Privatschule

Duisburger Bildungsverein soll der Gülen-Bewegung nahestehen

Die Verantwortlichen der geplanten Privatschule in Duisburg-Meiderich sollen der  Gülen-Bewegung nahestehen.

Die Verantwortlichen der geplanten Privatschule in Duisburg-Meiderich sollen der Gülen-Bewegung nahestehen.

Duisburg.  Der Rhein-Ruhr-Bildungsverein, der im September eine Privatschule in Duisburg-Meiderich eröffnen wird, soll der Gülen-Bewegung nahestehen. Man kenne und schätze zwar die Lehre von Fethullah Gülen, sei aber eigenständig.

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Offiziell wollen weder der Geschäftsführer des Rhein-Ruhr-Bildungsvereins, Erol Yücel, noch Schul-Geschäftsführer Orhan Yilderim sich als Teil der Gülen-Bewegung bezeichnen. Aber: „Wir kennen und schätzen die Lehren von Fethullah Gülen, wir sind allerdings nicht Teil einer Bewegung, sondern eigenständig“, betont Yilderim, „seine Thesen werden nicht Bestandteil des Unterrichts sein. Wir richten uns nach den geltenden Lehrplänen.“

Allerdings wurde schon die Realschule in Wuppertal, deren Geschäfte Yilderim zuvor geleitet hat, als Schule der Gülen-Bewegung bezeichnet. „Wir wissen, wer hinter den beiden Schulen steht“, sagt auch Jennifer Spitzner, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Außerdem ist das Bildungszentrum in Kasslerfeld anerkannt als „Pangea Bildungszentrum“.

Diese Einrichtung zählt Friedmann Eißler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zum Bildungsnetzwerk von Fethullah Gülen. „Viele sehen Gülen und seine Anhänger als Reformer, die eine traditionelle Frömmigkeit mit einem modernen Islamverständnis verbinden - liberal, unpolitisch und dialogisch. (Zitat: „Baut Schulen, keine Moscheen“) Kritiker sehen in ihnen dagegen verkappte Fundamentalisten, die die Gesellschaft islamistisch unterwandern wollen.“

Eine Einschätzung, die das Bundesamt für Verfassungsschutz nicht teilt: Es ist ein islamisches, keine islamistisches Netzwerk. Die Gülen-Bewegung wird derzeit nicht überwacht, heißt es auf Nachfrage.

Islamisch, nicht islamistisch

Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor betrachtet die Gülen-Bewegung mit gemischten Gefühlen: „Einerseits setzen sie stark auf Bildung. Das ist sehr zu begrüßen. Andererseits weiß man nicht, wo sie sich theologisch verorten.“

Weltweit betreibt das Bildungsnetzwerk um Fethullah Gülen rund 300 Schulen, mindestens 12 davon in Deutschland, unter anderem in Berlin, Köln und Wuppertal. Die Schule in Duisburg ist die erste am Niederrhein. Die Einrichtungen der Gülen-Bewegung genießen in der Regel einen exzellenten Ruf.

In der Türkei hat die Bewegung des in der USA lebendes Predigers zahlreiche Anhänger, insbesondere in der regierenden AK-Partei. Die Bewegung soll planmäßig Polizei und Sicherheitsdienste unterwandert haben, behauptet der türkische Journalist Ahmet Sik in seinem Manuskript „Die Armee des Imam“.

Anfang März wurde Ahmet Sik und sein Kollege Nedem Sener unter fadenscheinigen Gründen inhaftiert. Freunde und Unterstützer stellten das Buch daraufhin zum Download im Internet bereit. Es wurde inzwischen mehr als 100.000-mal heruntergeladen. Auf dem Istanbuler Taksim-Platz veranstalteten Freunde und Unterstützer des Journalisten öffentliche Lesungen des kritischen Buchs.

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