Coronavirus

Coronavirus: Wie ein Seniorenheim mit der Krise umgeht

Beruhigen statt Panik verbreiten: Pflegerin Micaela Niermann betreut eine Bewohnerin im St. Benedikt-Haus in Dinslaken.

Beruhigen statt Panik verbreiten: Pflegerin Micaela Niermann betreut eine Bewohnerin im St. Benedikt-Haus in Dinslaken.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Das Coronavirus ist im St. Benedikt-Haus in Dinslaken längst Gesprächsthema. Die Bewohner reagieren gelassen. Das liegt vor allem am Personal.

Freudestrahlend kommt Renate Döhring den Flur entlanggelaufen. Sie geht langsam, ist auf die Unterstützung eines Rollators angewiesen. „Ich hatte gerade eine Anwendung“, erzählt sie, während sie auf ihr Zimmer zusteuert. Im Seniorenheim St. Benedikt-Haus der Caritas in Dinslaken geht am Donnerstagmorgen alles seinen gewohnten Gang.

Bewohner sitzen an Tischen zusammen, unterhalten sich oder lesen die morgendliche Zeitung. Döhring passiert einen Gang, an einer Pinnwand ist ein Zettel angeheftet. „Die zehn wichtigsten Hygienetipps“ ist darauf zu lesen. Angst vor dem Coronavirus? „Im Augenblick ist nicht die Rede davon“, sagt Döhring entspannt. „Wir fühlen uns alle sehr wohl.“

St. Benedikt-Haus: Vernünftige Schutzausrüstung

Betagte und Menschen mit Vorerkrankungen gehören zur Risikogruppe für das neuartige Virus. Ein Ausbruch im St. Benedikt-Haus wäre somit fatal. Doch die Mitarbeiter fühlen sich für die vorbereitet: „Wir haben generell eine vernünftige Schutzausrüstung“, erklärt die Hygienebeauftragte Manuela Wilming. Dazu gehören unter anderem Kittel, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Notfallboxen für den Fall, dass es zu einer Infektion kommt. „Das sind alles Dinge, die eh vorgeschrieben sind“, sagt Wilming mit ruhiger Stimme.

Das Personal im St. Benedikt-Haus setzt auf Ruhe und Sensibilität im Umgang mit dem Thema, Panikmache sei an diesem Ort absolut fehlplatziert. „Das hier ist schließlich das Zuhause der Bewohner“, erklärt Petra van Meerbeck, Fachbereichsleiterin für Pflege und Beratung. Und: „Die Bewohner kriegen nur wenig von unseren Maßnahmen mit.“

Am gestrigen Freitag hat die nordrhein-westfälische Landesregierung in einem Maßnahmenpaket beschlossen, Besuche in den Alten- und Pflegeeinrichtungen auf das Notwendigste zu beschränken. „Wir haben heute die Häuser nach Anweisung des Ministers abgeschlossen“, erklärt Caritas-Direktor Michael van Meerbeck auf Anfrage.

Das heißt: Das Team vom Seniorenheim bittet sowohl Bewohner als auch Angehörige, nur absolut dringende Besuche umzusetzen und diese mit der Heimleitung abzustimmen. Die Bewohner bleiben auf ihren Etagen, Angebote finden nur noch dort statt. „Das Schlimme für die Bewohner wird sein, wenn das Enkelchen nicht mehr kommen kann. Das wird mit viel Herzleiden verbunden sein“, so van Meerbeck.

Seniorenheim in Dinslaken: Corona ist Gesprächsthema

Das Thema Coronavirus beschäftige die Bewohner, wie Einrichtungsleiter Darius Paterok am Donnerstag erklärte. „Aber sie strahlen dabei eine absolute Ruhe aus.“ Das läge in erster Linie am Personal und am Umgang mit den Bewohnern.

„Man muss in so einer Situation den Hut vor den sozialen Berufen ziehen“, betont Michael van Meerbeck. „Die Menschen, die im Schatten ihre Arbeit für die Gesellschaft verrichten, sind die wahren Helden.“ Beruhigen statt beängstigend, den Alltag möglichst normal gestalten – das sei die Devise. Diese Rechnung scheint aufzugehen. „Da sind wir Profis“, sagt Wilming. „Es ist auch unser Job, hier Ruhe reinzubringen.“

Die Sorge, dass es zu Engpässen kommen könnte, wie zum Beispiel bei Atemschutzmasken, bestehe dennoch. „Wir haben erst kürzlich versucht wieder welche zu bekommen“, erklärt Michael van Meerbeck. „Aber die sind ja mittlerweile nur noch für Millionäre geeignet.“

Caritas-Direktor: „Wenn die Schwester nicht da ist, sterben die Menschen“

Zwar lobt er die bisherigen Bemühung der Politik, die ungewöhnliche Situation in den Griff zu bekommen, einige Ungereimtheiten erkennt er dennoch. „Wir könnten zum Beispiel gar nicht ganze Teams von einem Tag auf den anderen nach Hause schicken“, sagt er nachdenklich. Denn Fakt sei: „Wenn die Schwester nicht da ist, sterben die Menschen. Das ist ein extrem hohes Verantwortungsgut.“

Renate Döhring hat mittlerweile auf einem Stuhl in ihrem Zimmer Platz genommen. „Manche sagen ja, die ganzen Vorkehrungen, wie abgesagte Veranstaltungen, wären übertrieben, andere finden sie notwendig.“ Und was denkt Döhring selbst? „Wenn es keine Auffälligkeiten gibt, sollte man Veranstaltungen normal stattfinden lassen“, sagt sie lächelnd. „Ich bin da ganz entspannt. Hier im Haus wird ja auch genug dafür getan.“

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