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Wo Zwerge und Esel den Weg weisen

Unterwegs in der Veluwe – es ist grün, ruhig und sehr idyllisch. Fotos:Ursula Weber

Unterwegs in der Veluwe – es ist grün, ruhig und sehr idyllisch. Fotos:Ursula Weber

Ruurlo.   Im letzten Teil unserer Serie „Das andere Holland“ sind die Holland-Reporter mit Kleinkind auf Wanderschaft gegangen

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Die Holland-Reporter haben Zuwachs bekommen: Vincent, zweieinhalb Jahre alt und am liebsten in Gummistiefeln draußen unterwegs, ist unser Begleiter auf der letzten Tour durch Gelderland. Mit gutem Grund: Wir testen Wanderangebote, die auch mit Kleinkindern im Schlepptau gut zu bewältigen sind.

Mit Zwergenmütze auf zur Wouter-Winzig-Wanderung

Unweit der deutsch-niederländischen Grenze, im Städtchen Ruurlo in der Region Achterhoek, erreichen wir unsere erste Station: die „Pannenkoekenboerderij De Heikamp“. Direkt vor dem Restaurant, das früher einmal ein Bauernhof war, müssen wir ungeplant stoppen, denn ein riesengroßer Spielplatz hat das Interesse unseres kleinen Wanderbegleiters geweckt. Nachdem Rutschen und Klettergerüst getestet wurden, geht es los zur ersten Wanderung: Vincent wird mit einer roten Zwergenmütze ausgestattet, wir mit einem kleinen Routenbüchlein, und Bert van Zijtveld, der Eigentümer des Pfannkuchenrestaurants, weist uns noch kurz den Weg zum ersten Zwergenpfahl.

Der „Wouter-Winzig-Pfad“ führt uns gute anderthalb Stunden lang durch den Wald. Für Vincent ist vor allem das Erspähen der Zwergenpfähle spannend, an denen immer kleine Aufgaben auf uns warten. Zurück am Restaurant begegnen uns auf Schritt und Tritt Leute in Klettergurten – der Waldklettergarten Achterhoek grenzt ebenfalls an das Gelände von „De Heikamp“. Das Restaurant ist einer von vielen touristischen Orientierungspunkten, den sogenannten TOPs, an denen unterschiedliche Aktivrouten starten. In der Nähe befindet sich beispielsweise auch ein Wald-Labyrinth. Aber für all das muss unser jüngster Reisebegleiter erst noch ein wenig wachsen.

Eine Wanderung unter die Erde

Vincent hat die Autofahrt von Ruurlo zum Nationalpark „De Hoge Veluwe“ für ein Schläfchen genutzt. Im Spurt legt er den Weg vom Parkplatz zu dem großen Platz, an dem sich das Besucherzentrum, ein Restaurant und eine der Stationen mit den kostenlosen weißen Fahrrädern befinden, zurück. An den Picknicktischen in der Mitte des Platzes sitzen rastende Wanderer, eine Familie bricht gerade zur Radtour auf und wieder andere Besucher begeben sich – wie wir auch – ins „Bezoekerscentrum“. In dem modernen Gebäude befindet sich das „Museonder“, das wir erkunden wollen. Ein tunnelartiger Gang führt in die Tiefe. Am Ende des Tunnels beginnt die unterirdische Ausstellung. Und hier gibt es jede Menge zu

lernen: Wie leben Tiere unter der Erde? Wie sieht eine Baumwurzel von unten aus? Wie fühlt sich eine tektonische Verschiebung an? Vincent gewöhnt sich schnell an das dämmrige Licht und bestaunt einen Fuchs, der aus seinem unterirdischen Bau schaut, ebenso wie die unter einer gigantischen Glasplatte befindliche Ausgrabungsstelle oder den beweglichen großen Käfernachbau. Nach einer guten Stunde unter der Erde geht’s zurück ins Sonnenlicht. Der herrliche Herbstnachmittag verleitet uns noch zu einem Abstecher auf den weitläufigen Naturspielplatz. Danach schnappen wir uns unseren ermüdeten Wanderer und machen uns auf den Weg zu unserer Unterkunft.

Schlafen im Baumstamm

Für unsere Übernachtung haben wir eine besonders naturnahe Unterkunft ausgesucht: Auf dem „Veluwecampingplatz De Pampel“ in Hoenderloo checken wir in „Baumstämmen“ ein. Die runden Gebäude sehen tatsächlich ein wenig aus wie eine Baumscheibe und begeistern Vincent vor allem mit dem über die gesamte Breite gehenden Bett. Einmal erklettert, wird das Bett zur Hüpfburg, während wir noch die Bettdecken beziehen. Doch Frischluft macht müde und so verbringen wir untermalt vom Blätterrauschen eine erholsame Nacht in unseren Baumstämmen.

Don, unser Esel

Am nächsten Morgen schrecken wir beim Verlassen unseres Baumstamms eine kleine Maus auf, die auf der Terrasse vor sich hinwuselt. Entgegen der Wettervorhersage vertreibt die Sonne bereits den Morgendunst, der über der Veluwe liegt, und so brechen wir zügig Richtung Epe auf. Die Häuser werden seltener, die Landschaft idyllischer. Endlich erreichen wir den Kinderbauernhof „De Koperen Ezel“.

Wir lassen das bunte Angebot aus Spielplatz und Seilbahn, Hüpfburg, Kleintierzoo und Snackbar hinter uns und begeben uns auf direktem Weg mit Tierpfleger Stephan Oude-sluies zur Eselsweide. Das lauteste „I-ah“ kommt von Vincent, der in Regenmontur voraus rennt, während 46 Esel in unsere Richtung blicken. Unser tierischer Begleiter für den heutigen Tag heißt Don. Er wird mit zwei Körben beladen, in denen sich bereits ein Picknickpaket und eine Routenübersicht für uns befinden. Nach einer kurzen Einweisung geht es los: Vincent wird auf eine Decke zwischen die Körbe gesetzt, Don an der Leine gepackt, und wir verlassen den Kinderbauernhof für unsere erste Eselwanderung.

Wir haben uns für die dreistündige Route entschieden, die sich auch auf eine einstündige Wanderung abkürzen lässt. Don widerspricht allen Klischees über seine Art und trottet brav neben uns her, obwohl Vincent vor Aufregung kaum still sitzen kann. Es geht durch Felder und kleine Wälder, vorbei an einem Gemüsebauern, wo man selbst etwas ernten darf, und über den „Verloren Beek“, einen kleinen Bachlauf, hinweg. Die Wege sind angenehm breit, der Verkehr auf den wenigen Straßenabschnitten ist nicht der Rede wert.

Inklusive Picknickpause und Rückweg sind wir den ganzen Vormittag unterwegs. „Ich ein Ritter bin“, ist das Fazit unseres kleinen Wanderkollegen. Wir wiederum haben das Gefühl, dass unser Kopf ordentlich freigeweht wurde – und sind zwar keine Ritter, aber dafür sehr entspannt.

Auf holperigen Wegen mitten in den Wald hinein

Während der „Ritter“ auf der Rückbank noch von Esel Don schwärmt, fahren wir weiter durch Epe, bis uns das Navi „unbefestigte Straßen“ ankündigt. Und tatsächlich: Es geht auf holperigen Wegen mitten in den Wald hinein. Eine gefühlte Viertelstunde später haben wir das Restaurant „De Ossenstal“ erreicht. Es liegt mitten im Wald- und Naturgebiet ‘t Eperholt auf einer Lichtung. Vom riesigen Holzspielplatz und der weitläufigen Terrasse aus blicken wir auf blühendes Heidekraut, knorrige alte Baumriesen und von Wildschweinen oder Rotwild aufgewühlte Erde. Es beginnt zu regnen, also eisen wir Vincent vom Klettergerüst los und kehren ins Restaurant ein, wo wir uns dank der zahlreichen großen Fenster draußen wähnen, ohne nass zu werden. Betriebsleiter Maarten Noijens begrüßt uns und erzählt davon, dass hier bereits seit 1947 Wanderer bewirtet werden.

Der Name des Restaurants, der übersetzt „Ochsenstall“ heißt, verweist auf die Zeit, in der die Waldarbeit noch mit Hilfe der imposanten Tiere erledigt wurde. Während Vincent die Spielecke erkundet und wir einen köstlichen Salat mit warmem Ziegenkäse serviert bekommen, erfahren wir von Maarten, dass hier neben diversen anderen Wanderrouten auch eine Kinder-Schnitzeljagd startet. Aber die müssen wir wohl auf ein anderes Mal verschieben: Unser Ritter ist in der Spielecke eingeschlafen und braucht erstmal eine Wanderpause.

Gewinnspiel

Selbst einmal im anderen Holland auf Eselwanderung gehen? Ob mit Minikutsche, Sattel oder – so wie wir – mit Körben: Wir haben einen Gutschein mitgebracht, den NRZ-Leser gewinnen können. Wie? Einfach auf www.nrz.de/eselwanderung gehen, mitmachen, und mit etwas Glück schon bald mit Esel unterwegs sein!

Tipp: Das Pfannkuchenrestaurant De Heikamp hat 2017 zum wiederholten Mal den nationalen Wettbewerb um den besten Pfannkuchen gewonnen. Der Gewinner-Pfannkuchen heißt „Dwars door de Moestuin“ („Quer durch den Gemüsegarten“).

Reisegeschichten aus dem anderen Holland

Anders als die üblichen Holland-Ziele gilt Gelderland noch als echter Geheimtipp. Die Holland-Reporter Ursula Weber, Maike Schober und Carina Hendricks testen besondere Angebote in der Grenzregion. Einmalig mit dabei: Vincent, der die Wanderangebote für Kleinkinder ausprobiert. Weitere Infos unter www.dasandereholland.de.

Hier waren unsere Holland-Reporter

Pannenkoekenboerderij De Heikamp: Hengeloseweg 2, Ruurlo, Niederlande > www.heikamp.nl/heikamp-entdecken.html

Museonder / Besucherzentrum Nationalpark De Hoge Veluwe: Houtkampweg 9c, Otterlo, Niederlande > www.hogeveluwe.nl/de/besuch-des-parks/museonder

Veluwecamping De Pampel: Woeste Hoefweg 35, Hoenderloo, Niederlande > www.pampel.nl/reserveren/accommodaties/accommodaties/slapen_in_een_boomstam

De Koperen Ezel: Kopermolenweg 4, Epe, Niederlande > www.dekoperenezel.nl/de/

De Ossenstal: Ossenweg 10, Epe, Niederlande > www.ossenstal.nl/

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