NRZ-Archiv

Das neue digitale NRZ-Archiv: Testen Sie es mit uns!

| Lesedauer: 8 Minuten
NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet und Redakteurin Sara Schurmann stöbern im Leserladen in Moers in alten Zeitungsbänden. Schon bald ist das auch für alle Abonnentinnen und Abonnenten kostenlos im Internet möglich.

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet und Redakteurin Sara Schurmann stöbern im Leserladen in Moers in alten Zeitungsbänden. Schon bald ist das auch für alle Abonnentinnen und Abonnenten kostenlos im Internet möglich.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Die NRZ hat ihre Ausgaben der letzten 77 Jahre digitalisiert. Fünf Leser können das Archiv vor dem offiziellen Start testen. So machen Sie mit.

Darauf haben wir lange gewartet, und darauf haben wir uns sehr gefreut: Bald können wir allen Leserinnen und Lesern unser Zeitungsarchiv öffnen und zur Verfügung stellen – zurück bis zur allerersten Ausgabe, die am 13. Juli 1946 erschien. Das ist eine Fundgrube für alle historisch Interessierten.

Das Besondere an unserem elektronischen Zeitungsarchiv: Es funktioniert nicht nur bei der Suche nach einem konkreten Datum. Sie können auch einfach ein Stichwort in die Suchmaske eingeben. Sie tippen beispielsweise „Mondlandung“ ein und bekommen innerhalb weniger Sekunden alle NRZ-Artikel aus 77 Jahren angezeigt, die sich mit dem Thema befassen.

Aber bevor es an den Start geht, wollen wir das Programm in der übernächsten Woche (14. Dezember) mit zehn Leserinnen und Lesern in der NRZ-Zentrale in Essen testen. Dafür können Sie sich ab sofort bewerben (Infos dazu lesen Sie weiter unten).

NRZ-Archiv steht Abonnenten kostenlos zur Verfügung

Es gibt nicht viele Verlage, die ihre alten Blätter schon komplett digitalisiert haben. Und nur wenige stellen sie ihren Abonnenten kostenlos zur Verfügung. Der Aufwand ist riesig. Allein für die Ausgaben von 1990 bis 2005 mussten 209.833 Seiten eingescannt werden – das sind rund 13.000 Seiten pro Jahr.

Zu Beginn unserer Geschichte waren das weniger Seiten. NRZ-Gründer Dietrich Oppenberg hat oft von seiner Jagd nach den letzten verfügbaren Papierreserven erzählt. Gedruckt werden konnte nur, wenn die Einkäufer Papier von den Briten bekommen hatten. Manchmal erschien die NRZ nur zweimal in der Woche, manchmal nur mit vier Seiten. Für das Jahr 1947 waren gerade mal 417 Seiten abzufotografieren.

Der Aufwand des Erfassens und die Komplexität der elektronischen Umsetzung für unsere Leserinnen und Leser hat uns auf dem falschen Fuß erwischt. Schon 2019 wurde das Projekt gestartet, und eigentlich war es als Geschenk an die Leser zum 75. NRZ- Jubiläum im Jahr 2021 gedacht. Jetzt starten wir halt nächstes Jahr – und wir finden, dass auch 77 Jahre NRZ ein guter Grund zum Feiern sind. Die Sieben gilt vielen als Glückszahl. Dann erst recht die Doppel-Sieben. Die Redaktion bereitet dazu einiges vor. Aber davon werden wir zu einem anderen Zeitpunkt berichten.

Unternehmen in Oberursel digitalisiert seit 30 Jahren Zeitungsseiten

„Wir schaffen pro Schicht 12.000 Seiten“, erzählt Siegfried Peis, der mit seinem Unternehmen „Prepress Systeme“ in Oberursel seit 30 Jahren Zeitungsseiten digitalisiert und damit wichtige Stücke Zeitgeschichte vor dem Verfall bewahrt. Denn die schlechte Papierqualität aus vorigen Jahrhunderten setzt den alten Zeitungsbänden in den Archivkellern gewaltig zu. „28 Millionen Seiten haben wir schon eingescannt“, sagt Peis nicht ohne Stolz. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ und die „FAZ“ gehören zu seinen Kunden.

Dazu haben die Hessen eigene Patente entwickelt. Der Rechner erkennt auch bei der früher üblichen verschachtelten Anordnung der Artikel die Zusammenhänge und ordnet sie einander zu. Kniffelige Herausforderung: Die Zeitungen sind meistens zu dicken Büchern gebunden worden. Wenn eine Doppelseite von oben durch eine Glasplatte abfotografiert wird, entsteht in der Mitte eine Verzerrung.

In Oberursel hebt dann eine Metallschiene die Mitte des Buches an und presst sie von unten gegen die Glasscheibe. Den Rest an Verzerrung rechnet der Computer raus. Das Ergebnis ist eine gestochen scharfe Zeitungsseite, die sich dann auf Wunsch großformatig ausdrucken lässt.

Leser können sich Wunschseiten auch im Leserladen in Moers ausdrucken lassen

Schon jetzt nutzen viele Leserinnen und Leser die Chance, sich ihre persönliche Wunschzeitungsseite als Geschenk oder für sich selbst ausdrucken zu lassen. In unserem Leserladen in Moers steht schon seit September ein Spezialdrucker. Die Mitarbeiterinnen vor Ort haben nämlich jetzt schon Zugriff auf die digitalisierten NRZ-Titelseiten unseres Archivs. So eine Seite 1, großformatig auf festem Papier gedruckt, kostet dann neun Euro (Man kann die Titelseiten auch online bestellen: https://leserladen.nrz.de/nrz-reprint/).

Wichtig ist uns: Nur wer Abonnent der NRZ ist, darf zukünftig kostenlos von seinem Rechner aus unser Zeitungsarchiv nutzen. Kleiner Wermutstropfen für viele, die nach Informationen aus ihrer Gemeinde suchen: Zunächst wurden die NRZ-Ausgaben mit dem Essener Lokalteil digitalisiert.

Die NRZ ist den fleißigen Angestellten von Siegfried Peis in Oberursel sehr dankbar. Man ahnt den großen Aufwand der Aufgabe. „Dazu können wir keine Roboter einsetzen“, erzählt der Chef. „Die würden die brüchigen Seiten leicht zerstören.“ Also ist alles Handarbeit. Die Glasplatte hebt sich, die Seite wird umgeblättert und ausgerichtet, die Glasplatte senkt sich, dann folgen helle Lichtblitze und das Rattern des Foto-Schlittens. Der Mitarbeiter tippt parallel Datum und Zeitungsnummer in den Computer. Dann die nächste Seite … Die Glasplatte hebet sich, die Zeitungsseite wird von Hand umgeblättert ...

In der ersten Ausgabe der NRZ ging es um Lebensmittelrationen

Vielleicht mögen Sie ja demnächst mal am Computer nachblättern, was an dem Tag auf der Welt geschah, als Sie geboren wurden – wenn das nach dem 13. Juli 1946 war, und falls an dem Tag eine NRZ erschien. Oder Sie lesen mal nach, was denn auf den vier Seiten der ersten NRZ stand.

Da ging es um den Streit der Siegermächte um die deutsche Einheit und um Lebensmittelrationen für Fett und Zucker. Und um die Feldhandball-Begegnung zwischen „Rasensport Mülheim“ und „Tus Lintfort“. Und in den Kleinanzeigen sucht der Circus Williams 50 Luftschutzbetten, ein alleinstehender Herr (53) fragt nach einer Schlafstelle mit Verpflegung, und eine Schneiderin bietet an, Herrenmäntel zu Damenkostümen umzunähen. Viele Männer waren im Krieg geblieben, und weggeworfen wurde in den Notzeiten nichts ...

Alte Zeitungen geben den Blick frei auf unsere Geschichte und Geschichten. Bald auch für Sie alle im Internet. Freuen Sie sich darauf!

>>>So können Sie das NRZ-Archiv vorab schon testen

Wollen Sie, liebe Leserin und liebe Leser, das neue NRZ-Archiv mit uns testen? Dazu wollen wir fünf Abonnenten mit je einer Begleitperson in die Zeitungszentrale nach Essen einladen.

Am Mittwoch, 14. Dezember, geht es um 10 Uhr mit einer guten Tasse Kaffee und einführenden Erläuterungen los. Die Computer sind dann für Sie startbereit, und Sie können drauflostesten und nach Artikeln und Zeitungsseiten suchen. Wir erhoffen uns Hinweise darauf, wo wir bei Beschreibung und Bedienung noch etwas verbessern können. In der Zeitung werden wir über diese Aktion berichten.

Gerne zeigen wir Ihnen anschließend die Redaktion. Mit einem gemeinsamen Mittagessen mit der Chefredaktion in unserem Mitarbeiter-Restaurant wollen wir uns dann für Ihren Einsatz bedanken.

Möchten Sie uns am 14. Dezember besuchen? Dann schicken Sie bitte bis 6. Dezember eine Mail an , Betreff: Archiv. Verraten Sie uns bitte auch Ihr Alter, wie lange Sie schon NRZ lesen und wen Sie gerne mitbringen möchten. Bei mehr als fünf Zusendungen entscheidet das Los. Details werden wir mit den Teilnehmenden rechtzeitig abklären.

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