Eimerweisen

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GEBURTSTAG. Emmerich feierte 775 Jahre Stadtrechte. Doch was hat man hier für ein seltsames Wappen?

EMMERICH. Nicht-Emmericher machen sich gerne lustig darüber - über den Eimer, der das Stadtwappen ziert. Ein Eimer! Ja, ja, da müssen die Emmericher einiges über sich ergehen lassen, auch wenn hier gar nicht alles im Eimer ist. Ein Eimer ist kein Adler, kein Löwe oder Schwert. Man denkt eher an putzen, Tiere füttern oder Feuer löschen. Man kann wirklich nicht behaupten, dass der Eimer ein hochherrschaftliches Symbol ist. Warum haben die Emmericher von anno dazumal sich nur diesen Bottich als Stadtwappen ausgesucht? "Wir wissen es bis heute nicht", sagt Wolfgang Kruse vom Rheinmuseum.

Dabei stolpert man in Emmerich oft über den Eimer. Fast jede Flagge und viele Flyer sind mit dem Gefäß versehen. Über dem Rathaus hängt natürlich das Wappen mit Henkel, es gibt Grabsteine und Thronsessel, Wappensteine und Silberbesteck, das mit dem Henkelmann verziert ist. Ja, sogar Hein Driessen hat mal zur 750-Jahr-Feier die Steilvorlage für einen originellen Emmericher Eimer geliefert. In den 80er Jahren errichtete die Bundeswehr nach seiner Idee ein Holzfass ohne Boden, rot-weiß angemalt von Emmericher Schülern. Fünf Jahre lang stand das gut fünf Meter hohe Ungetüm exponiert im Emmericher Containerhafen, ehe das Ding nach zwei Brandanschlägen ganz im Eimer war und 1989 abgerissen wurde. In diesem Jahr stellte Driessen einen Entwurf für einen Eimerbrunnen vor. Ob dieser allerdings zur Ausführung kommt, ist fraglich.

Es gibt gar keinen Grund, sich über den Emmericher Eimer lustig zu machen. Hat doch das Stadtemblem ein bisschen Ehrfurcht verdient, schließlich taucht es zum ersten Mal 1247 auf einem Siegel auf und gilt damit als eines der ersten Stadtsiegel Deutschlands überhaupt. Auf dem Siegel ist eine Burg zu sehen, über deren Zinnen zwei Eimer schweben. Wer allerdings gedacht hat, dass die Eimer sich von Emmer-ich ableiten lassen, liegt falsch. "Das hat gar nichts damit zu tun. Emmerich hieß früher Embrica oder Embric", erklärt Wolfgang Kruse, "Und das heißt so viel wie 'Anhöhe auf dem Strom' oder 'Wasserburg'. Aber auch darüber streiten sich mindestens 27 Heimatforscher."

Fakt ist, dass es keine andere Stadt im Deutschland gibt, die einen Eimer im Wappen trägt. "Da sind wir ziemlich einzigartig", sagt Kruse. Und auch intensive Forschungen haben nicht klären können, woher die Eimer stammen. 1910 hat ein Prof. Dr. Hauptmann von der Universität Freiburg ein "Gutachten über das Wappen der Stadt Emmerich" verfasst. Die entscheidende Frage hat er nicht klären können. Auch Heinz Evers hat zum Namen Emmerichs ein Buch verfasst, aber über den Eimer ist auch er gestolpert.

Es gibt tolle Ausführungen des Emmericher Wahrzeichens. Heinrich Püntmann hat 1910 einen reich verzierten Eimer mit Lorbeerkranz und Jugendstil-Verschnörkelung gezeichnet. Der Holländer Pieter Corneliszoon Verbeek hat 1650 eine der schönsten Stadtansichten Emmerichs gemalt und über allem thronen zwei dicke Engelchen, die das rote Wappen in ihren Händen halten. Auch Matthias Merian hat in seinen Kupferstichen 1647 den Eimer aufgenommen.

So ein Eimer hat ja auch was Sympathisches. Er ist volksnah und urtümlich. "So ein Eimer sagt doch was über die Menschen hier", findet Kruse. "Man kann mit ihm ein Feuer löschen, Kühe füttern oder ein Boot leer schöpfen. Das ist ein praktischer Alltagsgegenstand." Und der passt perfekt zu Emmerich.

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