Regionale Produkte

Damit Lebensmittel in NRW keine weiten Wege haben

Auf Wochenmärkten und in Hofläden kann man gut regionale Produkte kaufen.

Auf Wochenmärkten und in Hofläden kann man gut regionale Produkte kaufen.

Foto: Thomas Schmidtke

An Rhein und Ruhr.   Verbraucher kaufen gern Erzeugnisse aus der Region. Ein neues Projekt soll Anbieter vernetzen und stärken. Stiftung gibt 120.000 Euro.

Lebensmittel aus der Region müssen keine langen Wege zum Verbraucher zurücklegen. Das ist gut fürs Klima – und fürs Verbrauchervertrauen, weil man gegebenenfalls selbst beim Hersteller vorbeischauen und sich nach den Produktionsbedingungen erkundigen kann. Nur: „Wir stellen immer wieder fest, dass das Angebot an glaubwürdigen regionalen Lebensmittel-Produkten relativ gering ist“, sagt Brigitte Hilcher von der Regionalbewegung NRW.

Als den Angaben zufolge erstes Bundesland wird Nordrhein-Westfalen eine eigene „Regionalitätsstrategie“ entwickeln. Der Gedanke: Kleine und mittlere Betriebe produzieren naturverträglich heimische Lebensmitteln, die bei intakten Nahversorgern vor Ort gekauft oder in der Region weiterentwickelt werden. „Regionalität entwickelt sich entlang der Wertschöpfungskette“, sagt Hilcher im Gespräch mit dieser Redaktion. Die Regionalbewegung hat die Federführung bei dem zweieinhalbjährigen Projekt, das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW mit 120.000 Euro gefördert wird.

Kleine Initiativen sind „sehr engagiert“

Beispiel Brot: Es sei ganz schwierig, regionales Brot zu kaufen, weil man dazu eben nicht nur die Bäckerei, sondern auch den Getreideanbau vor Ort und die Mühle in der Nähe benötige, erläutert Hilcher. Eben solche Strukturen gelte es, wieder zu entwickeln. Stärken wolle man auch regionale Vermarktungsinitiativen (z. B. „bergisch pur“, „Feines vom Land“ für Niederrhein und Westliches Münsterland), von denen es bundesweit etwa 400 und in NRW gut 50 gibt.

Nur vielleicht ein halbes Dutzend dieser Initiativen habe eine gewisse Marktrelevanz, erklärt Hilcher. Andere seien sehr klein, bis hin zu Zusammenschlüssen weniger Erzeugergemeinschaften: „Aber die Kleinen sind natürlich auch sehr engagiert“, wie die Verbandssprecherin betont. Wichtig sei, dass regionale Produkte nicht nur den Weg in den Einzelhandel sondern auch in Großküchen und Schulessen finden.

Auch Bürokratieabbau ist ein Thema

Landwirte, Vermarkter, Natur- oder Verbraucherschützer, Kirchenvertreter: Mit ihnen sollen jene Themen breit diskutiert werden. Ein Netzwerk von zunächst 16 Partnern und vier Unterstützern ist vor wenigen Wochen gegründet worden. Vom Niederrhein sind zum Beispiel Oregional Rhein-Waal (Kleve) und der Naturpark Schwalm-Nette dabei. „Wir sind offen für weitere Partner“, betonte Hilcher. Auch weitere Themen sollen diskutiert werden - zum Beispiel Bürokratieabbau, etwa wenn es darum geht eine kleine Käserei zu gründen.

Das NRW-Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf verweist auf Nachfrage dieser Redaktion darauf, dass man Verbraucherinformation und die Werbung für regionale Produkte schon seit über 20 Jahren fördere: „Die Grundidee der Regionalvermarktung ist die Steigerung der Wertschöpfung in der Region, die Sicherung von Arbeitsplätzen und der Nahversorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen. Damit erhalten wir nicht zuletzt einen vielfältigen Kulturraum“, sagte Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU).

Ministerin begrüßt das Vorhaben

Als Beispiele für die Förderung regionaler Lebensmittel durch das Land NRW nennt das Ministerium von Heinen-Esser neben zahlreichen Projekten von regionalen Initiativen wie zum Beispiel Spargelstraße NRW, Käseroute NRW, das Schinkenland Westfalen, mein-Ei.NRW oder Feines vom Land auch die Unterstützung von Schutzgemeinschaften für regionale Spezialitäten oder die Auszeichnung „Meister.Werk.NRW“ für das Lebensmittelhandwerk.

Mit dem Verein Ernährung.NRW wolle man die Agrar- und Ernährungswirtschaft NRW weiterhin „durch Netzwerke und starke Partnerschaften unterstützen und die Chancen unseres NRW-Marktes optimal nutzen“: „Ich begrüße sehr, dass auch der Landesverband Regionalbewegung NRW den Dialog zwischen den relevanten Akteuren verstetigen und eine Regionalitätsstrategie erarbeiten möchte“, sagte Heinen-Esser.

>>>> HINTERGRUND

Wann sind Lebensmittel wirklich regional? Wenn sie in einem Radius von 50 oder in 100 Kilometern erzeugt worden sind? „Darauf gibt es keine einfache Antwort“, sagt Brigitte Hilcher von der Regionalbewegung. In Ostwestfalen etwa könne es gut sein, dass Obst und Gemüse von einem Bauernhof 100 Kilometer entfernt stammt. Andere Regionen seinen weniger weitläufig.

Klassische Verkaufsschienen für regionale Produkte sind Hofläden und Wochenmärkte. Aber auch in Supermärkten wird zunehmend auf die regionale Herkunft von Erzeugnissen hingewiesen. Wer sich über Einkaufsmöglichkeiten informieren will, kann das im Internet an verschiedenen Stellen tun, etwa bei der Landwirtschaftskammer, bei der Genussregion Niederrhein oder beim Ökolandbau NRW.

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