Literatur

Ein Mod, der Fahrrad fährt

Tobi Dahmen

Tobi Dahmen

Foto: JG Kusters Bunnik Netherlands

Wesel.   Comiczeichner Tobi Dahmen ist in Wesel aufgewachsen. Seine Jugend in der Hansestadt und die Erfahrungen mit einer Subkultur hielt der 44-Jährige in einem eigenen Buch fest.

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Hinsetzen, gemütlich machen, Buch aufschlagen – und schon kann die Reise losgehen. Die Zeitreise, um genau zu sein. Sie führt auf direktem Weg mitten hinein in das Wesel der 90er Jahre – die Zeit, in der Tobi Dahmen seine Jugend in der Hansestadt verbringt. Und die Zeit, in der auch die britische Independent-Subkultur der so genannten Mods am Niederrhein ankommt. Tobi Dahmen ist sofort fasziniert und beschließt, ein Teil davon zu werden. Nur ist er nicht wie seine britischen Vorbilder mit dem Motorroller, sondern – typisch niederrheinisch – mit dem Fahrrad unterwegs. Ein „Fahrradmod“ eben.

Wie sich der Alltag am doch eher ländlich geprägten Niederrhein mit dem Ausleben einer Independent-Bewegung verbinden lässt, das hält der 44-Jährige in seinen Comics fest. Schon seit 2007 läuft „Fahrradmod“ als Webcomic. Nun gibt es die Geschichte auch als Buch. Acht Jahre lang hat Dahmen neben seiner Arbeit als Illustrator an seinem Werk gearbeitet, vor wenigen Wochen nun ist das Buch erschienen. „Das Gefühl ist der Hammer“, sagt der Autor. „Die Leute gratulieren mir, als hätte ich ein Kind zur Welt gebracht. Und ein wenig fühlt es sich auch so an.“

Eine Parallelwelt

Stoff genug für ein Buch liefern seine Erlebnisse in der „Parallelwelt der Sixties-Szene“ allemal, sagt der Familienvater, der mittlerweile mit Frau und Kindern im niederländischen Utrecht lebt. Mods, das waren Jugendliche, die sich mit schicken Maßanzügen, Parka und anspruchsvollem Stil selbst verwirklichen und von Rockern abgrenzen wollten. In der Szene fand Dahmen, der 1990 am Andreas-Vesalius-Gymnasium sein Abitur machte, ein Gefühl der Zugehörigkeit, fand Freunde, erlebte ein Miteinander. Ganz ungefährlich war diese Szene dennoch nicht, schließlich sind Übergänge zu anderen Gruppierungen, die der Skinheads etwa, fließend. Auch spielten exzessive Partys und Drogen unter Mods eine Rolle.

Klick gemacht habe es bei ihm, als er die Musik der Mods gehört habe, erinnert sich Dahmen, „Dazu kommt der Stil, das Design, das sind Elemente, die für mich zeitlose Schönheit besitzen. Auch wenn manchmal der enge Maßanzug nicht mehr ganz passt.“ Übrigens gebe es auch heute noch Reste einer Mod-Szene in Wesel, weiß der 44-Jährige. „Aber es ist ruhiger geworden. Die Leute von damals gehen zwar immer noch ab und an gemeinsam auf entsprechende Konzerte und Parties.“ Die meisten haben mittlerweile aber Familie – man wird halt ruhiger.

Tobi Dahmen selbst ist auch noch das ein oder andere Mal dabei. Seine Mutter lebt nach wie vor in Wesel, auch zu vielen Freunden in der Stadt hat er noch Kontakt und kommt so regelmäßig zurück an den Niederrhein. Um die Freunde von damals zu schützen, hat der Comiczeichner übrigens einen Großteil der Namen geändert. Die Geschehnisse seien aber alle authentisch und so passiert, betont er. „Auch wenn ich natürlich ein wenig basteln musste, um eine Geschichte draus zu machen.

„Fahrradmod“ von Tobi Dahmen ist als Hardcover im Carlsen-Verlag erschienen. Es kostet 29,99 Euro. Derzeit ist der gebürtige Weseler auf Promo-Tour und macht im Rahmen dessen auch in seiner Heimatstadt Station. Am Samstag, 31. Oktober, kommt der Comiczeichner ab 12 Uhr zu einer Signierstunde in die Mayersche Buchhandlung in der Weseler Fußgängerzone. Nächstes Jahr vom 18. Juni bis 21. August sind seine Bilder bei einer Ausstellung im Rahmen des Stadtjubiläums im Centrum zu sehen.

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