Theater

Der Ring der Nibelungen – demnächst im Moerser Wallzentrum

Foto: Ulla Michels

Moers.   Das Schlosstheater-Team und der Bürgerchor proben in leeren Läden des Wallzentrums für die Aufführung. Und spielen an anderen schrägen Locations.

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Wie ein Blick ins Aquarium: Sieglindes Gatte, Hunding, sitzt auf dem Klo, mitten im leeren Ladenlokal Stoffpallette im Wallzentrum, und lässt gerade Siegmund eintreten. Dieser will seine Schwester Sieglinde von Hunding befreien. Mit K.O.-Tropfen betäubt, stirbt Hunding später, und die Geschwister gehen eine inzestuöse Liebesbeziehung ein – aus der dann Held Siegfried entsteht. Der geneigte Leser ahnt es schon, es geht um den Ring der Nibelungen. Den holt das Team des Schlosstheaters derzeit in die Gegenwart der Moerser City.

Die Dramaturginnen Larissa Bischoff und Annika Stadler haben dabei die Herkules-Aufgabe, aus der Masse an Texten von Wagner, Hebbel und dem „Ur-Nibelungenlied“ ein komplettes Stück zu schneidern, bei dem die Lokalitäten ständig wechseln. Bis heute sei die alte Sage aktuell: „Es geht um Macht und Liebe, um die Gier nach dem Geld, um Treue und gebrochene Versprechen“, erläutert Bischoff. Gerade das Wallzentrum passe doch gut zur gesellschaftlichen Kritik, die das Stück auch üben wolle. „Am Ende geht es um den Niedergang eines ganzen Geschlechts.“ Das Schluss-Gemetzel findet laut Sage am Hofe des Hunnen Etzel statt – in diesem Falle aber in der City-Tanzschule, wo man für Kriemhilds blutige Rache nur zu gern die Räume bereitstellt. Grundsätzlich, meint Annika Stadler, hätten die Inhaber der Läden im Wallzentrum fast enthusiastisch auf die Pläne der Schlosstheaters reagiert. „Sie finden es toll, dass wir pralles Leben hierher bringen.“

Sprechgesang muss sitzen

Im ebenfalls leerstehenden Teppichladen probt gerade der Chor aus 20 Moerser Bürgern, allesamt Fans des Schlosstheaters. Es geht um Sprechgesang nach Art des klassischen Dramas. Der Chor der Rheintöchter (später auf dem Parkdeck), hütet den Ring, der höchste Macht verleiht (im Moersbach). Wobei Zwerg Alberich am anderen Ufer des Walls agiert. Der Chor muss die Sätze präzise betonen, so will es Intendant Ulrich Greb. Zeilen wie: „Heiaja heia! Heiaja heia! Wallalalalala leiajahei!“ wollen daher gut geprobt sein.

Wagners ungewöhnliche Anhäufung von Alliterationen kommt auch den sechs Schauspielern, die teils zwei, drei Rollen übernehmen, nicht immer leicht über die Lippen. Matthias Heße beispielsweise als Zwerg Alberich (schwarzes, schwieliges Schwefelgezwerg) muss doch öfter mal im Text nachschauen: „Unfassbar, dass ein menschlicher Geist sowas ersonnen hat – aber, es geht schon“, meint er zuversichtlich lächelnd.

Geplant ist, den Ton zum Teil aus den bespielten Läden zu den Zuschauern draußen zu übertragen, um die „Aquarium-Situation“ zu unterstreichen. Die Idee, das Wallzentrum vom Parkdeck bis zum Show-Down in der Tanzschule zu bespielen, habe Intendant Greb schon länger gehabt, so Larissa Bischoff. „Nur fehlte der passende Stoff.“

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