Kunst

Das Kind als kreative Quelle

Ausschnitt aus Paul Klees „Clown im Bett“ von 1937, Zentrum Paul Klee, Bern.

Ausschnitt aus Paul Klees „Clown im Bett“ von 1937, Zentrum Paul Klee, Bern.

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Amstelveen.Als Paul Klee im Alter von 22 Jahren und zu dieser Zeit ein junger aufstrebender Künstler, zufällig seine Kinderzeichnungen wiederentdeckte, da war das für ihn eine Art Offenbarung. „Die frühesten figuralen Darstellungen (...) sind bis jetzt das Bedeutendste (....) Kurz, ich bin sehr stolz auf sie“, schrieb Klee an seine Verlobte Lily Stumpf.

Der kindliche, unverbildete Blick auf die Welt, die Unbefangenheit und Spontaneität, mit der sich Kinder mit wenigen Strichen ihren eigenen Kosmos kreieren - all das hat Paul Klee (1879 bis 1940) sein Leben lang fasziniert. Eine Reihe seiner Kinderzeichnungen adelte Klee, der große Expressionist, Kubist, Surrealist, Bauhaus-Lehrer und Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, später sogar dadurch, dass er sie nummerierte, mit Titeln versah und in sein offizielles Werkverzeichnis aufnahm - sie blieben Bezugspunkt und Inspirationsquelle seines Schaffens.

Konventionen überwinden

Acht Jahre nach Klees Tod, im Jahr 1948, gründete sich in Paris eine internationale Künstlergruppe namens Cobra, die für einen radikalen Neuanfang in der Kunst stand. Gemeinsam war den Künstlern der Gruppe die Ablehnung der vorherrschenden künstlerischen, bürgerlichen und akademischen Normen. Der Name Cobra leitete sich aus den Anfangsbuchstaben jener Städte ab, aus denen die Gründungsmitglieder stammten: Copenhagen, Brüssel, Amsterdam. Faktisch stand Cobra aber für Progressivität, Utopie und die Suche nach einer neuen Kunstform, die aus dem Geist von Freiheit, Einfachheit, Fantasie und Authentizität geboren ist. Aus diesem Grund befassten sich die Cobra-Kreativen u.a. intensiv mit afrikanischer Stammeskunst und - genau hier trifft man auf Klee - Kinderzeichnungen.

Mit Karel Appel, Eugene Brands, Constant, Lucebert und anderen waren zwischen 1948 und 1951 auch eine Reihe niederländischer Künstler in der Bewegung aktiv. Sie alle dürften spätestens im Cobra-Entstehungsjahr auf die fantastischen Bildwelten des Künstlers gestoßen sein, als diesem im Stedelijk-Museum eine Retrospektive mit mehr als 300 Werken gewidmet wurde.

In welcher Weise die Berufung auf kindliche Bildwelten Klee und Cobra verband und welchen Einfluss Klee auf die Künstler der Gruppe hatte, dem geht jetzt unter dem Titel „Klee und Cobra: ein Kinderspiel“ eine große, inspirierende Ausstellung im Cobra-Museum in Amstelveen, direkt vor den Toren Amsterdams, nach. Rund 130 Werke aus Paul Klees Nachlass und 120 Arbeiten sowie Fotos und Dokumente von Cobra-Künstlern, darunter Leihgaben aus bedeutenden internationalen Museen, sind in der Schau zu entdecken. Aufregendes und Rares ist dabei, wie eine Reihe von Klees frühen Kinderzeichnungen und Zeichnungen seines Sohnes Felix, die noch nie außerhalb der Schweiz gezeigt wurden, oder auch ein Journal, in dem Klee die Entwicklung seines kleinen Sohnes minutiös dokumentierte.

Fabelhafte Wesen und Spuren des Schreckens

„Diese Ausstellung ist ein Höhepunkt in der Geschichte unseres Hauses“, sagt Museums-Direktorin Els Ottenhof.

Doch auch wenn vieles laut und bunt und lebensprall wirkt, so ist es doch ein Irrtum zu glauben, die von der kindlichen Vorstellungskraft inspirierte Kunst entspringe einer heilen Welt oder gar einem naiven Blick. Dafür war allein schon Klees Wissen um die Psychologie und Probleme des Kindseins zu tief und komplex. Und so finden sich zwischen Artisten, fabelhaften, aber auch beängstigenden Fantasie-Tieren und monströsen Masken, auch Szenen aus dem Krieg und Kämpfe aus dem Kinderzimmer, die nicht nur kindliche (Ur)-Ängste, sondern auch den Zustand eines Jahrhunderts spiegeln, das eben auch für Angst und Schrecken steht.

Info: Die Ausstellung „Klee und Cobra: ein Kinderspiel“ im Cobra-Museum für moderne Kunst, Sandbergplein 1, in Amstelveen - unweit von Amsterdam - ist bis zum 22. April zu sehen. Sie ist eine Kooperation zwischen dem Cobra-Museum, dem Zentrum Paul Klee in Bern und dem Louisiana-Museum im dänischen Humlebaek.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 11-17 Uhr. Eintritt: 12 Euro für Erwachsene (inklusive Zugang zum gesamten Museumsbereich), Kinder: 5 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, auch auf deutsch.

Das Cobra-Museum wurde 1995 eröffnet und widmet sich den Künstlern der von 1948 bis 1951 bestehenden Cobra-Bewegung und ihrer niederländischen Vertreter, präsentiert aber auch Ausstellungen zeitgenössischer Künstler. Das Gebäude entwarf der bekannte niederländische Architekt Wim Quist.


Nähere Hinweise im Internet (in englischer Sprache): www.cobra-museum.nl

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