Niederrhein – Natur

Der Fuchs ist am Niederrhein fast überall zuhause

Der Geruchs- und Hörsinn ist schon beim Jungfuchs ausgezeichnet.

Der Geruchs- und Hörsinn ist schon beim Jungfuchs ausgezeichnet.

Foto: Peter Malzbender

Am Niederrhein.  Der Fuchs ist am Niederrhein und in den Großstädten hier längst heimisch. Peter Malzbender vom Nabu erzählt mehr über das spannende Wildtier.

Der Rotfuchs ist in Europa der häufigste Wildhund. Und in Mitteleuropa der einzige Vertreter der Füchse. Hundeartig hat er wie die domestizierten Haus-, Hof-, Hirten- und Schoßfiffis 42 Zähne. Mit beeindruckenden Reiß- und Schneidezähnen. Dabei erbeutet er bei uns hauptsächlich nur Mäuse und Regenwürmer. Letztere stehen bei dieser Trockenheit immer seltener zur Verfügung.

Aber kein Grund zur Sorge: Der Rotfuchs ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist; und ein echter Kulturfolger. Er rückt menschlichen Behausungen gerne auf die Pelle. Auch in Großstädten am Niederrhein ist er längst erfolgreich heimisch.

Eine natürliche Gesundheitspolizei

Essensreste auf Schulhöfen, an Haltestellen, in Papierkörben und im Umfeld von Imbissstuben lässt er sich schmecken. Zudem ist er als Aasfresser auch so etwas wie eine natürliche Gesundheitspolizei. Er durchwühlt in Gärten auch gerne Komposthaufen. Als dämmerungs- und nachtaktiver Jäger wird er von uns Menschen im urbanen Bereich nur selten gesehen. Obwohl der Fuchs überall vertreten ist.

Als Tollwutüberträger, Wirt des Fuchsbandwurmes und regional die Trichine ist menschlicher Kontakt mit dem Wildtier nicht zu verharmlosen.

Also, auf keinen Fall anfüttern und Meister Reineke zähmen wollen. Auch wenn die Tollwut bei Füchsen vor Jahrzehnten durch eine Impfköderaktion äußerst erfolgreich in NRW bekämpft wurde. Sie ist bei diesem Leisetreter bis heute bei uns so gut wie erloschen. Seine sprichwörtliche Schläue und List ist in Fabeln und Märchen übertrieben.

Die kognitiven Leistungen eines Fuchses sind im Tierreich nicht absolut herausragend, sondern vielmehr bei anderen Arten ähnlich, vielleicht bei einigen Arten sogar noch ausgeprägter, vorhanden. Der Wolf, etwa, kann da durchaus mithalten. Die Ranzzeit beim Fuchs geht von Januar bis Anfang Februar.

Das Fuchspaar lebt zusammen – eine Saison lang

Häufig tapsen gleich mehrere Rüden der Fähe hinterher. Rüden sind von Dezember bis März befruchtungsfähig; Fähen hingegen nur an zwei bis drei Tagen in der Ranzzeit. Der dominante Fuchsrüde folgt dann mitunter über Tage seiner auserwählten Fähe und überprüft regelmäßig ihr Abwehrverhalten. Das kann dauern, obwohl der Rüde vom verführerischen Duft der Fähe wie betrunken ist und kaum noch zur Ruhe kommt.

Hinreißend zu beobachten, wenn sich das Paar auf die Hinterläufe aufbäumt und die Fähe mit den Vorderläufen, den Brannten, dem Rüde in Abwehrhaltung auf den Brustkorb trommelt. Sie ist noch nicht paarungsbereit. Die Fähe bestimmt den Zeitpunkt des Aktes.

Ist der Rüde endlich zum Zug gekommen, geht das Fuchspaar eine Saisonehe ein. Die Tragzeit liegt zwischen 51 und 53 Tagen. Meist in einem Bau werden sechs blinde, leicht behaarte Welpen geworfen. Erst nach knapp 14 Tagen öffnet der Nachwuchs die Augen. Die Fähe säugt etwa vier Wochen lang. Danach verlassen die Kleinen erstmals den schützenden, dunklen Bau und bestaunen mit ihren dann noch blauen Augen die neue Umwelt. Neugierig und verspielt wird alles im direkten Umfeld untersucht; bei störender Ungewissheit schnell wieder in den Bau gerannt.

Während dieser ganzen Zeit schleppt der Rüde allein Futter heran: auch Junghasen, Kaninchen, Bodenbrüter, bis zu zwei Monate alte Rehkitze, Fallwild, Hausgeflügel und natürliche Mäuse, Maulwürfe etc.. Wenn die Welpen nicht mehr gesäugt werden müssen, geht die Füchsin auch auf Jagd. Beute wird im Überfluss herangeschafft. Schließlich hat in dieser Wachstumsphase der Nachwuchs ständig Kohldampf.

Um in der Natur zurecht zu kommen, auch Beutemachen zu erlernen, werden die Jungfüchse noch drei bis vier Monate von den Eltern betreut. Der Fuchs geht in der Regel alleine auf Jagd. Die Größe seines Revieres ist sehr unterschiedlich; sie wird vom Futterangebot bestimmt.

Füchse haben ein ausgeprägtes Sozialleben

Füchse sind weniger territorial als bisher angenommen. Auch fremde Füchse, die nicht zur Familie gehören, können dasselbe Jagdrevier nutzen, ohne dass sich die Tiere gegenseitig ans Fell gehen.

Außerdem weiß man heute, dass Fuchsfamilien ein ausgeprägtes Sozialverhalten pflegen. Fuchstanten eines Geheckes, die selbst keinen Nachwuchs haben, dürfen sich an der Aufzucht ihrer kleinen Verwandten beteiligen.

Das ist kein Ammenmärchen. Erziehen, aufpassen und Futter anschleppen wird ebenso liebevoll-geduldig erledigt als wäre es der eigene Nachwuchs.

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