Rheinbrücke Neuenkamp

Duisburger muss wegen neuer A40-Rheinbrücke sein Haus räumen

Heinz-Dieter Schepers musste für den anstehenden Neubau der A40 Rheinbrücke Neuenkamp sein Elternhaus aufgeben. Fünf Generationen war es in Familienbesitz.

Heinz-Dieter Schepers musste für den anstehenden Neubau der A40 Rheinbrücke Neuenkamp sein Elternhaus aufgeben. Fünf Generationen war es in Familienbesitz.

Foto: Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Heinz-Dieter Schepers muss für den Bau der neuen A 40-Rheinbrücke in Duisburg sein Haus aufgeben. Fünf Generationen war es in Familienbesitz.

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Die schwarze Kohle-Lore musste mit. Jahrzehntelang stand der Kohlewagen im Garten von Heinz-Dieter Schepers Elternhaus, das einst seine Urgroßeltern 1889 in Essenberg am Rhein gebaut haben. Im Schatten der A40-Rheinbrücke Neuenkamp wurde der 64-jährige Duisburger mit seinen zwei Brüdern groß. Als Junge hatte er Ende der 60er Jahre bereits den Bau der ersten Rheinquerung erlebt. Den Bau der neuen Rheinbrücke, für die Montag NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst den Spatenstich setzen wird, muss er nun aus der Ferne beobachten.

Schon 2017, als die Pläne für die neue Brücke konkreter wurden, war klar, dass Schepers Familiengeschichte an der Flachsstraße nach fünf Generationen enden wird. „Das Haus würde in der ersten Bauphase genau unter der neuen Brücke stehen und das ist viel zu gefährlich, wenn da mal was runterfällt. Und wenn die Brücke in sechs Jahren fertig ist, würde ich nur 5 Meter von der Brücke entfernt leben“, sagt der ehemalige Bergmann, der im Sommer mit seiner Familie nach Moers zog – mit der Kohle-Lore, die nun im Vorgarten des neuen Hauses steht.

Ende der 60er Jahre wurden 13 Häuser abgerissen

Klar, ein bisschen Wehmut war dabei, „vor allem, als ich anfing, aufzuräumen. Ich hatte vieles gesammelt, musste mich von vielen Sachen trennen, hatte allein 600 Kilo Eisen zum Schrottplatz gefahren“, blickt Dieter Schepers an die letzten Monate zurück. Eine Alternative zum Auszug gab es nicht. „Gegen ein solches Bauprojekt kann man eh nichts machen“, weiß Heinz-Dieter Schepers noch aus der Zeit des ersten Brückenbaus.

13 Häuser wurden Ender der 60er Jahre in der Straße abgerissen, „viele meiner Freunde sind weggezogen. Das war schon komisch.“ Aber auch damals gab es kaum Proteste, die Eigentümer wurden entschädigt. „Das Bürgerwohl geht nun einmal vor. Und am Ende wäre ich womöglich noch enteignet worden. Das wollte ich nicht.“

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Und so bot Schepers sein altes Haus der Bundesrepublik Deutschland zum Kauf an. Dies sah das Prozedere vor. Die Deges hat als ausführende Gesellschaft die Abwicklung übernommen. Die Gespräche seien vernünftig verlaufen. Ein Gutachten wurde erstellt, es gab einige bürokratische Dinge, die noch zu klären waren, schließlich einigte man sich auf eine Summe. „Erst als wir wussten, wieviel Geld wir bekommen, konnten wir ja was anderes suchen. Und das war gar nicht so einfach. Wir wollten in der Nähe bleiben. Und die Preise für die Häuser sind wegen der niedrigen Zinsen angezogen.“

„Noch vor acht Jahren hieß es: Die neue Brücke kommt erst in 20 Jahren“

Nach einigen Besichtigungen fanden die Schepers ein Haus in einer kleinen Siedlung in Moers Asberg, nur eine Autobahnausfahrt von dem alten Haus entfernt. Fahrzeit: fünf Minuten – ohne Stau. Die Lage überzeugte. Ein Supermarkt, Ärzte, Apotheke - alles in der Nähe. Das Haus selbst war zwar renovierungsbedürftig. Aber Heinz-Dieter Schepers hat mittlerweile Übung darin, Häuser umzubauen.

Denn auch das Elternhaus hat er über die Jahrzehnte immer wieder modernisiert. Noch vor acht Jahren hat er Freunden, die das Nachbarhaus am Rhein gekauft haben, beim Umbau geholfen. „Damals sagte Straßen.NRW, dass die neue Rheinbrücke so schnell nicht kommen wird. Das würde mindestens 20 Jahre dauern“, sagt Heinz-Dieter Schepers. Nun: 20 Jahre brauchte es dann doch nicht mehr.

Insgesamt vier Häuser müssen der neuen Brücke weichen. Abgerissen werden sie nicht alle sofort. „Mein Elternhaus bleibt erst einmal stehen, da kommt wohl ein Projektbüro rein“, weiß Schepers, der sich in seinem neuen Zuhause schnell eingelegt hat. Sicher, seine alte Heimat Essenberg sei früher „richtig schön“ gewesen. „Wir hatten sechs Lebensmittelläden, vier Kneipen, Bäcker, Metzger und die Lage direkt am Rhein. Ich habe immer gesagt, ich will hier nie weg“, gibt Heinz-Dieter Schepers zu.

Aber viel habe sich in den vergangenen Jahren im Stadtteil verändert. Alle Supermärkte, Metzgereien, Bäcker und Kneipen haben längst geschlossen. Wenn der Duisburger heute zu seinem Kanu-Club nach Homberg fährt, dann schaut er schon mal an seinem alten Haus vorbei und denkt an so manche Erlebnisse zurück.

Noch gar nicht so lange ist es her, dass der Sturm Friederike im Januar 2018 vier große Tannen im Garten, „einer war der erste Weihnachtsbaum meines Sohnes“, einfach ummähte. 40 Kubikmeter Tannengrün habe er eine Woche lang zersägt und mit Hilfe von Nachbarn und Freunden weggeschafft.

„Es war eine schöne Zeit in Essenberg“, sagt Heinz-Dieter Schepers. Lärm von der Autobahn, den habe er nie wahrgenommen: „Wenn man neben der Autobahn groß wird, hört man das nicht. Aufgefallen ist mir das erst hier im neuen Garten, als ich mich hingesetzt habe und abends in aller Stille ein Feierabendbier getrunken habe“ – gut fünf Kilometer vom alten Elternhaus entfernt.

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