Zu Besuch im Norden

Von der Salzwiese in den Kochtopf

Janet Frielling hält ein Blatt der Salzmelde in der Hand.

Janet Frielling hält ein Blatt der Salzmelde in der Hand.

Foto: Nina Meise

Eemsmond.   Im Norden der Niederlande bei Groningen finden Besucher erstaunliches vor: Salzwiesen, so weit das Auge reicht. Wir waren vor Ort.

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Eine endlos erscheinende Weite erstreckt sich vor den Augen der Besucher der Salzwiese von Noordpolderzijl, einem Weiler in der Gemeinde Eemsmond in Groningen. Der Geruch von Fisch, Salz und frischen Kräutern liegt in der Luft. Kein Wunder, denn: „Hier wachsen circa 250 Pflanzenarten“, sagt Janet Frielling, die Besucher oft über die Salzwiese führt. Über 34 Kilometer, von Lauwersmeer bis Eemshaven, erstreckt sich die salzige Fläche. Lässt man den Blick über das Grün schweifen, erkennt man Vertiefungen an einigen Stellen im Boden. „In die tiefen Stellen läuft das Wassere hinein, dort wachsen also nur Pflanzen, die viel Salz aushalten können“, erklärt Frielling.

Um ein Beispiel einer solchen Pflanze zu zeigen, holt sie ein dunkelgrünes, plastikähnliches und sehr dünnes Stück Pflanze aus ihrer Tasche. „Das ist getrocknetes Seegras“, sagt sie. Gerade das dunkle Seegras enthalte viel Jod, Mineralien, Magnesium und Vitamin C. „Wenn man die ganze Zeit müde ist oder viel schwitzen muss, hilft es, Seegras zu sich zu nehmen.“

Frielling nutzt es, um mit Joghurt und Zitrone gemischt, eine Salatsoße zuzubereiten. „Mein Mann und ich führen seit sieben Jahren Touren auf einem Boot für Touristen durch. Und da versuche ich auch immer mit Lebensmitteln zu kochen, die von hier stammen“, erklärt sie. Damit möchte Frielling auch „den Menschen zeigen, wie sie gesünder leben können, mit Lebensmitteln, die direkt vor ihrer Nase sind. Das hier ist nämlich nicht einfach nur grünes Gras.“

Im Gegensatz zu anderen Orten in den Niederlanden, ist es in Groningen erlaubt, Pflanzen von der Salzwiese zu sammeln. „Zwar nicht in großen Mengen aber hier und da mal ein bisschen was pflücken ist okay“, sagt Frielling. Dabei sei nur darauf zu achten, dass die Pflanzen abgeschnitten und nicht abgezupft werden. „Die Pflanzen haben sehr dünne Wurzeln, die, wenn man daran zieht, herausgerissen werden würden.“

Pflanzenfett aus Salzmelde

Dann entdeckt sie ein dreieckförmiges Gewächs auf dem Boden, dessen Oberfläche sich wie Leder anfühlt: „Das ist die Salzmelde. Sie gehört zur Familie des Spinats.“ Wird die Pflanze mit Hilfe eines Mörsers zerrieben, werde Pflanzenfett gewonnen, erklärt Frielling. „Das hat man ganz früher oft in den Leichen von Menschen gefunden. Wahrscheinlich haben sie das Pflanzenfett oft zum Kochen gebraucht“, vermutet sie und erzählt, dass auch sie das Gewächs zum braten verwendet. „Man dünstet damit Gemüse, würzt es mit Knoblauch und Zitrone und serviert es mit Reis. Das schmeckt einfach köstlich.“ Aber nicht nur Herzhaftes lässt sich mit den Pflanzen der Salzwiese herstellen: „Den Blasenseetang mische ich in Form von Puder in selbstgemachte Bitterschokolade“, schwärmt Janet Freilling.

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