"Bocholt tut der Liga gut"

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

TENNIS. Der TC Moers 08 freut sich, dass zwei Klubs aus der Region in der höchsten Klasse spielen. Und über den Derby-Sieg.

AM NIEDERRHEIN. Für Stefan Hofmann war die Saison eigentlich bereits gelaufen, ehe sie angefangen hatte: Den Manager des Damen-Tennis-Bundesligisten TC ZWS Moers 08 erreichten kurz hintereinander die schlechten Nachrichten, dass seine besten Spielerinnen verletzt sind. Was war passiert? Angelique Kerber (an Position vier gemeldet) war beim Turnier in Berlin so unglücklich auf ihr Handgelenk gefallen, dass dieses brach - das Aus für die Bundesligasaison. Und Petra Cetkovska (Nummer fünf) meldete sich kurz darauf beim Moerser Manager mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel ab. "Ich bin schockiert", gab er zu. "Jetzt wird die Saison um einiges schwieriger."

Da zum ersten Spiel am Wochenende gegen Bocholt auch das Top-Trio Karin Knapp, Kaia Kanepi, Tsvetana Pironkova sowie Ekaterina Bychkova wie erwartet passen musste, schwanden die Hoffnungen von Hofmann, der Moers 2004 zur deutschen Meisterschaft geführt hatte: "Wir sind krasser Außenseiter." Die Moerserinnen um die Hobby-Boxerin Angelika Bachmann boten allerdings einen tollen Kampf und holten im Niederrhein-Derby einen knappen 5:4-Erfolg (siehe Infobox).

Hofmann, der seit 2003 mit Moers in der höchsten deutschen Klasse mitmischt, erwartet in den kommenden Wochen eine ganz enge Saison: "Ich sehe uns neben Bocholt, Augsburg, Karlsruhe, Benrath und Stuttgart auf Augenhöhe. Jeder kann jeden schlagen. Die Liga war noch nie so ausgeglichen. Ausschlaggebend wird sein, wer in den entscheidenden Partien die besten Spielerinnen dabei hat." Lediglich Bochum dürfte schwächer besetzt sein.

Die Euphorie ist groß

Nur bis zum 9. Juni dauert die Sommersaison - "doch wir hoffen, dass wir den Moerser Fans in diesem Monat etwas bieten können", so Hofmann, der hervorhebt, dass man deutsche Top-Spielerinnen wie Martina Müller (Stuttgart), Sandra Klösel (Karlsruhe) oder Julia Schruff (Benrath) in Mitteleuropa normalerweise nur bei Turnieren in Rom, Paris oder Berlin zu sehen bekäme - oder eben in der Bundesliga: Klösel und Karlsruhe schauen am 6. Juni in Moers vorbei, für die Zuschauer an der Filderstraße stehen zwei große Stahltribünen zur Verfügung.

Lobende Worte findet Hofmann für den Teamchef des TC Bocholt: "Hartmut Bielefeld ist ein Tennisverrückter im positiven Sinne. Der ist richtig heiß. Und die Bocholter Mannschaft tut dem Tennis in der Region sehr gut." Hartmut Bielefeld selbst freut sich auf die Saison - natürlich auch, weil Bocholt als früherer Deutscher Meister (2001) nach finanziellen Problemen und dem Abstieg in die Niederrheinliga im letzten Sommer den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen konnte: "Die Euphorie ist groß, Regionalfernsehen und Zeitungen berichten regelmäßig. Auch ich spüre eine gewisse Anspannung."

Der Start ging erstmal in die Hose: Außer in Moers (4:5) verlor Bocholt auch gegen zuhause Benrath (2:7). Eigentlich schickt der 70-jährige Bielefeld aber einen guten Kader ins Rennen: Das Aushängeschild ist die 17-jährige Dänin Caroline Wozniacki, derzeit 37. in der Weltrangliste. "Eine dolle Spielerin", lobt Bielefeld.

Holztribünen auf der idyllischen Anlage im Stadtwald sollen etwa 800 Zuschauern Platz bieten, die pro Heimspiel erwartet werden. Diese wunderbare Umgebung lädt zum Träumen ein - und dazu, in Erinnerungen zu schwelgen. Einst schlug für Bocholt die spätere Weltranglisten-Erste Kim Clijsters auf. "Jetzt wollen wir erstmal den Abstieg vermeiden", sagt Hartmut Bielefeld heute.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben