Musikgeschichte auf Burg Linn

Die Geschichte der Musik – im Space-Book

Space-Books - die moderne Art, zu lesen...

Space-Books - die moderne Art, zu lesen...

Foto: posca

Krefeld-Linn.  200 Jahre Musikgeschichte in einer interaktiven Ausstellung im Jagdschloss Burg Linn. Die Digitalisierung von der Lochkarte bis zum Internet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Grandios: Das Heimatmuseum auf Burg Linn geht voran, zeigt in seiner aktuellen Ausstellung, wie zukunftsweisende Kulturvermittlung 2.0 geht. Wie´s geht? Vernetzung auf allen Ebenen heißt das Zauberwort: technisch, inhaltlich, rückblickend, ausblickend, spartenübergreifend.

Dafür wurde mit ortsansässiger Medien-Design-Agentur kooperiert, auf dass Animation, Digitales und Historie an einem Strang ziehen. Herausgekommen sind neuartigste Space-Books, eine interaktive Erfindung im Großbuch-Format, Anfassen ausdrücklich erwünscht – damit die im Buch steckenden Infos auch wirklich laufen und leben, zu Klängen und Geschichten.

Die Prise Magie der lebendigen Bücher machen intelligente Kameras im Verbund mit feinster Beamer-Technologie möglich.

Dass alles so prima funktioniert, wie´s funktioniert, haben die in Krefeld ansässigen „Space Interaktive“-Firmengründer Florian Pfahl und Andreas Kalinka gezaubert. Kleine Wunderwerke einer neuen Art von Info-Input auf musealem Parkett kamen heraus.

Eine spannende Ausstellung: Von der Lochkarte bis zur Cloud

Da kann es nur eins geben: Hingehen. Hingucken. Mitmachen. Frei nach dem Motto: Buchdeckel auf, Geschichte los. Keine Frage: Das animierte Storytelling zwischen Print und Digital – angedockt ans historische Ausstellungspanorama drum rum – fasziniert. Schnell-Guck allerdings geht anders, jedenfalls nicht in dieser Schau rund um die Frage, was mechanische Musikinstrumente, moderne Computertechnologie und Musterwebstühle von anno dazumal gemeinsam haben.

Des Pudels Kern? Gründet in frühester Digitalisierung: „Von der Lochkarte in die Cloud“. Schnell mal eben drüber linsen würde da an zu viel Geschichte & Geschichtchen vorbeigehen. Und auch das sollte keiner aus lauter Eile übersehen: das Schließen der Space-Books nach lustvollem Studium.

Sonst ist das Risiko groß, dass sich die kundigen Bücher fusselig reden. Und zwar solange sie aufgeschlagen bleiben. Da stellt sich die Frage: Warum nur ist so viel treffliches Infotainment so selten unterwegs in den Museen an Rhein und Ruhr? Wo doch Museumspädagogik heute überzeugt ist, dass „Event zieht, Inhalt bindet“, man also beides braucht, um Publikum, vor allem junges, zu interessieren.

Wie es zu der ambitionierten Ausstellung auf Burg Linn mit Info-Tech jüngster Generation kam? Man nehme teil am städteübergreifenden „Neuland – Terra Incognita“-Projekt des Kulturraumes Niederrhein, überlege, wie eine seit 80 Jahren nicht mehr umgestaltete, historische Sammlung mechanischer Musikinstrumente neue Gäste ins Haus locken könnte, und voilà: heraus kommt „Von der Lochkarte in die Cloud“.

Im Grunde funktionierteine Drehorgel wie ein Computer

Was eine eindrückliche Schau zur „Musik der Seidenindustrie in Krefeld“ ist. Wer schon würde in den altehrwürdigen Gemäuern des Jagdschlosses, wo einst Krefelds Wohltäterin Marianne Rhodius (1814-1902) lebte, vermuten, dass sich mittemang der hier beheimateten, höchst wertvollen Instrumentensammlung beeindruckende Medienkompetenz eingeschleust findet?

Und wie auch käme man angesichts von Dinosauriern der Musikgeschichte, wie dem Orchestrion, dem Symphonion, dem Pianola oder der Drehorgel vom Jahrmarkt darauf, dass dahinter das binäre Eins-Null-System heutiger High-Tech-Computer steckt, das schon im 19. Jahrhundert mittels papierner Lochkarten die Entwicklung mechanischer, zum Teil gar allein spielender Instrumente beförderte, genauso wie es grundlegend war für die Erfindung des Jacquard-Webstuhls in 1806?

Heinrich Band unddas Bandoneon

Keine Frage, „Von der Lochkarte in die Cloud“ stellt Fragen.

Auch die, ob man weiß, dass es ein Krefelder Bürger war, nämlich Johann Heinrich Scheibler, der den bis heute gültigen Standard-Kammerton „a“ mit seinen 440 Hertz pro Sekunde erfand, auf den die Instrumente einer Musikgruppe gleich hoch eingestimmt werden?

Oder das Johannes Brahms eine berühmte Partitur „Den Freunden in Crefeld“ widmete?

Und dass es um 1787 in Krefeld schon vier Klavierbauer gab, eine erstaunlich hohe Zahl bei einer relativ kleinen Bürgerschicht, die der Musik zugetan war.

http://www.museumburglinn.de/de/

Oder dass der große Gustav Mahler in Krefeld seine 3. Sinfonie dirigierte?

Und dass das Instrument zur Choreographierung des Tangos Bandoneon heißt, aus Krefeld kommt, weil`s der Krefelder Musikalienhändler Heinrich Band erfunden hat? Ja, und dass all das ins Zeitalter der Lochkarte und des „Impuls oder kein Impuls-Prinzips“ fällt. Wodurch wiederum Krefelds Musik- wie Seidenindustrie im 19. Jahrhundert revolutioniert wurde, was einen nicht unbedeutenden Teil frühester Digitalisierungsgeschichte schrieb. Nicht gewusst?

Nur zu: Die famosen Space-Books auf Burg Linn warten nur darauf, beim Update zu helfen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben