Kunst und Natur

Der Künstler Sjer Jacobs überlässt seine Kunst der Natur

Zu Besuch beim Künstler Sjer Jacobs in Belfeld (NL). Jacobs zeigt aktuell Arbeiten in den Schlossgärten Arcen und auf der Laga in Kamp-Lintfort: federleichte Objekte, Köpfe – im „Garten der Bräute“.

Zu Besuch beim Künstler Sjer Jacobs in Belfeld (NL). Jacobs zeigt aktuell Arbeiten in den Schlossgärten Arcen und auf der Laga in Kamp-Lintfort: federleichte Objekte, Köpfe – im „Garten der Bräute“.

Foto: wasch

Am Niederrhein /Belfeld (Stadtbezirk von Venlo, NL).  Warum Sjer Jacobs sich freut, wenn Gras und anderes Grünzeug über seine Skulpturen wächst. Natur und Kunst werden eins – auch auf der Laga.

Wenn dann mal endlich Gras über die Sache gewachsen ist, oder Moos oder anderes Grünzeug, dann ist Sjer Jacobs richtig, richtig glücklich. Dann versinken seine Skulpturen in den Armen von Mutter Natur, werden eins mit ihr, gestalten sich neu. Manchmal bröselt sich die Kunst auch auf und weg. Manchmal verändert sie ihre Form und ist plötzlich gar nicht mehr das, was sie mal war. Und immer wieder setzt sich Sjer Jacobs vor sie hin und beobachtet sie. Monate-, manchmal jahrelang.

Die Natur macht einfach weiter

Wie sieht die Skulptur im Sommer aus, wenn die Sonne sich einarbeitet, wenn das, was wachsen kann, plötzlich richtig loslegt und die Ursprungsform verändert.

Der Künstler Sjer Jacobs gestaltet ein Werk – und die Natur vollendet es

Oder im Winter, wenn Wind und Wetter am Objekt arbeiten, an ihm nagen und zerren und es sich stumm und erhaben auf das Spiel des Lebens einlässt. „Das ist so spannend“, sagt Sjer (das spricht man so wie das französische chérie – nur ohne ie am Ende). „ Ich mache ein Kunstobjekt und die Natur vollendet es. Das ist gut. Und das ist schön.“

Sjer Jacobs ist ein Generalist unter den Künstlern. Es gibt im Grunde kein Material, das er nicht bearbeiten und gestalten kann – und will. Er zeichnet und malt (damit hat alles angefangen), er brennt und schneidet, er sägt und hämmert, er schlägt und faltet und gießt und modelliert.

Immer wieder experimentiert er mit Materialien – was verändert sich wie und wann unter freiem Himmel? Wie reagiert die Natur darauf, wie leben die veränderten Werke weiter fort? „Ich mache etwas“, sagt der Mann mit den tausend Talenten, „und die Natur macht es weiter. So schön wie die Natur kann ich es ja nicht machen.“

Es sind die Menschen, die Charaktere, die Köpfe, die Gesichter, die Sjer Jacobs immer wieder inspirieren. „Ich kann stundenlang Leute beobachten“, sagt er. Im Café, im Zug, im Kaufhaus.“

Aus den Beobachtungen werden Wesen

Aus den Beobachtungen werden Charaktere, Ideen, Wesen. Mal fast lebensgroße Keramikskulpturen, mal zu angedeuteten Gesichtern reduzierte Windspiele. Mal spielen Licht und Schatten mit in Messing oder Stahl geschnittene Strukturen. Und in letzter Zeit immer wieder: Köpfe. Sehen aus wie Betonköpfe, sind aber – fast – federleicht.

Federleichte Betonköpfe

„Ich bin auf der Suche nach einem Material, das nicht mehr so schwer ist wie Objekte aus Bronze, Metall, Stein oder Gusseisen“, schmunzelt der Niederländer. Ein Material, das so leicht ist, dass es schwimmen und vom Wind bewegt werden kann: Schaum!

Und hier gibt es jede Menge Infos zu Sjer Jacobs, seiner Galerie und seinen Arbeiten

Leichtgewichte, die mit einer dünnen Betonschicht überzogen werden und gerne oben drüber noch mit Erde, einer besonderen Erde, in der sich gut wachsen lässt. Die Natur macht den Rest. Sie haben die Köpfe vielleicht schon gesehen – auf der Gartenschau Floriade bei Venlo, 2012, riesiggroß. Oder auf der Blumeninsel Mainau. Oder jetzt, ganz aktuell, auf der Landesgartenschau (Laga) in Kamp-Lintfort und zeitgleich in den Schlossgärten in Arcen.

„Garten der Bräute“ nennt Sjer Jacobs dieses jüngste Projekt. In Kamp-Lintfort baden vier Köpfe auf akkurat geharkten Wellen im Kies, in den Schlossgärten Arcen im dümpelnden. Auf der Laga haben die „Bräute“ etwas Moos angesetzt – in den Teichen in den Schlossgärten in Arcen hat die Natur den „Damen“ schon eine üppige grüne Frisur gezaubert, Schleier aus Moosen, Flechten und allerlei mehr...

Im Garten der Bräute

„Ich mache etwas und gebe es dann an die Natur zurück“, sagt Sjer. In seinem Atelier mit großem Garten in Belfeld nahe Tegelen etwa, wachsen Bäume zu besonderen Kuppeln und Formen heran, sind Skulpturen im Laufe der Jahre zugewuchert und kaum noch zu erkennen oder bröseln vor sich hin – und sollen das auch. Und wenn man sie lässt, werden Kunst und Natur wieder – eins.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben