75 Jahre NRZ

D-Mark 1948: Vom Sorgengrund zur Erfolgsgeschichte

| Lesedauer: 5 Minuten
Im Juni 1948 wechselten die Deutschen fleißig Geld – gegen alte Reichsmark gab es die neue Deutsche Mark – auch in Mülheim an der Ruhr.

Im Juni 1948 wechselten die Deutschen fleißig Geld – gegen alte Reichsmark gab es die neue Deutsche Mark – auch in Mülheim an der Ruhr.

Foto: Stadtarchiv Mülheim / Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr

An Rhein und Ruhr.  Im Juni 1948 wurde die Deutsche Mark als neue Währung in den westlichen Besatzungszonen eingeführt. So sahen die ersten Tage mit der D-Mark aus.

Im Juni 1948 spielte in Deutschland Geld kaum eine Rolle. Nicht etwa, weil alle genug davon hatten. Sondern weil fast alle Waren, die in den offiziellen Handel kamen, nur gegen Bezugsscheine und zu festgelegten Preisen zu haben war. So kam es, dass sich viele Menschen auf dem Schwarzmarkt versorgten – und eher mit Tauschwaren oder Zigaretten zahlten, statt mit Geld.

Das alles sollte sich mit Einführung einer neuen Währung zum Besseren wenden. So zumindest der Plan. „Die Notwendigkeit, im deutschen Geldwesen endlich Ordnung zu schaffen konnte von keinem verantwortlich Denkenden mehr bezweifelt weiden. Aber es ist uns Deutschen keine Zuständigkeit gegeben, Dinge dieser Tragweite selbst zu regeln“, heißt es dazu in einem Kommentar in der NRZ vom 19. Juni 1948 – dem Tag vor der Einführung der neuen Währung.

Besorgte Bürger blicken bang auf die neue Währung

Es ist vieles noch unklar zu diesem Stichtag. Pro Kopf soll es 60 Deutsche Mark geben, von denen erstmal 40 D-Mark ausgezahlt werden sollen. Wie allerdings danach der Wechselkurs von alter zu neuer Währung aussieht und was sich sonst verändert, ist für viele unklar. Und so verwundert es nicht, dass sich die Menschen in den letzten Tagen vor der Währungsreform noch etwas gönnen wollen – Starkbier oder Zigaretten oder „eine letzte Zigarre“, wie ein 65-jähriger Industrievertreter schreibt.

Oder sie überlegen, die letzten verbliebenen Reichsmark schnell noch auf dem Schwarzmarkt gegen Waren zu tauschen – oder gar selbst zum Schwarzmarkthändler zu werden, wenn das neue Zahlungsmittel nicht hält, was es verspricht. Andere sehen es entspannter. „Ich nehm’ mein Geld und ‘ne Flasche Wein und trotte in die neue Währung rein“, schreibt eine 32-jährige Verkäuferin am Tag vor der Währungsreform an die NRZ-Redaktion.

Verhaltener Start der neuen Währung mit wenig Bargeld

Die ersten Tage mit der neuen Währung verlaufen verhalten, wie NRZ-Reporterin Antje Rust am 23. Juni in einem Text schildert. „Die Deutsche Mark tut überall Wunder“, heißt es dort – allerdings wohl eher bezogen auf die Waren, die plötzlich überall auftauchen: Haushaltsgeräte, Armbanduhren oder Handtaschen. Freilich zu Preisen, die sich mit einem relativ knappen Geldbestand noch niemand leisten kann. Aber die Waren sind in den Geschäften – und nicht nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

Die Reporterin stellt dabei zumindest in einem Bereich etwas vorteilhaftes fest: „Bemerkenswert ist die neue Speisekarte der Restaurants. Im Allgemeinen sind die Preise stehen geblieben“ heißt es in ihrem Text – und es gab das „teuerste Fleischgericht“ für 1,80 D-Mark.

Nur eine Woche nach der Einführung der neuen Währung folgt ein weiteres Gesetz, das regelt, was mit bestehenden Schulden passieren soll. „Schulden aller Art wie Hypotheken, Darlehen, Pfandbriefe, Beitrage zur Bausparkasse und Lebensversicherungen sowie Rechnungen für Leistungen, vor der Währungsreform, werden ebenfalls auf ein Zehntel abgewertet“, berichtet die NRZ am 28. Juni 1948. Alle laufenden Kosten wie Mieten aber auch Löhne, werden im Verhältnis eins zu eins weiter gezahlt. Allerdings schmelzen auch die Sparguthaben: Denn diese werden ebenfalls gezehntelt – aus 10 Reichsmark auf dem Konto wurde eine Deutsche Mark.

Teilung des Landes durch die neue Währung

Außerdem trat die Teilung des Landes durch die neue Währung stärker in den Vordergrund. Denn in der sowjetischen Besatzungszone wurde die Währungsreform nicht mitgetragen. Allerdings sah sich die sowjetische Verwaltung schnell dazu gezwungen, ebenfalls eine Währungsreform durchzuführen. Am 26. Juni vermeldet die NRZ die Einführung der „Ostmark“ – und eine weitere Nachricht: „Russen wollen Westberlin aushungern“ heißt die Titelzeile. Die Blockade der Land und Seewege in die Stadt durch die Sowjets wurde ebenfalls mit der Währungsreform begründet.

Am Ende wurde die Deutsche Mark allerdings zu einem Liebling der Deutschen und begleitete sich 50 Jahre lang durch Wirtschaftswunderjahre und die Wiedervereinigung. Und noch heute wünschen sich einige Menschen „ihre“ D-Mark wieder zurück, nachdem diese ab 1999 vom Euro abgelöst wurde. Und es gibt noch viele Sammler, die auch heute noch zahlreiche D-Mark-Münzen und -Scheine in ihrem Besitz haben. In den Köpfen gibt es die D-Mark weiterhin – wenn auch nicht mehr in der eigenen Geldbörse.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Niederrhein

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben