Bier aus der Region

Brauprojekt 777 braut am Niederrhein mit regionalen Zutaten

Torsten Mömken (l.) und Arne Hendschke vom Brauprojekt 777 vor der Pop-Up-Bar steht am Berliner Tor in Wesel mit zwei Gläsern „Gerstenglück“ in der Hand, das mit Gerste vom Niederrhein gebraut wurde.

Torsten Mömken (l.) und Arne Hendschke vom Brauprojekt 777 vor der Pop-Up-Bar steht am Berliner Tor in Wesel mit zwei Gläsern „Gerstenglück“ in der Hand, das mit Gerste vom Niederrhein gebraut wurde.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Das Brauprojekt 777 aus dem Voerder-Spellen hat in Wesel eine Pop-Up-Bar eröffnet. Seit 2012 liefert die Brauerei Bier – mit regionalen Zutaten.

Zur Pop-Up-Bar am Berliner Tor in Wesel, einem besonderen Bier und der Entwicklung der Brauerei hat Florian Langhoff mit Arne Hendschke und Torsten Mömken vom Brauprojekt 777 gesprochen.

Wie kam es zu der Idee, eine Brauerei zu gründen?

Hendschke „Die Grundidee fürs Brauprojekt hatten wir schon lange bevor es das Projekt gab. Ich war im zweiten Lehrjahr als Brauer und Mälzer, habe mir Rohstoffe mitgenommen und einfach mal getestet. Schon damals hat sich ein Team gefestigt, das mit Herzblut und Elan dabei war. Dann ging es erstmal mit Ausbildung und Studium auseinander. Irgendwann waren wir dann fertig und haben das Thema wieder rausgeholt. Dann haben wir uns einfach gesagt: Wir machen das jetzt! Wir haben dann getüftelt und gebaut und geschaut, was wir brauchen, um eine Brauerei zu eröffnen. Das hat etwas gedauert, bis wir dann eröffnet haben.“

Mömken „Das Schöne ist, dass die Markenphilosophie, die wir entwickelt haben, nach wie vor Bestand hat und tragend ist: Neugierig bleiben und ausprobieren. Wir machen einfach, gucken, was passiert und lernen dadurch.“

Gestartet mit wenig Geld und viel eigener Arbeit

Wie seid ihr dann zu einer kompletten Brauerei gekommen?

Mömken „Wir sind kein Start-Up, dass sich Geld zusammengesammelt hat. Wir haben das Brauprojekt auf Low-Budget-Art gestartet und aufgebaut. Man muss nicht immer ein großes finanzielles Risiko eingehen und sich verschulden. Man kann auch mit eigenem Einsatz und Willen viele Dinge verwirklichen. Aber dafür muss man dann viel arbeiten.“

Hendschke „Wir haben sehr viele Bauteile und Technik selbst entwickelt und gebaut. Das war für uns am Anfang auch der einzige Weg, um kostengünstige eine Brauerei aufzubauen. Wir haben einen Hut gehabt und Kapital reingeworfen und geschaut, was wir daraus machen können. Dementsprechend ist das Projekt auch niemals fertig. Es gibt immer noch etwas zu tun.“

Mömken „Was man auch braucht, ist Frustrationstoleranz. Wenn man viele Dinge selbst macht, dann funktionieren die nicht immer. Da muss man die Faust in der Tasche machen und weitermachen.“

Wie hat sich das Brauprojekt dann weiter entwickelt?

Mömken „Am Anfang ist das eher ein Hobby gewesen. Wir haben Bier gebraut und unseren Werksverkauf gemacht. Dann haben wir irgendwann gedacht: Das könnte funktionieren. Dann war Arne der Erste, der seinen Job gekündigt hat und voll eingestiegen ist. Als es dann immer besser lief, habe ich meinen alten Job auch an den Nagel gehängt.“

Hendschke „Auch Wilhelm Kloppert von der Niederrhein-Westfälischen Braumanufaktur war von der ersten Stunde an mit dabei. Er stand mit seiner Erfahrung für uns parat und wir konnten jederzeit anrufen und Fragen stellen. Irgendwann hat man immer mehr Menschen kennengelernt hat und mit denen dann neue Dinge entwickelt. So ist die Sache immer weiter gewachsen. Da sind sehr viele Köpfe dahinter gewesen, die das Projekt mit geprägt haben. So haben wir auch immer mehr dazu gelernt.“

Mömken „Wir haben eben nicht klassisch eine Firma entwickelt und geplant. Wir haben gemacht und geschaut, was passiert. Es sind immer Menschen auf uns zugekommen, die viel Expertise von außen mitgebracht haben. Hätten wir uns hingesetzt und geplant, hätten wir vieles eventuell nicht so gemacht.“

Mit Engagement und Herzblut zum besonderen Bier

Was braucht ein gutes Bier?

Hendschke „Für ein gutes Bier braucht man Durchhaltevermögen, Zeit und Selbstkritik. Jeder Mensch hat sein eigenes Geschmacksspektrum. Es ist schwierig zu schauen, was die Allgemeinheit mag. Viele unserer Biere haben Ecken und Kanten und wir wollen den Menschen zeigen, dass Bier viel mehr kann, als die Industrie macht. Es ist ein langer Prozess, ein gutes Bier herzustellen. Und der braucht viel Herzblut und Energie. Die Grundzutaten sind aber immer noch Hopfen, Malz und Wasser. Das ist auch der Kern: Wir wollen mit natürlichen Rohstoffen arbeiten.“

Mömken „Viele Dinge gehen nicht ganz so einfach. Es gehen auch Dinge schief, aber das bekommen Außenstehende nicht unbedingt mit.“

Hendschke „Lehrgeld zahlen gehört auch mit dazu. Einfach etwas ausprobieren und dann irgendwann feststellen: Das war eine schlechte Idee.“

Das Brauprojekt betreibt eine Pop-Up-Bar. Wie kam es dazu?

Hendschke „Es gab immer schon die Idee, das Berliner Tor zu beleben. Wir haben mit dem Stadtmarketing schon vorher viel zu tun gehabt und das erste Craft-Beer-Festival in Wesel veranstaltet. Dann hat sich die Idee entwickelt, zu zeigen, dass die Region viel mehr kann, als viele vermuten. So entstand das Konzept, hier Biere vieler toller Brauereien aus der Region anzubieten. Aber es war schon ein Wagnis.“

Mömken „Wir sind ja alle keine gelernten Gastronomen und haben auch niemanden im Team, der gastronomische Erfahrung hat. Wir haben einfach gesagt: Wir machen das jetzt!“

Mit Gerste vom Niederrhein brauen

Mit dem Gestenglück habt ihr jetzt ein besonderes Bier gebraut. Was steckt dahinter?

Mömken „Da ist Wilhelm Kloppert ausschlaggebend. Der hat ein Projekt gestartet, um am Niederrhein Gerste anzubauen. Und der Plan ist, aus dieser Gerste Bier zu machen. Das Gerstenglück ist unser erster Versuch dafür.“

Hendschke „Das ist eine grundsätzliche Idee, aber da gehört auch immer Erfahrung dazu - und die müssen wir noch sammeln.“

Mömken „Für uns ist das eine tolle Geschichte. Wenn uns am Anfang jemand gesagt hätte, wir würden irgendwann ein Bier mit Gerste vom Niederrhein brauen, hätten wir das nicht geglaubt. Und wenn man sich vorstellt, dass man vielleicht 2030 durch die Felder fährt und dann seine eigenen Rohstoffe dort wachsen sehen kann, dann wäre das unglaublich.“

>>>Das Brauprojekt und die Pop-Up-Bar

2012 ging das Brauprojekt 777 in Spellen an den Start. Seither ist die Brauerei immer weiter gewachsen. Mittlerweile bekommt man das Bier aus Spellen in vielen Supermärkten in der Region und vereinzelt auch weit darüber hinaus zu kaufen.

Die Pop-Up-Bar des Brauprojekts am Berliner Tor in Wesel bleibt erstmal bis zum 31. Oktober geöffnet. Im kommenden Jahr möchte das Projekt sie dann wieder öffnen – dann mit neuen Biersorten und frischen Ideen.

Mehr zum Brauprojekt gibt es auf der Internetseite der Brauerei unter www.brauprojekt777.de und auf www.facebook.com/Brauprojekt777 zu lesen.

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