Gesundheit

Ärzteversorgung im Kreis Kleve ist nicht gerecht geregelt

Wolfgang Brüninghaus kämpft mit seiner Elterninitiative weiter gegen den Medizinermangel im Kreis Kleve.

Wolfgang Brüninghaus kämpft mit seiner Elterninitiative weiter gegen den Medizinermangel im Kreis Kleve.

Foto: Andreas Gebbink

Kreis Kleve.   Die Elterninitiative gegen den Ärztemangel im Kreis Kleve möchte mehr Druck in Berlin machen, damit der Medizinermangel ehrlich angegangen wird.

Nicht locker lassen, hart bleiben, den Finger in die Wunde legen: Die Elterninitiative gegen den Ärztemangel im Kreis Kleve sucht weiter fleißig den Weg der Öffentlichkeit. Denn auch wenn die Gruppe junger Mütter seit einigen Jahren die große Glocke der Mangelverwaltung läutet, hat sich de facto am unteren Niederrhein noch nicht viel getan. Im gesamten Kreis Kleve herrscht Ärztemangel. Es fehlen Kinderärzte in Emmerich und Goch, Spezialisten in Kleve und Rees. Wohin man auch blickt: „Der Kreis Kleve ist in allen Fachgebieten unterversorgt“, sagt Dr. Wolfgang Brüninghaus, der das Problem jetzt grundsätzlich angehen möchte.

Denn die Einschätzung, dass es im Kreis Kleve einen Mangel an Medizinern gibt, ist nicht unumstritten. Die offiziellen Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung sprechen sogar eine gegenteilige Sprache: Der Kreis Kleve ist überversorgt! Ja, er steht auf dem Papier sogar besser da als die Stadt Düsseldorf – wer es glaubt, wird selig.

Mogelpackung Bedarfsplanung

Die Elterninitiative hat bereits mit einer praktischen Studie nachweisen können, dass es um die ärztliche Versorgung auf dem Lande ungleich schlechter bestellt ist als in der Stadt (wir berichteten ausführlich). Und auch die neueste Aktion belegt, dass die Bedarfsberechnung der Kassenärztlichen Vereinigung eine Mogelpackung ist. Die Elterninitiative sammelt bereits seit einigen Wochen Unterschriften für eine Petition. Das Quorum von 2400 Unterschriften hat die Gruppe bereits locker überschritten. Mittlerweile steht der Zähler bei 3552. Ziel ist es, dass sich jetzt der Kreistag mit dem Thema beschäftigen muss. Beim Sammeln der Unterschriften haben die Eltern mit vielen Betroffenen gesprochen und ihre persönlichen Erfahrungen notiert. H. Booltink aus Kleve sagte: „Ich unterschreibe, damit unsere Kinder eine ärztliche Betreuung bekommen. Die meisten Hausärzte in Kleve nehmen keine Kinder als Patienten an.“ Claudia Geßmann aus Uedem sagte: „Ich habe drei Kinder: Termine beim Kinderarzt sind schwer zu bekommen. Ein Wechsel wäre nicht möglich und es gibt viel zu lange Wartezeiten in den Praxen.“

Die Elterninitiative aus dem Kreis Kleve möchte jetzt auf der Bundesebene gehört werden. Gemeinsam mit der Stadt Kleve hat man nun das Bundesgesundheitsministerium angeschrieben und den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA), der für die Zuteilung der kassenärztlichen Sitze in Deutschland zuständig ist. „Die örtlichen Kassenärztlichen Vereinigungen können sich auch nur an dieser Bedarfsplanung orientieren“, sagt Dr. Brüninghaus. Als kleiner David versucht er jetzt den Goliath in Berlin zu zwicken.

Kaum Fürsprecher in Berlin

Bislang waren die Reaktionen enttäuschend. Der GBA-Vorsitzende hat sich noch nicht dazu geäußert. Man habe das Schreiben der zuständigen Fachabteilung zugeleitet, hieß es. Viele Mitstreiter in Berlin gibt es bislang für das Thema nicht. Die mächtigen Krankenkassen fassen die Argumente der Eltern nur mit spitzen Fingern an – denn mehr Ärzte auf dem Lande kosten am Ende mehr Geld. Die Berliner Politik lässt sich ungern vorwerfen, dass man jahrelang eine falsche Gesundheitspolitik betrieben hat – gleiches gilt übrigens auch für die Vertreter der Ärzteschaft.

Die Eltern aus Kleve wollen sich aber nicht wegducken und das Problem laut benennen: „Auch wir zahlen Beiträge zur Krankenversicherung und erhalten eine viel schlechtere Leistung als Menschen in der Großstadt, das ist ungerecht“, sagt Anne Deckers.

Vielleicht ist dieser Gerechtigkeitsgedanke ja auch mal ein Thema für das Bundesverfassungsgericht.

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