Schädlinge

Borkenkäfer in NRW: Ist das Schlimmste noch nicht vorbei?

Typisch Borkenkäfer: Ein Förster zeigt einen befallenen Baumstamm.

Typisch Borkenkäfer: Ein Förster zeigt einen befallenen Baumstamm.

Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.   Erschreckend viele Tiere haben überwintert. Bei einer Stichprobe stießen Forstleute in einem fußballfeldgroßen Areal auf sechs Millionen Käfer.

Der sich Bahn brechende Frühling ist den Borkenkäfern nicht entgangen. Aus dem äußersten Zipfel Nordrhein-Westfalens, dem Kreis Minden-Lübbecke, wird der erste sogenannte „Stehend-Befall“ von Fichten gemeldet. Das heißt, dass Käfer nach ihrer Überwinterung ausgeflogen sind und neue Bäume befallen haben. „Wir hatten gehofft, dass uns das noch eine Weile erspart geblieben wäre“, sagt Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz.

Auf etwa 5,8 Mio Festmeter beziffert das NRW-Umweltministerium mittlerweile das Schadholz durch die Stürme im vergangenen Jahr und den Borkenkäferbefall, alles in allem über fünf Millionen betroffene Bäume. Jetzt gibt es die Sorge, dass bei den Borkenkäfern das Schlimmste womöglich noch gar nicht überstanden ist.

Zu wenig Niederschlag im Winter

Der Landesbetrieb Wald und Holz hat in Stichproben überprüft, wie viele Käfer den Winter überdauert haben. „Auf einem fußballfeldgroßen Stück Fichtenwald kamen wir da auf etwa sechs Millionen – eine erschreckend große Zahl“, berichtete Blaschke am Montag im Gespräch mit der Redaktion. Üblich sei sonst ein Bruchteil davon.

Das kurzfristig kühl-feuchte Wetter am vergangenen Wochenende hat die Schädlinge nicht schocken können. „Sowas bräuchten wir drei oder vier Wochen lang“, sagt Blaschke. Erschwerend komme hinzu, dass viele Bäume infolge Wassermangels geschwächt seien. „Die Regenfälle des Winters haben die Dürre des vorangegangenen Jahres nicht ausgleichen können.“ Bei den tieferen Wurzeln, ab 1,80 Meter im Boden, sei kaum etwas angekommen.

Test: Holzlagerung in Folie verpackt

Auf NRW-Ebene tagt eine von Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) einberufene Taskforce in Sachen Borkenkäfer. Der Landesbetrieb wurde angesichts der Krise mit 22 Zusatzkräften verstärkt, die mithilfe einer eigens entwickelten App den Befall kartieren. Förster wie Waldbesitzer stehen vor großen Problemen: Einerseits bekommen sie das befallene Holz nicht schnell genug aus dem Wald und zum anderen lässt es sich angesichts des großen Angebotes auch nicht zu vernünftigen Preisen verkaufen. Der Preis für Fichtenholz ist um etwa 50% eingebrochen.

Aktuell liegt ein großes Augenmerk darauf, weitere Lagerflächen für geschlagenes Holz zu finden. „Im Sauerland probieren wir auch in Kürze neue Lagerverfahren aus“, sagt Wald-und-Holz-Sprecher Blaschke. In Folie luftdicht verpackt soll das Holz auf Sammelplätzen überdauern.

Klar scheint: Die für den Schädling Borkenkäfer so anfällige Fichte soll in den NRW-Wäldern seltener werden – bedeutend seltener. Derzeit liegt ihr Anteil bei 37%. Angesichts der Klimaveränderungen präferiert das NRW-Umweltministerium einen Mischwald mit lediglich Fichten-Einsprengseln.

>>>> HINTERGRUND

Sehr aufmerksam beobachten die Förster in den nächsten Tagen und Wochen auch, wie sich die Laubbäume entwickeln – ob sie wie gewohnt austreiben. „Dann wird sich zeigen, wie sie die Dürre des vergangenen Jahres überstanden haben“, sagt Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz.

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