Die Hanse

Die Perlen an der Ijssel

Hansestädtchen Kampen. Mit großem Koggen-Auflauf.

Hansestädtchen Kampen. Mit großem Koggen-Auflauf.

Foto: Hanzesteden Marketing

Niederrheinlande.   Auch die Niederlande haben ihre Hansestädte. Eine kleine Entdeckungsreise.

Man spürt sie, die Geschichte. Man kann auch die Augen schließen und sich zurückdenken, man hört das Wasser an Holzplanken schlagen, es riecht etwas streng nach Fisch und Teer und großer weiter, alter Zeit. In den niederländischen Hansestädtchen, die sich entlang der Ijssel wie Knoten an einem Schiffertau aneinanderreihen, spürt man den Geist der Hanse auch heute noch. Viele der immer noch stolzen mittelalterlichen Kaufmannshäuser sind erhalten, man kann durch die kleinen Straßen und Gassen schlendern, durch die einst Pferde- und Ochsenkarren Kurs auf die am Ufer aufgestapelten Waren machten: Fisch, Wein, Pelze, Salz, Holz, Bienenwachs, auch Getreide und Leinen. Um das Jahr 1100 nahm der Handel in West- und Nordeuropa rasant zu. Kaufleute schlossen sich zu Interessengemeinschaften zusammen: der Hanse. Die bedeutsamsten niederländischen Hansestädte, mit denen auch die Niederrheiner im regen Austausch lagen, liegen an der Ijssel – und sind heute neu zu entdecken: Harderwijk, Elburg, Hasselt, Kampen, Zwolle, Hattem, Deventer, Zutphen und Doesburg. Im Jahr 1980 wurde die Neue Hanse in Zwolle gegründet, um die Tradition der Hanse wieder aufleben zu lassen (siehe erste Folge unserer Hanse-Serie).

Kampen

Die Skyline ist beeindruckend – vor allem wenn die mächtigen nachgebauten Koggen das Städtchen anlaufen. 2017 wird das wieder so sein, dann richtet Kampen die 37. Internationalen Hansetage aus – ein mittelalterliches Spektakel der besonderen Art. Die Innenstadt von Kampen ist eine der am besten erhaltenen Stadtkerne in den Niederlanden. Über die Kamper Kogge, der Kopie eines Schiffswracks, werden wir in einer der nächsten Folgen berichten.

Deventer

Deventer gilt als eine der ältesten Städte der Niederlande. Aus dem Jahre 806 stammt die erste Meldung in den Archiven über eine kleine Niederlassung an der IJssel. Der angelsächsische Mönch Lebuinus überquerte mit einem Ruderboot die IJssel, um dort seine Arbeit im Sinne der Christianisierung fortzusetzen. Er baute eine kleine hölzerne Kirche, genau an der Stelle, wo heute die mächtige Lebuinuskirche die Silhouette von Deventer prägt. Deventer spielte in der Hanse eine bedeutende Rolle: Pro Jahr wurden mindestens sechs Jahrmärkte organisiert, die mehrere Tage dauerten. Kaufleute aus ganz Europa kamen. Im 14. und 15. Jahrhundert kam es zu raschem Wachstum des Wohlstands. Es entstanden viele Kaufmannshäuser mit den bekannten Hansegiebeln, die nach dem Vorbild der wichtigsten (deutschen) Hansestadt Lübeck gebaut wurden.

Malerische Wasserwege. Foto: Ewout Staartjes Zwolle

Die sogenannte ‚Zwollse Kraft‘ und die Handelsmentalität der Einwohner haben ihren Ursprung in der Vergangenheit, als Zwolle Teil des Hanseverbundes war. 1407 wurde Zwolle unter der Leitung von Lübeck offizielles Mitglied der Hanse. Ein Goldenes Zeitalter brach für die Stadt an, denn der Handel ging mit Reichtum einher. Deshalb wurde auch der Schutz gegen Eindringlinge stark ausgebaut. Noch heute bestimmt die sternförmige Gracht rund um die Innenstadt das Bild von Zwolle. Von den ursprünglich sieben Stadttoren ist jedoch nur noch der aus dem Jahr 1409 stammende Sassenpoort erhalten.

Zutphen

Zutphen ist die Stadt der markanten Türme und stattlichen Kaufmannshäuser. Über das Meer und über die Ijssel zum Rhein verschifften die Einwohner vor allem Hering, Butter und Bier und nahmen im Gegenzug Wein mit zurück. Im Inland war Holz ein wichtiges Handelsgut. Besonder sind die Hausnamen: Vom späten Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Häuser keine Nummern. Unterschieden wurden sie durch die Straßen, in denen sie lagen sowie durch Namen und Berufe ihrer Bewohner. In der Innenstadt gibt es ca. 200 alte Häuser, die so einen Namen trugen und auf die Hansegeschichte verweisen, wie „Het zwarte anker“ (Der schwarze Anker) oder „De Koning van Zweden“ (Der König von Schweden).

Doesburg

Das mittelalterliche Straßennetz ist noch vollkommen erhalten und mehr als 150 Gebäude in der Innenstadt stehen unter Denkmalschutz. Sie erzählen von Doesburgs reicher Vergangenheit: Schon 1237 und damit 60 Jahre vor Amsterdam erhielt Doesburg die Stadtrechte. Darauf sind die Einwohner noch heute stolz. 1447 trat die Stadt dann dem deutschen Hanseverbund bei.

Die Hanse war zunächst ein Verbund deutscher Kaufleute, die sich zusammenschlossen, um sich besser gegen Seeräuber und Überfälle auf Landwegen verteidigen zu können. Nach und nach traten der Hanse immer mehr Kaufmänner und internationale Handelsstädte bei, und so entstanden auch in den Niederlanden Hansestädte. Während seiner Blütezeit zählten mehr als 150 Mitglieder zum Hanseverbund. Infos: www.hanse.org

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