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„Butternacht“: Die Nacht, in der Elten wieder deutsch wurde

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Die Rückgliederung von Elten in der berühmten Butternacht 31.Juli/1. August 1963.

Die Rückgliederung von Elten in der berühmten Butternacht 31.Juli/1. August 1963.

Foto: NRZ

Elten.  Nach 14 Jahren unter niederländischer Auftragsverwaltung wird Elten 1963 wieder deutsch. Das Ereignis geht als Butternacht in die Geschichte ein.

Territorial gesehen wird Elten an drei Seiten von niederländischem Hoheitsgebiet umschlungen. Zwischen 1949 und 1963 war das anders. In diesen 14 Jahren stand das Grenzdorf selbst komplett unter Niederländischer Auftragsverwaltung.

Diese Zeit endete am 1. August 1963. Die Ereignisse in diesem Sommer sind unter dem Namen Eltener Butternacht in die Geschichtsschreibung eingegangen. „Die Butternacht ist quasi so etwas wie die Kurzzusammenfassung der Niederländischen Zeit von Elten – das Tüpfelchen auf dem i“, sagt Tim Terhorst. Der Sprecher der Stadt Emmerich hat seine Magisterarbeit über die Niederländische Auftragsverwaltung geschrieben.

Butternacht ist Zusammenfassung der Zeit

Dass sich Terhorst als Student mit dieser Thematik so intensiv befasste, ist auf den ersten Blick recht ungewöhnlich. Familiäre Beziehungen nach Elten besitzt er nicht. Dass einmal die Stadt Emmerich sein Arbeitgeber werden würde, war auch nicht absehbar.

Bei seinem Studium der Politikwissenschaften in Münster belegte Terhorst allerdings den Schwerpunkt Niederlande-Studien. Seine erste Idee für eine vergleichende Arbeit sollte sich um die Beziehung Adenauers zum Nachbarland drehen. Doch sein Professor riet davon ab. Zu diesem Thema gab es bereits reichlich Literatur.

Erste wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema

Beim Zeitunglesen stieß Terhorst dann auf Eltens niederländische Zeit. „Es gab damals noch keine wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema“, erinnert sich Terhorst, der mit dieser Idee auch bei seinem Professor offene Türen einrannte. „Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich es gemacht habe.“

Die Butternacht verdankt ihrem Namen der Tatsache, dass findige Kaufleute ein gutes Geschäft machten. Ende Mai des Jahres 1963 gaben die niederländischen Behörden bekannt, dass am 1. August 1963, Punkt null Uhr, Elten wieder deutsch werden sollte. Schon Wochen zuvor wurden haltbare Lebensmittel in Konserven oder auch Kaffee eingelagert. In den letzten Juli-Tagen wurden dann Lkw-weise Gouda, Butter und andere verderbliche Waren nach Elten geschafft.

Mit dem 1. August standen die Waren dann auf deutschem Staatsgebiet. Und das absolut zollfrei. Laut einer Liste, die im Bundesarchiv einsehbar ist, wurden so in Elten 2000 Tonnen Butter, 189 Tonnen Käse und rund 200 Tonnen Eier nach Deutschland eingeführt. Es machte sich damals in Elten das geflügelte Wort breit: „Die Grenze ist über die Ware gegangen“.

>>>Magisterarbeit ist erhältlich

Die Magisterarbeit von Tim Terhorst kann unter anderem als E-Book bestellt werden. Der offizielle Titel lautet „Leben zwischen zwei Grenzen – Elten unter niederländischer Auftragsverwaltung 1949-1963“. Die Arbeit ist im Übrigen preisgekrönt: Terhorst erhielt den Karl-Heinz-Tekath-Förderpreis 2008 zur Erforschung von Geschichte und Kultur der Niederrheinlande.

„Das ist für mich ein öffentliches Dokument“, so der Stadtsprecher, der sich immer freut, wenn ihn Leute auf die Arbeit ansprechen oder weitere Forschungen in dieser Richtung anstreben. „Dann haben sich die sechs Monate intensiver Arbeit auch gelohnt.“

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