem im Sommer – machen Deutsche auf Terschelling und Vlieland nur ein Bruchteil der Feriengäste aus. Die meisten kommen aus: der Niederlande selbst, eben vom Festland.

Den westlichsten Punkt der Niederlande eingenommen

Diese interessieren sich hier immer mehr auch für einen Teil der Geschichte, der von den Deutschen bestimmt wurde und die unrühmlichste Zeit in der lange schwierigen Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern ausmacht: natürlich den zweiten Weltkrieg. Als Hitlers Truppen ab 1940 über die Grenze einmarschieren, nehmen sie irgendwann auch den westlichsten Punkt der Niederlande ein: die friesischen Inseln. Auf Terschelling ist das damalige Treiben der Wehrmacht heute wieder erlebbar – dank Menschen wie Jaap Spits.

Der 70-Jährige ist hier eine andere Art von Fremdenführer, er gehört zu den über 60 ehrenamtlichen Leuten der „Bunkerbehoud Terschelling“. Als der frühere Elektriker in Pension gehört, kramt er im dunkelsten Kapitel der deutsch-niederländischen Geschichte. „Mein Vater hat mir viel vom Krieg, und wie er auf Terschelling ablief, erzählt“, sagt Jaap Spits. Er und seine Mitstreiter richten seitdem die Bunkerstelling Tiger, nicht weit vom Hafen entfernt, für Exkursionen wieder her. „In diesem Jahr hatten wir schon 8000 Teilnehmer“, nickt Jaap Spits.

550 Bunker gibt es insgesamt auf Terschelling

550 Bunker gibt es insgesamt auf Terschelling, allein 100 in der im Wald gelegenen Stellung Tiger. Ende 1940 fangen die deutschen Besetzer und ihre niederländischen Zwangsarbeiter hier und in den Dünen zu graben, um sich vor den Luftangriffen der Alliierten, in erster Linie der englischen Luftwaffe zu schützen. Von einem Bunker in den Dünen von Westterschelling blickt man direkt auf Vlieland. „Als der Krieg tobte, hat ein deutscher Soldat meinen Vater gefragt: Ist das da drüben England?“, berichtet Jaap Spits und erzählt weiter: „Mein Vater hat geantwortet: Ja, du kannst eigentlich rüber laufen, aber deine Stiefel sind nicht hoch genug.“

Vielleicht war die deutsche Besatzung und der Krieg ja mit ein wenig Humor – es muss ja nicht zwingend englischer Humor sein – noch am besten zu ertragen. Im größten Bunker, 20 mal 20 Meter groß und mit einer über zwei Meter dicken Steindecke, haben Jaap Spits und seine Kollegen vom Bunkerbehoud so gut, wie es aus Erzählungen, mit früheren Zeichnungen und Fotos ging, die damalige deutsche Einsatzzentrale rekonstruiert. Ein sehenswerter Ort, trotz aller Beklemmungen über die Dinge, die hier vor mehr als einem Dreivierteljahrhundert passiert sind.

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