Frauentag

„Ein Frauentag für NRW wäre ein gutes Statement“

So wie in Oberhausen vor zwei Jahren finden auch heute wieder zum internationalen Frauentag in zahlreichen Städten   Demonstrationen statt.

So wie in Oberhausen vor zwei Jahren finden auch heute wieder zum internationalen Frauentag in zahlreichen Städten Demonstrationen statt.

Foto: Jörg Schimmel

Essen.   Brigitte Liesner, Gleichstellungsbeauftragte in Essen, spricht am internationalen Frauentag über Rosen, Super-Frauen und alte Rollenbilder.

Rosen und Pralinen wünscht sich Brigitte Liesner heute nicht. Stattdessen bevorzugt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Essen den „kämpferischen Teil“ des internationalen Frauentages.

Schon in den 1970er Jahren ist Liesner auf die Straße gegangen, um für die Gleichstellung von Frau und Mann zu demonstrieren. Damals drehte sich alles um Themen wie das Recht, als Frau einen bezahlten Beruf ausüben zu dürfen. „Theoretisch hätte mein Ehemann damals noch entscheiden müssen, ob ich arbeiten gehen darf“, erzählt sie. Für die jüngere Generation heute undenkbar.

Die Zahl der weiblichen Beschäftigten steigt

So teilt die Bundesagentur für Arbeit anlässlich des Frauentags mit, dass immer mehr Frauen in Nordrhein-Westfalen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Gegenüber Juni 2016 stieg die Beschäftigung im Juni 2017 um 66.443 auf 3.030.194 Frauen. Die Zahlen belegen, dass sich bereits einiges in den vergangenen Jahrzehnten getan hat. Dennoch bleibt eine Spanne zwischen den Geschlechtern. Von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 54,8 Prozent männlich, 45,2 Prozent weiblich. Damit ist der Frauentag längst noch nicht überflüssig geworden, wie Liesner betont: „Das ist ein Tag, der deutlich macht, dass wir Frauen sichtbar sein müssen.“

Noch immer kommen regelmäßig Frauen in die Gleichstellungsstelle, die Probleme mit ihrem Vorgesetzten oder aber ganz allgemeine Fragen zu ihrer Karriere haben. Grundsätzlich rät sie allen, sich einzumischen und für die eigene Meinung einzustehen.

Mit Humor an der Spitze

Liesner selbst versucht als Führungskraft mit Humor an schwierige Situationen heranzugehen, dabei aber hartnäckig zu bleiben. Denn, so ist sie überzeugt: „Ich glaube, dass Frauen und Männer anders denken.“ Und erst durch die unterschiedlichen Ansatzpunkte könne Arbeit produktive Ergebnisse liefern. „Gemischte Teams sind erfolgreicher“, sagt sie.

Doch obwohl mittlerweile die meisten Frauen nach ihrer Ausbildung ganztags arbeiten und Karriere machen, ändert sich vieles mit der Familienplanung. „Sobald die Kinder da sind, geht alles wieder mit dem alten Rollenverständnis los“, erklärt Liesner.

Frauen sind im Alltag mehrfach belastet

Zwar erkenne sie den Trend, dass Männer für sich stärker die Familie entdecken. Allerdings weiß sie auch: „Männer werden von den Führungskräften angehalten, an ihre Karriere zu denken.“ Und die Frau mutiere zur „Super-Frau“. Neben Karriere, Kindern und Haushalt müsse sie eine funktionierende Partnerschaft vorweisen können und sich bestenfalls noch gesellschaftlich engagieren.

Kein Wunder, dass sich viele Frauen dem Kampf gegen das ungerechte Rollenverständnis in ihrem ohnehin stressigen Alltag nicht stellen. „Du verhältst dich als Frau oder Mann so, wie die Gesellschaft dich malt“, betont sie.

Für Liesner ein Grund mehr, an Tagen wie diesem gemeinsam auf die Straße zu gehen, sichtbar zu werden und für mehr gesellschaftliche Gleichstellung zu kämpfen. „Wir haben keine weiteren hundert Jahre Zeit,“ sagt sie und stellt schließlich mit Blick auf die Einführung des Frauentags als Feiertag in Berlin fest: „Ein Frauentag für NRW wäre ein gutes Statement.“

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Zum internationalen Frauentag finden Veranstaltungen in verschiedenen Städten statt.

In Essen bildet sich ab 13 Uhr auf der Kettwiger Straße Höhe Burgplatz die Menschenkette „One Billion Rising“. Nach einer Aktion auf der Marktstraße von 13 bis 17 Uhr geht es in Oberhausen abends um 20.30 Uhr weiter mit dem Minifestival „Bewegung als Widerstand“.

Das Kino-Center Lichtburg in Dinslaken zeigt um 20 Uhr den Dokumentarfilm „#Female Pleasure“ über fünf Frauen, die sich der systematischen Unterdrückung widersetzen.

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