Wurmzucht am Niederrhein

Dendro, der Superwurm aus Kalkar

Lyon van Weelden mit seinen Prachtexemplaren.

Lyon van Weelden mit seinen Prachtexemplaren.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services

Kalkar.  Familie van Weelden aus Kalkar züchtet den Dendrobena, den roten Riesenwurm. Sport-Angler aus aller Welt schätzen den Wurm vom Niederrhein.

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Lyon van Weelden hat keine Berührungsängste. Der zögert nicht ‘mal einen Moment sondern greift beherzt – und doch ganz vorsichtig – in die krabbelige, schleimige, sich schlängelnde, warme, weiche, lebendige Glibbermasse hinein. Hunderte, ach was, Tausende von dicken, fetten roten Würmern liegen da in seiner Hand – man kann gar nicht hingucken vor lauter Igittigitt-Gänsehaut.

„Prachtexemplare!“ sagt er stolz und packt das Gekrabbele wieder in die Box, schaufelt behutsam Erde drüber, schiebt die Box ins Regal. „Wir sind die einzige Familie weit und breit, die sich freut, dass sie Würmer hat.“ Wohl wahr.

Abertausende, Millionen von Würmern. Dicke, dünne, große, kleine.

Und wer Maden mag oder Mehlwürmer – auch kein Problem. Familie van Weelden züchtet die lautlosen kleinen Tierchen – und das mit so viel Erfolg, dass ihr „Niederrheinischer Wurmhandel“ boomt und Wurmfans, vor allem Angler natürlich, aus der ganzen Welt den Wurm vom Niederrhein haben möchten.

Der Superwurm

Dendrobena, der rote Riesenwurm. Eine Art Superwurm. Angler schätzen ihn, weil er als Köder nahezu unschlagbar ist. Wer Molche, Kröten, Schildkröten oder Fische zu Hause hat, liebt den Dendro als Futterwurm. Und wenn der als Kompostwurm leben darf, liefert er prächtigen Humus ab.

https://www.niederrheinischer-wurmhandel.eu/

Seit fünf Jahren ist bei den van Weeldens also der Wurm drin – in Scheune und Stall, sogar eine Art „Treibhaus“, besser: Aufzuchttunnel, haben die Wurmzüchter im Garten, in denen die Baby-Dendros heranwachsen.

„Und immer schön das Licht einschalten“, grinst Junior Lyon – weil, klar: Regenwürmer mögen das nicht und bleiben, wenn es hell ist, genau dort, wo sie hingehören, tief in der Erde.

Papa Andreas van Weelden hat das Würmerzüchten bei den Niederländern abgeguckt. Und aus dem Nachbarland kommt denn auch nach wie vor die spezielle Erde, angereichert mit allem, was wurm so zum Gedeihen braucht. Die Erde wird alle paar Wochen ausgetauscht – vom Schlüpfen aus dem Ei bis zum Verkauf des „fertigen“ Wurms gehen etwa sechs Monate ins Land.

Dass der Wurmhandel so eine Erfolgsgeschichte werden würde, haben die van Weeldens anfangs auch nicht gedacht. Aber irgendwie haben Vater und Sohn ein Händchen für die Dendros, und jetzt denken die beiden Männer (der Papa ist gelernter Metzger, der Sohn ist Landwirt) schon darüber nach, den bisherigen Nebenerwerb zum Hauptberuf zu machen. „Meinen Segen haben sie“, schmunzelt Mutter Fine. Mit einer Bedingung: Es kommt kein Wurm in die Wohnung.

Was bedeutet: Vater und Sohn haben schon ein sehr waches Auge darauf, dass die Wohnboxen der Dendros immer auch gut verschlossen sind… Zu den Fans der roten Würmer vom Niederrhein gehören inzwischen auch schon Weltmeister.

Feeder-Weltmeister Jens Koschnick etwa, der viele internationale Wettkämpfe im Jahr bestreitet und auf den Wurm vom Niederrhein schwört. „Wenn man den entscheidenden Vorteil beim Angeln haben möchte, dann läuft alles auf den perfekten Köder hinaus. Würmer machen da oft den Unterschied.“

http://www.regenwuermer.info/regenwurm/regenwurmarten/dendrobena.php

Nunja. Anfangs haben die van Weeldens ihre Würmer klein gekauft, groß gefüttert und dann verkauft. Inzwischen züchten sie die Dendros selbst. Eine liebevolle Betreuung vom Wurmei bis zum kapitalen 30-Zentimer-und-1,2-Gramm-schweren-Kaventsmann.

Automat vorm Haus

Wem kurzfristig daheim Würmer, Maden und Co. ausgegangen sind: Man kann sich die Tierchen rund um die Uhr bei den van Weeldens besorgen: Vorm Haus steht ein Kühlautomat – ähnlich den Grillfleisch-Automaten. Da gibt’s 17 große Dendros (Größe L) zu 1,50 Euro, zum Beispiel.

Sie können natürlich auch Kiloweise bestellen. Und weil bei den van Weeldens jetzt soviel guter Humus als „Abfallprodukt“ entsteht, kann man vor Ort auch „Worm Nature“ kaufen, was nichts anders ist als die von den Würmern verarbeitete Supererde...

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