Campinplatz Grav Insel

Das Camperparadies Grav Insel hilft den Menschen im Niger

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Frank Seibt, Chef auf der Grav Insel, Deutschlands größtem Campingplatz in Wesel.

Frank Seibt, Chef auf der Grav Insel, Deutschlands größtem Campingplatz in Wesel.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein.  Frank Seibt ist Chef auf dem Campingplatz Grav Insel, am alten Rheinarm in Wesel. Und immer wieder hilft er dort, wo Not ist - aktuell im Niger.

Frank Seibt ist ein harter Bursche, einer, der zupacken kann, die Ärmel hochkrempelt und mit rauer niederrheinischer Herzlichkeit und Robustheit Dinge zu klären weiß. Sonst bekommt man auch so ein Camper-Großunternehmen wie die Grav Insel in Wesel, mit 250 Hektar Deutschlands größter Campingplatz, auf dem sich in einem normalen Sommer ohne Corona schon mal 20.000 Urlauber knubbeln, nicht organisiert. Irgendwas ist immer kaputt, irgendwo gibt es immer Klärungsbedarf, irgendwas ist immer zu regeln.

Frank Seibt hat gelernt, anzupacken, wo Not am Mann ist – von der Pike auf. Vor zwei Jahren feierte das Camper-Paradies am alten Rheinarm sein 50-Jähriges. Sein Vater, Wolfgang Seibt, hat das Unternehmen aufgebaut – Frank Seibt führt es nach dessen Tod weiter.

„Jetzt fangen wir wieder bei Null an“

Und doch gibt es Momente, da fehlen auch Frank Seibt die Worte, dann hat er fast Tränen in den Augen vor lauter Wut im Herzen – so wie gerade jetzt wieder: 19 Kinder haben in einer Schule im Niger ihr Leben verloren, 19 Kinder und eine erwachsene Person starben in den Flammen, die das einfach gebaute „Klassenzimmer“ zerstörten.

Bei einem Feuer in einer Schule im Niger starben 19 Kinder und ein Erwachsener

Und alle Nahrungsmitteldepots in 21 kleinen Strohhütten, die als Hirsespeicher für ein ganzes Dorf dienten, gleich mit. „Es gab keine Fluchtmöglichkeit. Die Flammen waren plötzlich von allen Seiten da. Die Kinder hatten keine Chance, alle Nahrungsmittelvorräte sind auch verbrannt. Die Menschen stehen vor dem Nichts. Wieder einmal.“

Dabei hatte Frank Seibt gerade erst geholfen. Mit seinen Vereinen, dem Hilfswerk, seinen Campern, der Stiftung „Wir helfen Kindern weltweit“, seinem privaten Bankkonto hatte er 40.000 Euro zusammengesammelt und in den Niger geschickt, zu seinem „Freund, dem Bischof“. Der heißt Laurent Lompo und hat eine besonders enge und freundschaftliche Verbindung zur Grav Insel – durch die Kevelaerer Stiftung „Aktion pro Humanität“ (APH), die sich ehrenamtlich in Westafrika, in Benin und im Niger engagiert. „Jetzt fangen wir wieder bei Null an“, so Seibt.

Das Feuer vernichtete auch 21 Strohhütten, in denen Hirse gelagert war – ein ganzes Dorf steht nun ohne Lebensmittel da

Immer und immer wieder wird der Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, durch Wetterkatastrophen, islamistischen Terror und Gewalt gebeutelt – und immer mehr Binnenflüchtlinge kommen nahe der Hauptstadt Niamey zusammen, auf der Suche nach Sicherheit, nach einem Dach über dem Kopf und etwas zu essen. „Kaum einer in Europa nimmt davon Notiz“, sagt Frank Seibt, „wenn wir nicht helfen, sind die Menschen im Niger aufgeschmissen.“

Dr. Elke Kleuren-Schryvers ist APH-Vorsitzende und heilfroh, dass sie immer bei Frank Seibt anklopfen kann, wenn ihre Stiftung schnell agieren muss. „Ich bin ja lange schon aus der Kirche ausgetreten“, sagt Frank Seibt. „Aber wenn Menschen in Not sind helfen wir. So schnell wir können.“

Viele soziale Projekte auf der ganzen Welt werden von der Grav Insel unterstützt

Dutzende von Brunnen hat die Grav Insel im Niger schon gebaut, 600 Koka-Bauern in Indien werden unterstützt, die Togohilfe, soziale Projekte auf der ganzen Welt und auch im Kreis Wesel.

„Ich habe dieses Engagement von meinem verstorbenen Vater übernommen – und ich werde es an meinen Sohn weitergeben“, sagt Frank Seibt. „Uns Menschen ist auf der Erde alles nur geliehen, wir tragen Verantwortung für uns und die folgende Generation, wir haben verantwortungsvoll und nachhaltig mit allem umzugehen.“ Kirche hin oder her.

Frank Seibt hat auch jetzt nicht lange überlegt, er hat sich mit seiner Familie zusammengesetzt, mit allen angeschlossenen Vereinen, der Stiftung – und hat noch einmal 50.000 Euro in den Niger überweisen können. Damit die Lebensmittelspeicher wieder neu gefüllt werden können. „Wir haben Verantwortung für die, die in Not sind“, sagt er. „Wenn wir helfen können, helfen wir.“

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