Niederlande

Nachhaltigkeit: Wie sich eine Kommune selbst ernährt

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Am 14. April wurde die internationale Gartenbauausstellung Floriade Expo 2022 in Almere bei Amsterdam eröffnet.

Am 14. April wurde die internationale Gartenbauausstellung Floriade Expo 2022 in Almere bei Amsterdam eröffnet.

Foto: JEFFREY GROENEWEG / AFP

Almere.  Urban Gardening ist ein Trend in vielen Städten. Eine Siedlung in Almere ist schon einen Schritt weiter – sie ernährt sich zur Hälfte selbst.

Jan-Albert Blaauw guckt auf sein Handy. Nein, es hat niemand angerufen und auch keine Nachricht geschrieben. Er schaut in eine App, sie zeigt an, was sein Nachbar in den Boden gesetzt hat und wann es voraussichtlich fertig ist. Willkommen in Oosterwold, einer Siedlung etwas außerhalb Almeres, wo das größte Urban-Farming-Projekt der Welt läuft!

2016 ziehen hier Menschen hin, die sich einem Projekt verschreiben: Sie erhalten ihr Grundstück zu einem deutlich günstigeren Preis, wenn sie sich teils selbst versorgen. Mindestens 50 Prozent ihrer Fläche müssen Lebensmittel für den eigenen Bedarf angebaut werden.

In Oosterwold leben allerdings keine Ökos in grauen Strickpullis und Jesuslatschen, sondern moderne Menschen, die auf ihre Art das Prinzip der Internationalen Gartenbauausstellung Floriade Expo 2022 in Almere – „Growing Green Cities“ – umsetzen. Fast 70 Mitglieder hat die Kooperative „Stadslandbouw Oosterwold“ aktuell, sie pflegt etwa 1800 Hektar städtisches Ackerland. Darunter sind Gemüsegärtner, Obstbaumzüchter, Marmeladenhersteller, Bienenzüchter und sogar ein Weinbauer.

Gemüse, Obst und sogar Wein

Urban Gardening ist ein Trend und auch in deutschen Städten im Vormarsch. So konsequent aber wie hier in Oosterwold wird das Konzept „Feeding the City“ aber nirgendwo anders gelebt. Was die Mitglieder der Kooperative nicht selbst verbrauchen, stellen sie dem lokalen Markt zur Verfügung.

„Wir produzieren zehn Prozent aller Lebensmittel von Almere“, berichtet Jan-Albert Blaauw, Sprecher der Kooperative. Frische Erdbeeren gibt es im Juni, Heidelbeeren im August und dicke Knollen im Winter. Das weiß auch Jalil Bekkour, Betreiber des nachhaltigen Restaurants „Atelier Feddan“, zu schätzen. Er nimmt die Zutaten für seine Küche selbstverständlich aus dem eigenen Gemüsegarten und Gewächshaus.

Natürlich muss nicht jeder, der in Oosterwold lebt, in der Kooperative mitmachen. Weiter wachsen soll die Gemeinschaft aber, und damit auch die Zahl der urbanen Farmer. 2023 sollen es schon 200 werden, „unser Ziel sind irgendwann 15.000 Häuser“, verrät Jan-Albert Blaauw.

„Der Blumenkohl ist fertig“, signalisiert seine App. Es kann geerntet werden.

Citygärtner auf der Floriade

Die Coöperatie Stadslandbouw Oosterwold ist mit einem Pavillon auf der Floriade Expo 2022 vertreten. Mehr unter https://www.coopoosterwold.nl/

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