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Deutscher Schlager ist in Klever Tanzlokalen out

Hannelore Hendricks möchte gerne zu Schlagermusik tanzen, doch in Kleve gebe es kaum Möglichkeiten.

Foto: Andreas Gebbink

Hannelore Hendricks möchte gerne zu Schlagermusik tanzen, doch in Kleve gebe es kaum Möglichkeiten. Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   In Kleve vermisst Hannelore Hendricks (79) ein „schönes Tanzlokal mit Schlagermusik“. Auch einige Veranstalter ziehen sich in 2018 zurück.

Hannelore Hendricks möchte gerne mal wieder das Tanzbein schwingen. Mit ihrem achtköpfigen „Clübchen“ ist die 79-Jährige aus Kellen gerne unterwegs, allerdings vermisst sie in Kleve ein Tanzlokal für ältere Leute. „Wo wird denn noch schöne, alte Schlagermusik gespielt?“, fragt sich Hannelore Hendricks. Für die Generation 60+ gebe es nichts mehr: „Einen schönen Abend mit deutscher Musik, wo gibt es das denn noch in Kleve?“ Jahrelang sei sie mit dem Freundeskreis zu „Puppa“ Schmitz an den Bresserberg gegangen. Aber im vergangenen Jahr sei sie auch hier enttäuscht worden: „Jazz und Rockmusik werden jetzt gespielt – das ist nichts mehr für uns“, sagt Hannelore Hendricks der NRZ.

„Stimmt“, sagt Marie-Luise Klar vom Tanzpalast Bresserberg. „Deutsche Live-Musik wird in Kleve kaum noch geboten. Sie wird aber auch nicht mehr nachgefragt“, sagt Klar, besser bekannt als Puppa Schmitz. Selbst in Köln gebe es nicht eine Kneipe mehr, in der deutsche Schlagerbands auftreten, sagt sie. WDR 4 spiele auch kaum noch Flippers oder die Wildecker Herzbuben. Daher habe auch sie ihr Programm umgestellt. Am Freitagabend werde zwar Disco-Musik gespielt. Aber am Samstag gebe es nach wie vor Tanzabende für ältere Leute. Zwar nicht mehr mit Live-Band, dafür aber mit Disc-Jockey.

Marie-Luise Klar kann die Kritik nicht verstehen: „Jahrelang sind die Leute nicht gekommen und jetzt meckern sie? Meine ältere Gäste sterben aus.“ 50 Leute an einem Tanzabend seien zu wenig, um eine Live-Band spielen zu lassen, so Klar. „Ich verstehe das nicht. Tanzen ist das Schönste, was es gibt. Ich habe immer gedacht, dass die Menschen immer tanzen werden.“

Thema für den Generationenbeirat

Die Jazz-Veranstaltungen seien nach kurzer Zeit wieder eingestellt worden und auch die „Go music“-Abende mit Bassist Martin Engelien seien unterm Strich nicht erfolgreich gewesen: „Der bringt immer richtig gute Musiker mit. Aber auch das läuft nicht.“ Marie-Luise Klar animiert dazu, einfach mal „gucken zu kommen“: „Bei uns kriegt man auf jeden Fall Spaß.“

Hannelore Hendricks möchte mit ihrem „Clübchen“ gerne jeden Samstag tanzen. Aber selbst im Schützenhaus Kellen sei das Angebot spärlich, sagt sie. Heinz Boskamp, Vorsitzender des Generationenbeirates, gibt Hannelore Hendricks Recht: „Das ist so. Wir sollte das im Generationenbeirat besprechen. Vielleicht lassen sich öffentliche Tanztees organisieren.“

In Kleve kein Sommer-Open-Air, kein „Rock statt Hose“

„Ich freue mich über das Interesse der Dame, aber sie steht allein auf weiter Flur“, bedauert Tim Verfondern, mit seinem Musikstudio und Entertainment „Soundbox“ ist der Klever ein Profi-Musikveranstalter. „Es stimmt, Leute über 50 werden nicht bedient. Es ist aber eher umgekehrt: Es wird geboten, womit man Geld verdienen kann. Leute über 40 gehen seltener ‘raus“.

Das Angebot der Soundbox ist breit gestreut. Doch Musik zu machen „ist irre teuer“, Personal und Technik, sagt Verfondern. Erstmals macht er in 2018 keine Veranstaltungen mehr in Kleve. Er will kein Sommer-Open-air im Forstgarten mehr organisieren, keinen „Rock statt Hose“ im Hof der Schwanenburg, kein „High Fidelity“. Da habe er beim letzten Mal kräftig drauf gezahlt. „Und wenn 350 Leute zur Schwanenburg kommen und zwölf Euro für drei Bands zahlen, reicht das nicht“. Tanzmusik sei „ein aussterbender Zweig“ und Schlagermusik heute was fürs jüngere Partyvolk.

In Goch keine Schlagerparty mehr

Das bestätigt Willi Girmes, Partymacher auf Mallorca und Lokalmatador in Asperden. „Schlager liegen im Trend. Aber getanzt wird selten, nur noch zwei mal pro Monat sonntags in Kevelaer im ‘Gelder Dyk’“, weiß er sofort. Auch er wird in diesem Jahr zum ersten Mal seine traditionelle Schlagerparty in Goch nach zehn Jahren nun nicht mehr veranstalten. Zuletzt hatte Girmes für Feierfreudige zwischen 20 und 60 Jahren die Flugzeughalle des Luftsportvereins Asperden gemietet. Aber die Auflagen für Brandschutz, Security etc. sind hoch und teuer. Da macht er lieber Silvester in edlerer Gesellschaft mit Liedern von Frank Sinatra bis Vicki Leandros und im Sommer Fete auf Malle.

Einer der letzten Entertainer im Kreis Kleve ist Wolfgang Bachus. „Ich habe vier Koffer voller CDs aus 30 Jahren Musikgeschichte“, sagt der Gocher, der zehn Jahre im E3 Geldern auflegte und fünf Jahre im World-Center Kleve. Heute arbeitet er (singend) mit Keyboard, Laptop und Festplatte. „Ich kann alles bedienen, von grüner Hochzeit bis Goldhochzeit, Oktoberfest oder Weihnachtsfeier, aber es ist unheimlich schwierig geworden.“ Zu aktuellen Schlagern von Helene Fischer, Andrea Berg, Andreas Bourani „da tanzen sie nicht. Aber wenn ich die Bee Gees auflege, sind oft alle auf einer Wellenlänge“. Doch viele wollten nur noch „bedudelt“ werden. Die stellen zwei Boxen und einen Laptop auf.

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